Papier-, Büro- und Schreibwarenhandel im Wandel: Fachhandel unter Druck, Onlinegeschäft wächst

Wien (OTS) – „Es ist kein Geheimnis, dass sich der gesamte
Einzelhandel in einem
Strukturwandel befindet und der Papierfachhandel besonders betroffen
ist. Leicht positiv stimmt uns aber, dass die Zahl der Schließungen
zuletzt leicht rückläufig war und die Branche den Großteil des
Transformationsprozesses bereits hinter sich hat“, kommentiert
Andreas Auer, Obmann des Bundesgremiums Papier- und Spielwarenhandel
in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Ergebnisse einer
aktuellen Branchenstudie, die heute im Rahmen eines Pressegesprächs
vorgestellt wurde. Rechtzeitig vor Schulbeginn, der Hochsaison für
den Papier-, Büro- und Schreibwarenhandel (PBS-Handel), gibt es somit
alle Zahlen, Daten und Fakten zur Branche.

Das Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw), das den
Gesamtmarkt im PBS-Handel im Auftrag des Bundesgremiums analysierte,
nahm sowohl den Facheinzel- als auch Großhandel, den Onlinehandel
sowie sogenannte branchenfremde Konkurrenz unter die Lupe. Bei der
Letzteren handelt es sich zum Beispiel um den
Lebensmitteleinzelhandel oder Drogeriehandel, wo Teilsortimente
saisonal eine wichtige Rolle spielen. „Dabei zeigt sich, dass der
Facheinzel- und Fachgroßhandel kontinuierlich Marktanteile verlieren,
eine große Dynamik im Onlinehandel herrscht und auch die
branchenfremde Konkurrenz sehr stark ist“, so Studienautor und iföw-
Institutsleiter Peter Voithofer. „Das Sortiment ist somit für viele
Anbieter attraktiv. Das bedeutet gleichzeitig, dass Facheinzelhändler
ebenfalls den Einstieg in weitere Teilsortimente abseits von PBS zu
prüfen haben werden, dies in Abhängigkeit vom Unternehmensstandort
und der bestehenden Spezialisierung.“

Zahl der Unternehmen im PBS-Einzelhandel gesunken

Dennoch kann sich der PBS-Einzelhandel im schwierigen Umfeld
weiter behaupten und hat immerhin einen Marktanteil von rund 50
Prozent. Der PBS-Einzelhandel besteht überwiegend aus
Kleinstunternehmen mit maximal 5 Beschäftigten. Er umfasste zuletzt
372 Unternehmen mit insgesamt 3.338 Mitarbeitenden und einem Umsatz
von rund 500 Millionen Euro. Im Zeitverlauf zeigt sich jedoch, dass
die Zahl der Unternehmen rückläufig ist: Seit 2008 sank sie um rund
31 Prozent, allein seit 2021 betrug der Rückgang 11 Prozent.

Andererseits bedeutet dies für die weiterhin bestehenden
Unternehmen, dass durch das Ausscheiden von Marktteilnehmer:innen die
durchschnittliche Betriebsgröße (gemessen in Umsatz) steigt; die
aktuell notwendige Basis der wirtschaftlichen Tragfähigkeit wird
häufiger erreicht.

In den letzten beiden Jahren ging die Schließungsquote etwas
zurück: Betrug diese 2022 noch 26 Prozent, waren es 2025 nur noch 6
Prozent. In Zahlen heißt das, dass im Vorjahr 30 Unternehmen im
Bereich PBS-Einzelhandel aufgaben.

Weniger Unternehmen auch im Großhandel

Im PBS-Fachgroßhandel waren 2024, dem aktuellsten verfügbaren
Jahr, insgesamt 187 Unternehmen mit 1.216 Beschäftigten und einem
Umsatz von rund 743 Millionen Euro erfasst. Gegenüber 2008 ist die
Zahl der PBS-Großhandelsunternehmen um rund 22 Prozent gesunken.

Der Onlinehandel hat hingegen an Bedeutung gewonnen: Zwischen
2017 und 2025 stieg der Onlineumsatz im PBS-Bereich um rund 90
Prozent und erreichte im Vorjahr rund 280 Millionen Euro, wie
Analysen der EDCB zeigen.

Volumen des Gesamtmarktes bei rund 1,02 Milliarden Euro netto

Insgesamt – stationär und online – beläuft sich das geschätzte
B2C-Marktvolumen im Papier-, Büro- und Schreibwarenbereich auf rund
1,02 Milliarden Euro netto. Rund die Hälfte entfällt auf den
Facheinzelhandel, etwa 20 Prozent auf den Onlinehandel und rund 30
Prozent auf branchenfremde Anbieter. Hinzu kommen marktführende
Unternehmen mit einem großen Filialnetz, die PBS-Produkte als Teil
ihres Sortiments anbieten, etwa der Buchhandel.

Im Zeitvergleich zeigt sich für die Jahre 2022 bis 2024 ein
leicht rückläufiges Marktvolumen. 2025 kam es hingegen wieder zu
einem Anstieg, der allerdings ausschließlich auf das Onlinegeschäft
zurückzuführen ist. Für Handelsforscher Voithofer ergibt sich daraus,
„dass die konsequente Nutzung digitaler Vertriebskanäle kein Add-on
ist, sondern eine strukturelle Notwendigkeit“. Außerdem zeigt die
Studie, dass vor allem jene erfolgreich sind, die sich stark
spezialisieren sowie das Sortiment um Segmente mit Zusatznutzen
erweitern. Etwa seien Geschenkartikel ein wachsendes Segment. Eine
potenziell steigende Kundengruppe sind Student:innen, aber auch die
stetig wachsende Anzahl der Einpersonenunternehmen und
Kleinstbetriebe.

Faire Wettbewerbsbedingungen und Stopp zusätzlicher Belastungen
nötig

Branchensprecher Andreas Auer stimmt zudem vorsichtig
optimistisch, „dass das Sortiment offenbar ein sehr interessantes
ist. Ansonsten würden es gerade rund um den Schulstart nicht so viele
branchenfremde Unternehmen anbieten“. Dennoch sprechen die Daten und
Fakten eine klare Sprache: „Die Lage der Branche ist nach wie vor
sehr herausfordernd, auch wenn ein Großteil des
Konsolidierungsprozesses abgeschlossen ist. Aus diesem Grund darf es
keinerlei neue Belastungen geben.“ Auch solche, die vor allem den
Onlinebereich betreffen, seien dringend abzuwenden. „Das heißt, die
Verpackungsverordnung der EU ist ebenso dringend zu überarbeiten wie
die österreichische Paketsteuer“, fordert Auer.

Zusätzlich müssen die Rahmenbedingungen so sein, dass der PBS-
Handel faire Wettbewerbsbedingungen vorfindet. „Egal ob es sich um
stationäre Papierhandelsgeschäfte oder Plattformen wie Temu und Shein
handelt: Für alle, die europäische Kundinnen und Kunden beliefern,
müssen dieselben Spielregeln gelten“, so der Obmann des
Bundesgremiums abschließend. (PWK400/DFS)