ARBÖ-Sommerreifentest 2026: Mit Sicherheit durch die warme Jahreszeit

Wien (OTO) – Ein guter Sommerreifen ist ein Multitalent: Er soll mit
unerschütterlicher Haftung für kurze Bremswege und ein berechenbar
stabiles Fahrverhalten sorgen, zudem leise laufen, sanft federn,
lange halten – und Fahrspaß vermitteln. Weitere Anforderungen: vor
drohendem Aquaplaning schützen, zugleich aber wenig Abrieb und damit
Feinstaub in die Umwelt abgeben. Und das alles natürlich zu einem
möglichst günstigen Preis.

Welcher Reifen diese enorme Bandbreite an Anforderungen besonders
gut abdeckt, zeigt der aktuelle Test vom ARBÖ, der GTÜ (Gesellschaft
für technische Überwachung) und der Auto Zeitung. Für die
Sommersaison 2026 gehen zehn Sommer-Pneus der Dimension 235/45 R18 an
den Start. Neben den Premiumreifen von Continental, Goodyear,
Michelin und Pirelli haben auch drei Qualitätsreifen aus dem
mittleren Preissegment (BF Goodrich, Firestone, Maxxis) sowie drei
günstige Produkte (Laufenn, Tercelo, West Lake) das umfangreiche
Testprogramm durchlaufen.

Auf trockener Straße bleibt das Testfeld erfreulich dicht
zusammen. Der Abstand zwischen dem Continental, der mit 32,8 Metern
den kürzesten Bremsweg aus 100 km/h erzielt, und dem West Lake,
dessen 35,7 Meter den längsten Anhalteweg markieren, ist noch
akzeptabel. Auch bei der Fahrsicherheit lassen sich zwar spürbare
Unterschiede ausmachen, doch selbst die Profile von Tercelo und West
Lake, die hier am schwächsten abschneiden, lassen sich problemlos
bändigen. Mit dem präzisen und dynamischen Fahrverhalten des Goodyear
können sie freilich nicht mithalten.

Große Unterschiede auf nasser Fahrbahn

Auf Nässe ergibt sich ein ganz anderes Bild. Denn hier zeigen die
Probanden erhebliche Unterschiede. Allen voran bietet der Premium
Contact 7 von Continental auf regennasser Straße optimale Haftung.
Egal ob im Handling oder beim Bremstest, auf der Kreisbahn oder bei
der Fahrsicherheit – er ist spitze. Auch die Profile von Pirelli,
Goodyear und Firestone geben bei Regenwetter eine sehr gute Figur ab
– wobei der Firestone zwar am wirkungsvollsten vor Aquaplaning
schützt, aber wie Michelin und Maxxis einen ziemlich langen Bremsweg
verzeichnet.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass auf einer besonders glatten
Asphaltbahn gemessen wurde. Solche Oberflächen findet man im realen
Verkehrsgeschehen etwa vor Kreuzungen, wo die Reifen den Belag beim
Bremsen „poliert“ haben. In der Regel werden daher die
durchschnittlichen Bremswege im Alltag kürzer ausfallen. Andererseits
veranschaulicht diese Methode noch drastischer die Risiken, die von
manchen Reifen ausgehen: Die drei Discount-Angebote von West Lake,
Tercelo und Laufenn haben zu lange Bremswege von 100 km/h bis zum
Stillstand. Dort, wo der Testwagen mit den Continental stoppt,
rauscht er auf diesen drei Reifen mit deutlich über 30 km/h
Restgeschwindigkeit vorbei – viel zu viel.

Erhebliche Unterschiede zeigen sich zudem im Fahrverhalten nahe
der Haftgrenze. Während die Kandidaten im Trockenen eher verschiedene
Charakteristiken an den Tag legen, fordern sie auf Nässe alle mehr
oder weniger viel Erfahrung und gute Reflexe vom Fahrer. Das kann im
Ernstfall zum Problem werden: Reagiert ein Reifen beispielsweise
unerwartet auf plötzliche Lastwechsel, sind gute Nerven gefragt. Etwa
wenn der Fahrer erschrocken Gas wegnimmt oder die Bremse antippt und
das Auto an der Hinterachse ausbricht und es schlagartig ins
Übersteuern wechselt. Andererseits lässt übertrieben frühes und
ausgeprägtes Untersteuern den Wagen stur geradeaus schieben, anstatt
die Lenkimpulse des Fahrers umzusetzen.

Die Reifen von Continental und Pirelli entlasten in solchen
Situationen mit Berechenbarkeit, einer neutralen Balance und
Eigenstabilisierung, wenn das Fahrzeug doch ins Rutschen gerät. Das
gelingt nicht allen Kandidaten derart überzeugend. Besonders der
Laufenn und der Tercelo fallen bei forcierter Kurvenfahrt mit spürbar
weniger Grip auf und rufen mit ihren teils lebhaften
Lastwechselreaktionen das elektronische Stabilitätsprogramm des
Testwagens auf den Plan.

Auch die Profile von Michelin, West Lake und Maxxis dürften auf
regennasser Fahrbahn mehr Haftung aufbauen. Doch das würde wiederum
Einbußen bei der Energieeffizienz und bei der Haltbarkeit nach sich
ziehen – einer von vielen Zielkonflikten in der Reifenentwicklung.
Nur der Pneu, der hier das richtige Maß findet, hat Chancen auf den
Testsieg.

Fazit:

Solange die Straßenverhältnisse gut sind, schneiden alle Reifen
erfreulich sicher ab, setzen aber individuelle Akzente im Handling,
beim Komfort oder in der zu erwartenden Laufleistung. Auf nassem
Asphalt offenbaren sich dagegen enorme Unterschiede in der
Griffigkeit – etwa beim Bremsen auf regennasser Fahrbahn. Das kann
gefährlich werden. Neben dem Continental Premium Contact 7, der
souverän den Testsieg einfährt, verdienen sich auch der Goodyear
Eagle F1 Asymmetric 6, der Pirelli Cinturato C3, der Firestone
Roadhawk 2 sowie der BF Goodrich Advantage 2 und der Michelin Primacy
5 eine klare Empfehlung.