Arge Naturgestein: Greenpeace soll Verbreitung unfundierter Informationen in Verbindung mit Hartgesteinen aus dem Burgenland einstellen

Wien (OTS) – Nach einer intensiv geführten medialen Kampagne haben
sich vier
betroffene Abbaubetriebe von Hartgesteinen im Burgenland zur ARGE
Naturgestein zusammengeschlossen und unabhängige Experten von Weltruf
hinzugezogen, um der emotional geführten Debatte mit Fakten
entgegenzutreten.

Zwtl.: Asbest kommt in der Natur in Hartgesteinen vor

Faktum ist, dass in zahlreichen Hartgesteinen der natürliche
Stoff Asbest in gebundener Form vorkommt und als solcher vollkommen
unbedenklich ist. Dazu Dr. Ing. Professor Martin Kirschbaum, ein
europaweit führender Experte von der RWTH Aachen, der sich seit
Jahren intensiv mit der Thematik befasst: „Die Greenpeace-Kampagne
stellt gravierende Vorwürfe an Steinbrüche und eingesetzte Baustoffe
im Burgenland, stützt diese aber ausschließlich auf eigene, nicht
transparent geplante Probenahmen sowie Analysen in einem externen
Labor und auf eine sehr zugespitzte Öffentlichkeitsarbeit.“

Zwtl.: Asbest potenziell nur gefährlich als mikroskopisch kleine
Faser – nach Sägen, Schleifen, Fräsen

Ein entscheidender fachlicher Punkt ist die Unterscheidung
zwischen dem Vorhandensein von Asbestmineralen im Gestein und der
tatsächlichen Gesundheitsgefährdung durch freigesetzte Asbestfasern.
Asbestminerale können in natürlichen Gesteinen geogen vorkommen, ohne
dass zwangsläufig eine relevante Faserfreisetzung stattfindet.
Gefährlich sind insbesondere die sogenannten WHO-Fasern: dünne,
lange, lungengängige Fasern, die bei intensiver mechanischer
Bearbeitung (z. B. Sägen, Schleifen, Fräsen) entstehen und eingeatmet
werden können. Eine bloße Feststellung „Asbestmineral vorhanden“ oder
eine nicht abgesicherte Prozentangabe ersetzt daher keine Bewertung
des Expositionsrisikos. Eine fundierte Gefährdungsbeurteilung muss
die eventuelle Faserfreisetzung und die tatsächliche Belastung der
Luft berücksichtigen.

Zwtl.: Greenpeace hat Untersuchungsmethode von Baurestmassen auf
Naturgestein angewandt!

Laut Greenpeace-Unterlagen nutzte das eingesetzte Labor die VDI-
Richtlinie 3866. Diese ist primär konzipiert für technische Produkte,
bei denen Asbestfasern bewusst in der Herstellung zugesetzt wurden (
etwa klassische Asbestbaustoffe). Die Richtlinie ermöglicht im
Wesentlichen qualitative Aussagen, ob Asbest vorhanden ist oder
nicht. Diese Richtlinie ist jedoch nicht darauf ausgelegt, in
heterogenen, geogenen Gesteinen den Asbestgehalt als Massenprozent
zuverlässig und normgerecht zu quantifizieren. Für die hier relevante
Fragestellung – das Vorhandensein natürlich vorkommender
Asbestminerale in Gesteinskörnungen – ist die VDI 3866 daher nur
bedingt oder gar nicht geeignet. Anstelle dessen wären die Methoden
und Vorgaben der TRGS 517 (Technische Regel für Gefahrstoffe)
anzuwenden gewesen.

Kirschbaum stellt zudem fest, dass das von Greenpeace nominierte
Labor nicht ausreichend zertifiziert ist, um tatsächliche
Referenzmessungen durchzuführen: „Nach den Greenpeace-Unterlagen
wurden die Proben an unterschiedlichsten Stellen im öffentlichen Raum
entnommen, darunter Parkplätze, Geh- und Radwege, Straßenbankette und
Bereiche mit Streusplitt. Die Auswahl dieser Orte erfolgte
ersichtlich ohne einen dokumentierten Probenahmeplan. Es gibt keine
nachvollziehbare Begründung, warum gerade diese Stellen ausgewählt
wurden, inwieweit sie das Burgenland oder auch nur einzelne Gemeinden
repräsentativ abbilden sollen oder auf welcher fachlichen Hypothese
die Auswahl beruht. Stattdessen entsteht der Eindruck
unsystematischer, punktueller Entnahmen an Orten, die sich vor allem
zur medialen Darstellung eignen.“

