Wien (OTS) – Der Wirtschaftsstandort Österreich befindet sich in der
Dauerkrise –
mit schwerwiegenden Folgen für die heimische Wettbewerbsfähigkeit.
Angesichts der aktuellen geopolitischen Umwälzungen wird sich die
Situation in den kommenden Monaten noch weiter zuspitzen. Das ist das
Ergebnis einer neuen Studie des Beratungsunternehmens Deloitte. Um
Wohlstand und Sicherheit angesichts dieser Entwicklungen nicht weiter
zu gefährden, braucht es neben kurzfristigen Maßnahmen im Rahmen der
Budgetkonsolidierung vor allem tiefgreifende und einschneidende
Strukturreformen.
Zum zwölften Mal wurde im Rahmen des Deloitte Radar die
internationale Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen
Wirtschaftsstandorts untersucht. Neben der Befragung von rund 600 Top
-Führungskräften wurden auch die wichtigsten globalen Indizes
analysiert. Dabei zeigt sich ein alarmierendes Bild: Die
geopolitischen Spannungen, hohen Energie- und Finanzierungskosten
sowie die schwache Konjunktur belasten die österreichischen
Unternehmen. Der Wirtschaftsstandort kämpfte bereits in den
vergangenen Jahren mit einem stetigen Abwärtstrend, jetzt spitzt sich
die Lage weiter zu.
„Österreichs Wirtschaftsstandort schafft es seit Jahren nicht aus
dem Krisenmodus. Im Gegenteil: Im aktuellen Wettbewerbsranking des
IMD erreichen wir erneut nur den 26. Platz und verharren deutlich
hinter vergleichbaren europäischen Ländern wie der Schweiz, Dänemark
oder Schweden“, analysiert Harald Breit, CEO von Deloitte Österreich.
„Es braucht eine offene und schonungslose Bestandsaufnahme sowie den
politischen Willen, tiefgreifende strukturelle Reformen
durchzusetzen. Denn eines ist sicher: Die Lage wird sich weiter
zuspitzen – immerhin nimmt die Energiekrise in Folge des Iran-Kriegs
gerade erst Fahrt auf.“
Zwtl.: Stimmung am Tiefpunkt
Schon jetzt ist laut der Umfrage jedes zweite Unternehmen vom
Krieg im Nahen Osten direkt betroffen. Sechs von zehn Unternehmen
erwarten negative Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit. Darüber
hinaus beklagen 61 % die hohen Energiekosten.
Es verwundert also nicht, dass angesichts dieser Erwartungen die
Stimmung am Standort am Tiefpunkt ist. Rund ein Drittel der Befragten
gibt an, die Stimmung als negativ oder sogar sehr negativ
wahrzunehmen, während nur eine Minderheit von 14 % die Stimmung
positiv sieht. Ähnlich düster ist der Ausblick auf die nächsten
Monate.
Zwtl.: Bürokratie und Steuerpolitik als größte Schwachstellen
D ie österreichischen Führungskräfte empfinden vor allem die
überbordende Bürokratie (58 %), die allgemeine Unsicherheit (53 %)
und die hohen Steuern und Abgaben (37 %) als besonders problematisch.
Im IMD-Ranking belegt die österreichische Steuerpolitik aktuell nur
Platz 64 von 69 Ländern – damit zählt Österreich auch im
internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern.
„Der Bürokratiedschungel und die Steuerpolitik werden als die
größten Belastungsfaktoren wahrgenommen, das ist ein Warnsignal. Wir
riskieren damit die breite Abwanderung von Unternehmen ins Ausland –
und eine Zunahme der Insolvenzen. Es droht ein weiterer Verlust der
Wettbewerbsfähigkeit“, warnt Herbert Kovar, Managing Partner im
Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich.
