Wetterextreme und Kostendruck: Familienbetriebe brauchen eine starke flächenbezogene GAP

Wien (OTS) – Angesichts von Ernteausfällen infolge sich rasant
verändernder
Klimabedingungen, historisch niedriger Erzeugerpreise sowie einer
grundlegenden Umstrukturierung der GAP und drohender Kürzungen
fordern die Land&Forst Betriebe eine Agrarpolitik, die produzierende
Haupterwerbsbetriebe stärkt und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig
sichert. Denn die aktuellen Entwicklungen gefährden zunehmend die
Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

Mit einem Niederschlagsdefizit von teils über 50 Prozent in
manchen Regionen gegenüber den Vorjahren bereitet die anhaltende
Trockenheit der Land- und Forstwirtschaft große Sorgen. Besonders
dramatisch stellt sich die Situation derzeit in der Landwirtschaft
dar. Die ersten Ergebnisse der Getreideernte zeigen Ertragseinbußen
von bis zu einem Drittel gegenüber dem mehrjährigen Durchschnitt; in
einzelnen Betrieben schrumpfen sie auf die Hälfte. Bereits jetzt
zeichnet sich ab, dass auch die Herbstkulturen von massiven
Ernteausfällen betroffen sein werden, da ausgiebige, flächendeckende
Niederschläge weiterhin nicht in Sicht sind. „ Wie aus aktuellen
Meldungen zu hören ist, werden diese Klimaextreme zukünftig immer
häufiger werden und damit auch die Missernten. Damit geht den
produzierenden Haupterwerbsbetrieben nicht nur das Wasser aus,
sondern auch zunehmend die Luft zum Atmen. Kostendruck, sinkende
Erzeugerpreise und eine zunehmende Bürokratie verschärfen die
Belastung auf den Betrieben zusätzlich. “, beschreibt Land&Forst
Betriebe Niederösterreich-Obmann, Markus Hoyos, die aktuelle
Situation auf den Höfen.

„ All dies geschieht vor dem Hintergrund der aktuellen
Verhandlungen rund um den Mehrjährigen Finanzrahmen und die
Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028, in deren Zusammenhang mit
Degression und Capping neuerliche Kürzungen nicht ausgeschlossen
werden können. Damit sieht die Zukunft der landwirtschaftlichen
Betriebe nicht nur im Hinblick auf die Ernteprognosen vor dem
Hintergrund der Klimaveränderungen düster aus. Insgesamt droht eine
massive Schwächung der produzierenden und leistungsstarken
Haupterwerbsbetrieben, die wesentlich zur Versorgungssicherheit
beitragen. Hier keine Kurskorrektur einzuleiten, wäre fahrlässig von
den entsprechenden Entscheidungsträgern “, so Hoyos.

Eine starke GAP sichert Versorgung und Arbeitsplätze

„ Die Gemeinsame Agrarpolitik ist kein bloßer Budgetposten,
sondern ein strategisches Instrument zur Sicherung der
Lebensmittelproduktion und zur Stärkung des ländlichen Raums. Dafür
braucht es ein eigenständiges, verlässlich dotiertes GAP-Budget, das
leistungsfähige Betriebe stärkt, anstatt sie strukturell zu
benachteiligen. Wer Versorgungssicherheit will, muss jene stärken,
die sie täglich gewährleisten “, betont Konrad Mylius, Präsident der
Land&Forst Betriebe Österreich.

Welche konkreten Folgen Kürzungen wie Degression und Capping für
die Betriebsstruktur hätten, zeigt sich insbesondere bei den
produzierenden Haupterwerbsbetrieben. Für die Land&Forst Betriebe ist
daher eine starke, flächenbezogene Ausgestaltung der GAP unter
Anrechnung der Lohnkosten unverzichtbar. „ Jede landwirtschaftlich
genutzte Fläche muss gleich viel wert sein. Degression und Capping
würden gerade jene leistungsfähigen Haupterwerbsbetriebe schwächen,
die wesentlich zur Versorgungssicherheit beitragen und Arbeitsplätze
im ländlichen Raum sichern “, stellt Mylius klar.

