Hotelsuche per KI: Weniger Auswahl für Gäste, Riesengeschäft für Plattformen, Gefahr für Europa

Wien (OTS) – Die Hotelsuche über Portale war nie perfekt. Doch selbst
wenn die
erstgereihten Treffer bezahlte Werbung waren, folgten darauf
organische Suchergebnisse – man hatte eine Auswahl über diverse
Filter und Listen. Bei KI-gestützten Suchen ist das Gegenteil der
Fall: eine Handvoll Empfehlungen, und die sind vorausgewählt. Dazu
platziert Google jetzt Werbung in KI-generierte Reiseempfehlungen.
„Diese Werbefenster sind exklusiv und teuer. Google bestimmt, wer da
reindarf. Das hat mit der Idee des freien Internets nichts mehr zu
tun“, kritisiert Dr. Markus Gratzer, Generalsekretär der
Österreichischen Hotelvereinigung, die Kehrtwende im Online-Business
durch AIMax, womit nun auch bezahlte Anzeigen in KI-Suchergebnissen
angezeigt werden.

Zwtl.: KMU in der Zwickmühle

Laut einer ÖHV-Studie zu Marktanteilen im Online-Vertrieb laufen
zwei von fünf Buchungen über Online-Kanäle, mehr als die Hälfte der
Hotels wird von Plattformen unter Druck gesetzt. Mit KI-Systemen
verändert sich nun das Such- und Buchungsverhalten der Gäste rasant.
Jetzt drohen KMU in eine noch schlimmere Abhängigkeit zu geraten –
wenn sie überhaupt noch Zugang zu den Suchergebnissen erhalten. Die
Sorge ist berechtigt: Die ersten verkauften KI-Suchergebnisse hat
Google einer Unternehmensgruppe exklusiv angeboten, Booking.com ist
als Partner in das Ökosystem von ChatGPT integriert. Statt mehr
Sichtbarkeit und mehr Direktbuchungen droht mehr Konzentration in der
Vertriebsstruktur.

Zwtl.: EU ist gefordert

Für Gratzer ist klar, die EU muss ihren KMU den Zugang zum
weltweiten Markt sichern: „Das passiert nicht auf einmal. Aber die
Kommission muss jetzt einschreiten, bevor mittelständische Hotels
Schritt für Schritt aus den Reiseplänen verschwinden und Geld im
großen Stil aus der EU in die USA. Weder das eine noch das andere ist
im europäischen Interesse.“ Im Tourismus hält die EU mit 40% aller
internationalen Ankünfte weltweit die Spitzenposition, die Branche
ist mit 4,6 Mio. Unternehmen und 27 Mio. Beschäftigten einer der
wichtigsten Wirtschaftszweige Europas. „Keine andere Herausforderung
war jemals so zentral für die Zukunft des europäischen Tourismus. Wir
dürfen nicht zulassen, dass die US-amerikanische Interessen unsere
Klein- und Mittelbetriebe zurückdrängen. Qualität und Individualtität
muss sich durchsetzen können“, so Gratzer.

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