Wien (OTS) – „Sorge-Arbeit muss im Zentrum der Familien- und der
Sozialpolitik
stehen“, fordert Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser anlässlich
des Internationalen Frauentags. Jede sechste Frau über 18 Jahren
betreut oder pflegt ein Familienmitglied. 73 Prozent der gut 800.000
Menschen in Österreich, die Angehörige zu Hause pflegen und betreuen,
sind Frauen. Die Hälfte der Angehörigen stemmt diese Aufgabe allein,
ohne professionelle Hilfe. Auch weil das Pflegegeld oft nicht
ausreicht, um Unterstützungsleistungen zu bezahlen.
„Langzeitpflege für chronisch kranke Kinder und Menschen im Alter
kann zur Armutsfalle für Frauen werden“, konstatiert Moser. Nicht
selten würden Angehörige – „und zwar jene im Haushalt mit geringerem
Einkommen, und das eben meistens die Frauen“ – ihre Erwerbstätigkeit
reduzieren oder beenden, um die Betreuung unentgeltlich zu
übernehmen. „In der Folge haben sie niedrigere Pensionen und laufen
Gefahr, im Alter in die Armut abzurutschen. Angehörigenpflege ist
nicht nur ein Faktor beim Gender-Pay-Gap, sie verschärft auch den
Gender-Pension-Gap“.
Jede fünfte Frau im Pensionsalter ist in Österreich
armutsgefährdet, insgesamt gelten 570.000 Frauen als armutsgefährdet.
Zwtl.: Höheres Pensionsalter verschärft Druck
Dazu kommt, dass das gesetzliche Pensionsalter für Frauen steigt.
Dadurch geraten Frauen zusätzlich unter Druck, denn viele Frauen
tragen im Alter zwischen 40 bis 60 neben dem Beruf gleichzeitig
Verantwortung für Kinder und pflegebedürftige Eltern.
„Wenn Frauen länger im Erwerbsleben bleiben sollen, gleichzeitig
Angehörige pflegen und strukturell weniger verdienen, dann geht sich
das irgendwann nicht mehr aus. Ohne Geschlechtergerechtigkeit wird
die Langzeitpflege kippen“, so Moser.
Zwtl.: Familiarisierung von Pflege als strukturelles Risiko
Die Diakonie-Direktorin kritisiert die sogenannte
Familiarisierung der Pflege. Gerade in Zeiten, in denen aufgrund der
demografischen Entwicklung der Druck auf die Pflegelandschaft zunehme
und die Bedeutung der Versorgung zu Hause steige, dürfe
Langzeitpflege nicht als Privatsache betrachtet werden.
„Langzeitpflege ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die
nach politischer Verantwortungsübernahme schreit“, so Moser. Die
Politik dürfe sich nicht länger auf die Betreuung von Menschen im
Alter oder chronisch kranken Kindern durch Angehörige, „das heißt auf
die unbezahlte Arbeit von Frauen“, verlassen.
Gefordert seien zum einen der Ausbau bedarfsgerechter
professioneller Unterstützung, zum anderen müssten Männer
Verantwortung sowohl in der bezahlten als auch in der unbezahlten
Sorge-Arbeit übernehmen.
Zwtl.: Care-Arbeit muss geschlechtergerecht organisiert werden
Die Diakonie fordert, dass bei politischen Maßnahmen in allen
Ressorts die Auswirkungen auf Frauen und Männer, die Sorge-Arbeit
leisten, mitgedacht wird.
Konkret braucht es unter anderem:
– den konsequenten Abbau des Gender Pay Gaps, um den Care-Gap und in
Folge den Pension-Gap zu schließen,
– eine Normalisierung der Sorge-Arbeit von Männern, u.a. durch Karenz
-Regelungen und gezielte Beratungsformate (etwa Peer Beratung für
Männer),
– den Ausbau von Tageszentren und mobilen Diensten, die echte
Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ermöglichen (Öffnungszeiten,
Wohnortnähe, Leistbarkeit),
– die Stärkung von Unterstützung im Sozialraum durch Finanzierung der
Koordination von Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe, Besuchsdiensten,
inklusive Vereine u.v.m.,
– ausreichend Plätze und qualifizierte Betreuung in Kindergärten und
Horten für chronisch kranke Kinder und Kinder mit Behinderung, damit
Eltern, insbesondere Mütter ihrer Berufstätigkeit nachgehen können.