Wien (OTS) – Eine aktuelle Erhebung der möwe bestätigt erneut:
Gewalterfahrungen
sind stark generationsabhängig . Während 10 % der 14–29-Jährigen von
körperlicher Gewalterfahrung berichten, sind es bei den über 64-
Jährigen 46 %. Zugleich zeigt sich ein Rückgang körperlicher Gewalt ,
jedoch ein Anstieg psychischer und digitaler Gewaltformen .
Die Studie macht deutlich, dass viele Menschen psychische Gewalt
oder Vernachlässigung noch immer nicht eindeutig als Gewaltform
erkennen . Rund ein Drittel der Befragten stuft etwa Anschweigen oder
angedrohten Liebesentzug nicht als Gewalt ein; nur etwas mehr als die
Hälfte erkennt Vernachlässigungssituationen als solche. Auch beim
Umgang mit digitalen Medien zeigen sich große Wissenslücken.
Erstmals wurden digitale Formen sexualisierter Gewalt abgefragt:
88 % bewerten das unerwünschte Versenden oder Veröffentlichen von
Nacktfotos als sexuelle Gewalt. Gleichzeitig herrscht Unsicherheit
darüber, was altersgemäße Sexualaufklärung bedeutet – ein Hinweis auf
den hohen Bedarf an Information.
Besorgniserregend ist, dass viele Menschen trotz Gewaltverdachts
nicht handeln : 17 % hatten schon einmal einen Verdacht, aber 20 %
davon unternahmen nichts. Die möwe betont daher die Bedeutung von
Zivilcourage und die Möglichkeit, sich im Zweifel anonym beraten zu
lassen.
Während in der Bevölkerung der Ruf nach härteren Strafen laut
bleibt, unterstreichen Expert*innen: Prävention ist der wirksamste
Kinderschutz . Kinder brauchen früh die Möglichkeit, Grenzen zu
erkennen und zu setzen – und Erwachsene müssen lernen, diese zu
respektieren.
Auf Basis der Ergebnisse fordert die möwe :
–
Mehr Aufklärung und Bewusstseinsbildung in allen Altersgruppen
–
Verpflichtende Kinderschutz- und Kinderrechte-Schulungen für alle
Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten
–
Psychosoziale Beratungsangebote für werdende Eltern und junge
Familien
–
Stärkere politische Priorisierung des Kinderschutzes
–
Mehr Unterstützung für besonders vulnerable Kinder , etwa mit
Behinderung oder in Wohngruppen
Die Kinderschutzexpertin Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin und
fachliche Leitung die möwe , betont daher: „Die Versorgung
gewaltbetroffener Kinder und Jugendlicher muss langfristig gesichert
werden. Die individuellen und volkswirtschaftlichen Folgen von Gewalt
sind enorm und dürfen nicht unterschätzt werden.“
Die Langversion dieser Presseinformation sowie die
Studienergebnisse im Detail finden Sie auf: https://die-
moewe.at/gewaltstudie-2025