Buchpräsentation „Welt ohne Wahrheit“: Kooperation als Antwort auf die neue Kommunikationsordnung

Wien (OTS) – „Welt ohne Wahrheit“ heißt der neue Teil der Buchreihe
„Democracy
Dies in Darkness“ von Clemens Pig, CEO der APA – Austria Presse
Agentur. Das Buch ist soeben im Brandstätter Verlag erschienen und
wurde am Dienstagvormittag im APA-Pressezentrum präsentiert.
Anschließend an einen Eingangsimpuls des Autors diskutierte ein
Expert:innen-Panel die zentralen Thesen des Buches; moderiert von
Stefan Lenglinger (ORF) nahmen neben dem Buchautor auch Martin Andree
(Hochschullehrer, Universität zu Köln), Christian Rainer (
Medienberater und ehemaliger Chefredakteur profil) und Maria Scholl (
Chefredakteurin APA) am Podium Platz.

Das 80-jährige Jubiläum der APA, in deren Gründungsgeschichte als
Genossenschaft Kooperation eine inhärente Rolle spielt, diente als
Anlass des Buches: „Kooperation und Kollaboration sind die Antwort
auf die brutale Digitalökonomie, in der wir gelandet sind und deren
Lehrsatz lautet: The winner takes it all“, so Pig. Im Weiteren knüpft
das Buch an die aktuellen Entwicklungen der letzten Jahre seit 2020
an, die Pig als beginnende „Dekade der Desillusion“ bezeichnet. Er
skizziert eine neue Weltordnung, die mit der Covid-Pandemie 2020
begonnen habe und in der Wiederwahl Donald Trumps gipfele. Seinen
Eingangsimpuls schloss Pig mit dem Bild sozialer Netzwerke als
„digitaler Einzelzellen“, die, mit Verweis auf die Philosophin Hannah
Arendt, den Nährboden für totalitäre Herrschaften legen würden.

Zwtl.: Regulatorische Antwort auf Monopolisten

In der anschließenden Diskussion betonte APA-Chefredakteurin
Scholl eingangs vor allem die rasante Geschwindigkeit, mit denen sich
digitale Technologien entwickeln: „Wir konnten mit den Regularien und
dem Anspruch an eine gemeinsame Entscheidungsfindung, der Demokratien
auszeichnet, bisher überhaupt nicht Schritt halten.“

Sinnvolle Regulierungen und die Schaffung eines fairen
Wettbewerbs waren auch im weiteren Diskussionsverlauf zentrales
Thema. Medienwissenschaftler Andree verwies darauf, dass die
aktuellen Bedingungen, unter denen soziale Plattformen agieren,
monopolistisch seien: „Was wir nicht bemerkt haben, war, dass diese
neuen Plattformen, die in den 2000ern aufgekommen sind, es geschafft
haben, Mediengattungen zu monopolisieren. Das ist ein entscheidender
Unterschied etwa zum Buchdruck.“ Regulatorische Privilegien hätten
diesen Aufstieg erst möglich gemacht, so Andree weiter.

Medienberater Rainer stieß in ein ähnliches Horn und verwies auf
die ökonomischen Ursprünge der aktuellen Krise für traditionelle
Medien: „In den letzten 15 Jahren ist die Hälfte des Umsatzes
verloren gegangen. Diese Werbeerlöse sind aber nicht etwa in digitale
Medien oder zu Influencern geflossen, sondern zu 75 Prozent an
Facebook und Google.“ Auch vor einem Missverständnis warnt der
ehemalige profil-Chefredakteur, das gleichzeitig als Handlungsaufruf
an die Branche verstanden werden darf: Es gebe in der Menschheit kein
Grundbedürfnis und keine natürliche Nachfrage nach Wahrheit oder
Demokratie.

Buchautor Pig schloss mit einem utopischen Gedanken, der
gleichzeitig auch den Schluss des Buches darstellt: „Der Traum, den
ich an dieser Stelle habe, ist: Gebt uns unser Internet zurück! Wir
haben vor 20 Jahren die Kommunikationsmaschine Mensch entfesselt, was
die schöne Seite der sozialen Medien war. Doch dass Menschen süchtig
gemacht werden, dass sie dafür belohnt werden, immer Radikaleres zu
schreiben, das ist doch verrückt. Das muss ein Ende finden.“

S E R V I C E – Clemens Pig: „Welt ohne Wahrheit. Demokratie
verteidigen in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung“,
Brandstätter Verlag, 216 Seiten, 25 Euro.

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