Zwtl.: Kritik an Probenentnahmen und fehlender Professionalität von
Greenpeace

Zudem kritisiert der Experte die Probenentnahme massiv: „Die
bereitgestellten Fotos und Beschreibungen zeigen unter anderem, dass
häufig einzelne auffällige Steine oder Körner von Streusplitt gezielt
in Reagenzgläser verbracht wurden. Teilweise wurden aus größeren
inhomogenen Flächen nur kleinste Bereiche oder wenige Partikel
entnommen. Eine flächenbezogene, gemittelte Probenahme – etwa durch
Entnahme vieler Teilproben und deren Mischung zu einer
repräsentativen Gesamtprobe – ist nicht erkennbar. Auf diese Weise
wird die Möglichkeit begünstigt, besonders auffällige oder untypische
Partikel zu selektieren, was statistisch und normativ nicht als
repräsentativ gelten kann.“

Zwtl.: Experten „zerlegen“ Greenpeace-Papiere

Für den Experten gilt daher ein klares Fazit: „Die von Greenpeace
abgeleiteten Forderungen – insbesondere die Schließung von
Steinbrüchen, Sperrungen von Flächen und ein generelles Verbot des
Inverkehrbringens bestimmter mineralischer Produkte – setzen voraus,
dass eine schwerwiegende, normübersteigende Gefährdungslage fachlich
zweifelsfrei belegt ist. Eine solche Beleglage ist auf Basis der
bisher publizierten Daten nicht gegeben. Im Gegenteil zeigen einzelne
eigene Greenpeace-Ergebnisse (z. B. Asbestgehalte von maximal 0,039 %
in einigen Steinbrüchen), dass zumindest Teile der untersuchten
Betriebe nach der derzeitigen Datenlage im Rahmen üblicher Grenzwerte
arbeiten. Vor diesem Hintergrund erscheinen pauschale Forderungen
nach Stilllegungen und Verboten aus technischer und rechtlicher Sicht
nicht hinreichend begründet. Gefährdend könnte eine allfällige
Belastung der Atemluft mit bestimmten Asbestfasern sein. Das Messen
von Asbestmineralien in handverlesenen Natursteinen gibt darüber
keine Auskunft. Auch die Beurteilung schwerer, abgesetzter Stäube ist
keine Atemluftanalyse. Vor diesem Hintergrund sind die pauschalen
Forderungen nach Betriebsstilllegungen und Gesteinsverboten aus
technischer und rechtlicher Sicht nicht begründet.“

Zwtl.: Betreiber prüfen alle juristischen Schritte

Die Betreiber der betroffenen Anlagen prüfen indes rechtliche
Schritte. Dazu DI Frank Eichhorn, zuständig für den Steinbruch in
Pilgersdorf: „Wir haben in den letzten Wochen auf eine Versachlichung
der Diskussion gehofft. NGOs, die in der Öffentlichkeit als
allwissende Sachverständige auftreten, müssen dann aber auch die
entsprechenden wissenschaftlichen Standards selbst auf höchstem
Niveau erfüllen, bevor sie Schreckensmeldungen verbreiten. Den
Anforderungen wurde man hier nicht gerecht. Meine Mitarbeiter haben
Angst um ihren Job und sagen mir: „Wir atmen Luft, nicht Steine! Was
soll dieses Theater?“ Sie glauben, das alles dient nur der eigenen
Publicity einer NGO. Hier wird auf dem Rücken der Menschen billige
Polemik gemacht.“

Zwtl.: Durch Steinbruchschließung müssen Rohstoffe per LKW geliefert
werden – Millionen an Kilometern zusätzlich fallen an

Die bislang in den betroffenen Steinbrüchen gewonnenen Rohstoffe
müssen seit der auf tönernen Füßen stehenden behördlichen Schließung
über viele Kilometer per LKW angeliefert werden. „Dabei fallen mehr
als 3 Millionen LKW-Kilometer pro Jahr zusätzlich an. Ginge es den
Damen und Herren von Greenpeace tatsächlich um die Menschen und deren
Wohlbefinden würden sie auch dieses Faktum berücksichtigen“,
kritisiert Frank Iszovics, zuständig für den Bernsteiner Steinbruch.

In den nächsten Tagen und Wochen wird die ARGE Naturgestein
einerseits belastbare und technisch richtig erhobene Daten vorlegen
und zum anderen die Wahrheit über geogenes Asbest kommunizieren.
Stets in Abstimmung mit den tatsächlich qualifizierten und Experten
sowie unabhängigen Fachinstituten und der vom Land Burgenland
eingesetzten Task Force.

DDipl. Ing. Christoph Lainer-Findeis, Vertreter der Eigentümer
des Bruchgeländes in Pilgersdorf: „Wir prüfen aktuell alle
juristischen Wege und analysieren die Kampagne gegen unsere Betriebe.
Dies alles in enger Abstimmung mit tatsächlichen Experten, die ohne
Eigeninteresse an die Sache gehen.“