Klimaanpassung braucht rasche Umsetzung

Die Auswirkungen zunehmender Trockenperioden nehmen von Jahr zu
Jahr zu. Deshalb braucht es konsequente Maßnahmen zur Anpassung an
den Klimawandel. Dazu zählt insbesondere, dass Infrastrukturprojekte
wie beispielsweise „Donauwasser ins Weinviertel“, rasch und
ambitioniert umgesetzt werden müssen, um die Kornkammer Österreichs
widerstandsfähiger gegenüber den veränderten Klimabedingungen zu
machen. Zudem müssen für alle von Trockenheit betroffenen Regionen
die erforderlichen infrastrukturellen Rahmenbedingungen geschaffen
sowie die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden.

Ebenso unverzichtbar sind Maßnahmen zum Schutz der europäischen
Agrarmärkte, gleichen Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas,
bessere Erzeugerpreise sowie ein fairer Anteil der
landwirtschaftlichen Betriebe an der Wertschöpfungskette.

„Es kann nicht sein, dass der Landwirt für seine Urprodukte in 1-
Kilogramm-Laib Brot lediglich 20 Cent erhält. Das entspricht gerade
einmal rund sechs Prozent des Verkaufspreises“, verdeutlicht der
niederösterreichische Landesverbandsobmann Hoyos die belastende
Situation und warnt: „Mit einer derartigen Preisgestaltung wird die
langfristige Versorgungssicherheit mit hochwertigen heimischen
Lebensmitteln auf das Spiel gesetzt. Hier hat auch der
Lebensmitteleinzelhandel eine Verantwortung, die er nicht von sich
wegschieben kann.“

Wettbewerbsfähigkeit braucht gleiche Spielregeln

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Wettbewerbsfähigkeit der
europäischen Landwirtschaft. Importwaren müssen denselben Klima-,
Umwelt- und Produktionsstandards unterliegen wie heimische Produkte.
Diese Vorgaben müssen künftig in sämtlichen Handelsabkommen
konsequent verankert werden. Wer eine starke Europäische Union will,
muss auch eine starke Gemeinsame Agrarpolitik unterstützen.

Die Landwirtschaft steht am Kipppunkt

„ Wir stehen heuer vor einer noch nie dagewesenen Situation: Die
Existenz der Landwirtschaft steht am Kipppunkt. Massive Ernteausfälle
treffen auf historisch niedrige Erzeugerpreise, hohe Steuer- und
Abgabenbelastungen, steigende Betriebsmittelkosten sowie eine
ausufernde Bürokratie. Diese Kombination gefährdet nicht nur die
wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe, sondern auch die damit
verbundenen Arbeitsplätze im strukturschwachen ländlichen Raum sowie
zahlreiche Umweltleistungen, die Österreich mit dem ÖPUL beispielhaft
erbringt.

Daher fordern wir eine starke, flächenbezogene Ausgestaltung der
GAP, die auf Planungssicherheit sowie einem konsequenten
Bürokratieabbau basiert. Dabei muss endlich Schluss sein mit bloßen
Lippenbekenntnissen auf nationaler und europäischer Ebene.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die
Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten Jahr für Jahr zunehmen und
laufend verschärft werden. Offensichtlich herrscht großes Misstrauen
gegenüber den fachlichen Ausbildungen der Landwirtinnen und Landwirte
sowie gegenüber der behördlichen Kontrolle durch qualifiziertes
Fachpersonal.

Diesen Irrsinn müssen wir beenden. Es braucht spürbare
Entlastungen für unsere produzierende, familiengeführte
Landwirtschaft sowie wieder mehr Vertrauen in fachliche
Qualifikation, Eigenverantwortung und die Arbeit der
Kontrollbehörden. “, so Präsident Mylius und Obmann Hoyos
abschließend.

Die Land&Forst Betriebe Österreich/NÖ sind die freiwillige
Vereinigung heimischer Landbewirtschafter, mit der Zielsetzung,
Österreichs Wälder und Felder als betriebliche Grundlage und
gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und Bewusstsein für die
Anliegen privater land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und deren
Tätigkeit zu schaffen.