Entgegenwirken kann man der Problematik laut den befragten
Führungskräften vor allem mit der Sanierung des Staatshaushaltes,
Investitionsförderungen und der Schaffung erhöhter Rechtssicherheit
für eine bessere Planbarkeit von Investitionen. Außerdem braucht es
eine Kostensenkung: „Die Senkung der Lohnnebenkosten wird seit Jahren
gefordert, nun will die Regierung hier einen ersten Schritt im
nächsten Budget setzen. Aber es braucht mehr: Eine Senkung um drei
Prozentpunkte bis 2028 mit klarer Gegenfinanzierung, etwa durch
Effizienzsteigerungen im Staat und wachstumsbedingte Mehreinnahmen,
ist notwendig“, appelliert Herbert Kovar.
Zwtl.: Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck
Neben der Steuerpolitik gilt auch der Arbeitsmarkt als
Sorgenkind. Jedes fünfte Unternehmen (20 %) beurteilt die
Verfügbarkeit von Fachkräften als schlecht, über ein Viertel (27 %)
gibt dem Standort bei den Personalkosten schlechte Noten. Auch bei
der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender gibt es Luft nach oben: 20
% vergeben hier nur ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“.
„Der österreichische Arbeitsmarkt steht seit Jahren unter Druck.
Was es jetzt braucht, sind attraktivere Rahmenbedingungen für ältere
Arbeitnehmende, die Attraktivierung von Vollzeitbeschäftigung und das
aktive Werben um Fachkräfte im internationalen Umfeld“, erklärt
Herbert Kovar.
Harald Breit fasst abschließend zusammen: „Echter Fortschritt
wird ohne spürbare Einschnitte und echte Reformen nicht gelingen. Wir
sehen vor allem in diesen fünf Bereichen Handlungsbedarf: weitere
Senkung der Lohnnebenkosten, bessere Nutzung der Potenziale am
Arbeitsmarkt, Bürokratieabbau, Absicherung des Pensionssystems und
Ausbau von erneuerbaren Energien. Wenn wir jetzt nicht ins Handeln
kommen, wird der Standort weiter an Boden verlieren – das können wir
uns nicht mehr leisten.“
Zum Download:
Studie Deloitte Radar 2026
Foto Harald Breit Credits Deloitte/feelimage
Foto Herbert Kovar Credits Deloitte/feelimage
Gruppenfoto Credits Niklas Schnaubelt
BU: v.l.n.r: Herbert Kovar, Harald Breit
Grafik Österreichs Wettbewerbsfähigkeit im Zeitverlauf Credits
Deloitte
Grafik Österreich im internationalen Vergleich Credits Deloitte
Deloitte Österreich ist der führende Anbieter von Professional
Services. Mit rund 1.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 17
Standorten werden Unternehmen und Institutionen in den Bereichen
Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting, Financial Advisory
und Risk Advisory betreut. Kundinnen und Kunden profitieren von der
umfassenden Expertise sowie tiefgehenden Branchen-Insights. Deloitte
Legal und Deloitte Digital vervollständigen das umfangreiche
Serviceangebot. Deloitte versteht sich als smarter Impulsgeber für
den Wirtschaftsstandort Österreich. Der Deloitte Future Fund setzt
Initiativen im gesellschaftlichen und sozialen Bereich. Als
Arbeitgeber verfolgt Deloitte den Anspruch, „Best place to work“ zu
sein. Mehr unter www.deloitte.at.
Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited („DTTL“),
dessen globales Netzwerk von Mitgliedsunternehmen und deren
verbundene Unternehmen innerhalb der „Deloitte Organisation“. DTTL (
„Deloitte Global“), jedes ihrer Mitgliedsunternehmen und die mit
ihnen verbundenen Unternehmen sind rechtlich selbstständige,
unabhängige Unternehmen, die sich gegenüber Dritten nicht gegenseitig
verpflichten oder binden können. DTTL, jedes DTTL
Mitgliedsunternehmen und die mit ihnen verbundenen Unternehmen haften
nur für ihre eigenen Handlungen und Unterlassungen. DTTL erbringt
keine Dienstleistungen für Kundinnen und Kunden. Weitere
Informationen finden Sie unter www.deloitte.com/about.
Deloitte Legal bezieht sich auf die ständige Kooperation mit Jank
Weiler Operenyi, der österreichischen Rechtsanwaltskanzlei im
internationalen Deloitte Legal Netzwerk.