Wien (OTS) – Fotos der Aktion vor dem Parlament: https://www.apa-
fotoservice.at/galerie/39900
Heute, 12. Mai 2026, am „Internationalen Tag der Pflegenden“,
luden Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe zu
einer Aktion samt Kundgebung vor das Österreichische Parlament. Die
fünf Organisationen, welche sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft
Freie Wohlfahrt (BAG) zusammengeschlossen haben, pflegen und betreuen
gemeinsam täglich rund 155.000 ältere und chronisch kranke Menschen
in Österreich. „Wir stellen der Politik heute eine Blackbox vor die
Haustüre“, sagt Elisabeth Anselm , Geschäftsführerin des Hilfswerk
Österreich und derzeit Vorsitzende der BAG . „ Die Blackbox als
Symbol haben wir gewählt, weil wir aktuell keinen ernsthaften
Reformprozess sehen können, der den gegenwärtigen und künftigen
Herausforderungen auch nur annähernd gerecht wird, aber auch, weil
die Pflegepraxis nicht systematisch in Gespräche eingebunden ist.
Unsere Erfahrungen, Erkenntnisse und Lösungsvorschläge, aber auch die
Nöte und Bedarfslagen der Betroffenen verschwinden quasi im Nichts “,
kritisiert Anselm.
„Wir haben die Blackbox ganz bewusst vor das Parlament mit seiner
Bundes- und Länderkammer gestellt. Denn Pflege ist eine Materie, für
die sowohl die Länder als auch der Bund Zuständigkeiten und
Verantwortung haben“, sagt Anselm. „Die Kompetenzverschneidungen
zwischen Bund und Ländern dürfen aber nicht zu Stillstand und Lähmung
der Pflegepolitik führen. Aber genau diesen Eindruck haben wir, und
zwar so sehr wie nie zuvor,“ stellt die Hilfswerk-Geschäftsführerin
fest. „Wir sind es leid, zu hören, dass es für notwendige Maßnahmen
in der Pflege zu wenig Mittel gibt, während wir zusehen müssen, wie
der herrschende Stillstand und die fehlende Weiterentwicklung der
Versorgungsstrukturen kostspielige Verwerfungen im System
fortschreibt. Das können wir uns nicht leisten“, ärgert sich Anselm.
So würden etwa zu viele ältere Menschen zu oft in Spitälern landen
und dort zu lange verbleiben, ähnliches gelte für Pflegeheime. Zudem
würde die sinnvolle Nutzung von Digitalisierung und Technologie in
der Pflege verschleppt. „Ob es nun um die ELGA-Anbindung der
Pflegedienste oder um Telecare-Lösungen geht – alles könnte helfen,
Qualität und Sicherheit in der Versorgung zu stärken und das
Fachpersonal zu entlasten,“ erläutert Anselm.
Zwtl.: Bedarfsgerechte Unterstützung statt Bürokratie! Entlastung
pflegender Angehöriger!
„Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Diakonie hat zum
bestürzenden Ergebnis geführt, dass die Hälfte der österreichischen
Bevölkerung nicht weiß, wie sie an Informationen über
Unterstützungsangebote kommen soll, hätte eine angehörige Person
plötzlich Pflegebedarf“, sagt Maria Katharina Moser , Direktorin der
Diakonie Österreich . Noch dramatischer sei, dass zwei Drittel der
Bevölkerung der Meinung seien, ältere und pflegebedürftige Personen
bekämen nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Moser: „Die
Angebote sind in der Tat von althergebrachten Leistungskatalogen
geprägt. Das System bestimmt das Angebot, nicht der Mensch. Menschen,
die zu Hause gepflegt werden, haben im Schnitt 20 Minuten
Unterstützung am Tag. Unsere Forderungen nach Angeboten für Betreuung
und Langzeitpflege, die den Menschen und seine Bedürfnisse ins
Zentrum stellen, sowie nach mehr Prävention und sozialräumlicher
Orientierung landen seit Jahren in der Blackbox Pflege. Das führt
dazu, dass Menschen oft viel zu früh ins Heim müssen. Das ist
volkswirtschaftlich teuer und nicht das, was die Betroffenen wollen.“
Auch die oft versprochene ausreichende Entlastung der pflegenden
Angehörigen sei in der Blackbox Pflegepolitik stecken geblieben. „
Rund die Hälfte der Menschen mit Pflegebedarf werden allein durch
ihre Angehörigen betreut. Jede und jeder zweite pflegende Angehörige
ist selbst über 60, jede und jeder fünfte sogar über 70 Jahre alt.
Sie sind eine wesentliche Säule des Pflegesystems – brechen sie
zusammen, bricht das Pflegesystem zusammen. Sie brauchen Entlastung
“, so die Diakonie-Direktorin.
Zwtl.: Pflege zu Hause leistbar machen! Pflegegeld reformieren!
