München (OTS) – München (ots)
– Chinesische Unternehmen in der Autoindustrie entwickeln 25-30 %
schneller und 20-30 % günstiger – ein Großteil dieses Vorteils wirkt
auch in Europa
– Roland Berger Analysen zeigen: Nicht nur das Lohnkostenniveau ist
entscheidend. Rund 60 % der Kostendifferenz entstehen durch Design-
und Systementscheidungen.
– Großteil der Vorteile auch in Europa realisierbar
Chinesische Industrieunternehmen setzen weltweit Maßstäbe bei
Entwicklungsgeschwindigkeit und Kosten. Im Automobilsektor entwickeln
chinesische Hersteller neue Fahrzeuge heute 25-30 % schneller als
europäische Wettbewerber und halten gleichzeitig einen Kostenvorteil
von 20-30 %. In anderen Industrien sind die Unterschiede teils noch
größer. Das zeigt die aktuelle Analyse „China Speed“ von Roland
Berger.
Besonders brisant für europäische Unternehmen: Selbst wenn
chinesische Hersteller Teile ihrer Wertschöpfungskette – insbesondere
Forschung und Entwicklung – nach Europa verlagern, bleiben mehr als
50 %, in einzelnen Fällen sogar bis zu 80 % ihrer Effizienz erhalten,
finden die Experten von Roland Berger. Und immer mehr chinesische
Wettbewerber drängen aktiv in westliche Heimatmärkte.
Kostenvorteil entsteht im Design, nicht nur in der Lohnabrechnung
Entgegen der weit verbreiteten Annahme liegt Chinas
Kostenvorsprung nur zu einem Teil an niedrigeren Löhnen. Die Analyse
von Roland Berger zeigt: Rund 60 % des Kostenvorteils entstehen durch
Design- und Systementscheidungen, etwa durch konsequente
Standardisierung, reduzierte Variantenvielfalt und ein „fit-for-
purpose“-Engineering, also der Fokus auf marktrelevante Leistung.
Weitere Treiber sind wettbewerbsfähige Lieferantenstrukturen und
operative Effizienz, nicht primär Personalkosten.
„China Speed ist kein kulturelles Phänomen, sondern das Ergebnis
klarer Entscheidungen bezüglich Produktdesign, Portfoliokomplexität
und der Lieferantenbasis. Und genau deshalb ist ein Teil davon auch
in Europa umsetzbar,“ sagt Oliver Knapp, Senior Partner bei Roland
Berger.
Roland Berger identifiziert Geschwindigkeit in China als Ergebnis
eines konsequent integrierten Entwicklungsansatzes. Chinesische
Hersteller verkürzen Entwicklungszeiten vor allem durch:
– Deutlich kürzere Strategie- und Entscheidungsphasen
– Einen hohen Anteil virtueller Tests von bis zu 80 %
– Parallele Entwicklung von Software und Hardware
– Frühe, systematische Einbindung von Lieferanten
Ein konkretes Fallbeispiel aus der Automobilindustrie zeigt: Ein
chinesischer Hersteller von Personenfahrzeugen (OEM) konnte seine
Entwicklungszeit um 14 Monate im Vergleich zum globalen Referenzwert
reduzieren, hauptsächlich durch organisatorische und prozessuale
Anpassungen, ohne Abstriche bei Marktfähigkeit oder Produktreife.
Europa mit Chancen für ein „China Speed Light“
Die Analyse zeigt, dass China Speed auch in Europa möglich ist –
wenn auch in einer abgespeckten Version. Noch verfügen europäische
Unternehmen über wichtige Stärken: tiefe Kundenkenntnis,
regulatorische Expertise, starke Marken und hohe Qualitätsreputation.
Doch sie verlieren an Wirkung, wenn Kostenlücken und
Entwicklungszeiten nicht deutlich verkleinert bzw. verkürzt werden.
Europäische Unternehmen können aber gezielt Elemente der chinesischen
Produktionsweise übernehmen und an die eigenen Systeme anpassen.
Über die Studie
Die Ergebnisse basieren auf detaillierten Kosten- und
Entwicklungszeitvergleichen zwischen chinesischen, europäischen und
internationalen Herstellern sowie umfangreichen Projekt- und
Benchmark-Erfahrungen von Roland Berger in der Automobil- und
Industriegüterindustrie.
Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen: Roland
Berger Report_China Speed.pdf
Über Roland Berger
Roland Berger ist eine weltweit führende Strategieberatung mit
einem breiten Leistungsangebot für alle relevanten Branchen und
Unternehmensfunktionen. Roland Berger wurde 1967 gegründet und hat
seinen Hauptsitz in München. Die Strategieberatung ist vor allem für
ihre Expertise in den Bereichen Transformation,
industrieübergreifende Innovation und Performance-Steigerung bekannt
und hat sich zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit in all ihren Projekten
zu verankern. Roland Berger erzielte 2024 einen Umsatz von rund 1
Milliarde Euro.