Menschenwürdige und sichere Pflege darf keine Frage des
Einkommens oder des Wohnorts sein. Deshalb erinnert Erich Fenninger ,
Direktor der Volkshilfe Österreich , die politisch Verantwortlichen
an ein oft beschworenes Prinzip, dessen Umsetzung allerdings in der
Blackbox Pflegepolitik versandet ist: digital vor mobil vor
stationär. „Das bedeutet: Die Pflege und Betreuung zu Hause muss
leistbarer werden. Vier Fünftel der Menschen in Österreich möchten im
Alter in ihren eigenen vier Wänden gepflegt werden. Zahlreiche
Familien geraten jedoch durch Pflegearbeit im eigenen Umfeld
finanziell schwer unter Druck. Investitionen in mobile Dienste würden
dazu beitragen, die teurere stationäre Pflege zu vermeiden“, meint
Fenninger. Der Volkshilfe-Direktor plädiert zudem für eine
grundlegende Reform des Pflegegeldes sowie eine langfristige
Finanzierungsstrategie für Pflege und Betreuung. „ Der Ausbau der
Langzeitpflege verlangt verbindliche Qualitätsstandards, klare
Personalschlüssel und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Pflege-
und Gesundheitssystem. Gerade an den Schnittstellen entstehen
Versorgungslücken und unnötige Mehrkosten, die politisch nicht länger
ausgeblendet werden dürfen. Leistbare Pflege ist eine zentrale
Zukunftsfrage unserer Gesellschaft, eine Säule unseres Sozialstaats.
Sie muss österreichweit harmonisiert und rasch abgesichert werde n“,
so Fenninger.
Zwtl.: Gesundheit und Pflege zusammendenken! Richtig statt teuer
versorgen!
„Für die österreichische Sozialpolitik sind Gesundheit und
Langzeitpflege nach wie vor zwei getrennte Bereiche. Nicht aber im
Leben pflegebedürftiger Menschen, die laufend von A nach B pendeln“,
sagt Anna Parr , Generalsekretärin der Caritas Österreich und weist
auf eklatante Ineffizienzen an den Schnittstellen hin. „ Zum Wohl
multimorbider Menschen sollten Behandlungen wie Diabetes-
Einstellungen oder Wundversorgung durch die Hauskrankenpflege
erbracht werden. Der je nach Bundesland unterschiedlich hohe
Selbstbehalt zwingt Betroffene aber aus finanziellen Gründen in
Ambulanzen und Spitäler. Für die öffentliche Hand ein teurer
Fehlanreiz. Sachgerechte Finanzierung der Versorgung am richtigen Ort
sind leider ein Fall für die Blackbox Pflegepolitik “, klagt Parr.
Gerade in Zeiten knapper Budgets müsse jeder Euro richtig eingesetzt
werden. Die richtige Versorgung sei jene, die Menschen möglichst
lange zu Hause unterstütze – und unnötige Krankenhausaufenthalte
vermeide. „Ohne den zügigen Ausbau der Langzeitpflege lassen sich die
demografischen Herausforderungen der kommenden Jahre nicht lösen. Sie
muss deshalb raus aus der Blackbox und zurück auf den politischen
Verhandlungstisch“, fordert die Caritas-Generalsekretärin.
Zwtl.: Bessere Versorgung nach Spitalsaufenthalt! Mehr Reha-
Kapazitäten! Prävention neu denken!
3,4 Millionen Einsatzfahrten verzeichnet das Rote Kreuz pro Jahr.
Ein großer Teil entfällt auf Transporte Pflegebedürftiger vom und zum
Spital. „Allein unsere Treibstoffkosten haben sich in den letzten
Monaten um 5,6 Millionen Euro verteuert. Viele Fahrten ließen sich
vermeiden. Sie sind nämlich dem Drehtüreffekt geschuldet, auf dessen
kostensteigernde Effekte wir seit Jahren hinweisen. Unsere Vorschläge
dazu sind leider in der Blackbox Pflegepolitik zermahlen worden“,
sagt Michael Opriesnig , Generalsekretär des Österreichischen Roten
Kreuzes , und fährt fort: „ Wir brauchen eine bessere Versorgung
älterer Menschen nach Spitalsaufenthalten sowie für den Ausbau der
Kapazitäten für Rehabilitation, sonst steht das Rote Kreuz bald
wieder vor der Tür, um die entlassene Person – etwa nach einem
erneuten Sturz – erneut ins Spital zu bringen. Das ist teuer und
bindet ohnehin knappe Ressourcen im Gesundheitssyste . Er plädiert
„für eine bessere Versorgung älterer Menschen nach
Spitalsaufenthalten sowie für den Ausbau der Kapazitäten für
Rehabilitation, sonst steht das Rote Kreuz bald wieder vor der Tür,
um die entlassene Person – etwa nach einem erneuten Sturz – erneut
ins Spital zu bringen. Das ist teuer und bindet ohnehin knappe
Ressourcen im Gesundheitssystem“, so Opriesnig. Eine gute Nachsorge
nach Spitalsaufenthalten und rasche Rehabilitation statt
mehrmonatiger Wartezeiten, würden sicherstellen, dass Menschen durch
mobile Dienste zuhause gepflegt werden können, statt ins Pflegeheim
wechseln zu müssen. Ersteres koste die öffentliche Hand pro Person
und Jahr ca. 4.000 Euro, das Pflegeheim rund 30.000 Euro,
argumentiert Opriesnig. Er plädiert außerdem für Investitionen in
zugehende Präventions- und Beratungsangebote sowie die gezielte
Förderung der Selbstständigkeit im eigenen Haushalt.
Die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt) ist der
größte Verbund von Langzeitpflege-Anbietern in Österreich. Seit 1995
haben sich die großen gemeinnützigen Sozialorganisationen Österreichs
– Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe –
zusammengeschlossen. Im BAG-Verbund sind rund 22.500 Menschen in
Pflege und Betreuung beschäftigt. Sie pflegen und begleiten 155.000
Menschen in mobiler und stationärer Pflege sowie in sonstigen
Betreuungsformen. In der mobilen Pflege übernehmen die BAG-
Organisationen zwei Drittel aller geleisteten Stunden.
Weitere Bilder in der APA-Fotogalerie