Klagenfurt am Wörthersee (OTS) – Kärntens Exportwirtschaft zeigte
sich auch in einem schwierigen
internationalen Umfeld robust. Nach einem Rückgang im Jahr 2024
stiegen die Warenexporte im Vorjahr wieder deutlich auf 9,809
Milliarden Euro und legten damit um 5,1 Prozent zu. Mengenmäßig
konnte bei den Exporten allerdings nur ein geringer Zuwachs von 0,4
Prozent verzeichnet werden. Dies deutet darauf hin, dass die höheren
Standortkosten vorerst an die Kunden auf dem internationalen Markt
weitergegeben werden konnten. Gleichzeitig erhöhten sich die Importe
um 1,5 Prozent auf 8,157 Milliarden Euro. Mengenmäßig war jedoch ein
Rückgang um 3,2 Prozent zu verzeichnen, was auf geringere
Investitionen und Produktion der international tätigen Betriebe in
Kärnten hindeutet. Daraus ergibt sich ein Außenhandelsüberschuss von
knapp 1,7 Milliarden Euro – der höchste Wert in der Geschichte der
Kärntner Außenhandelsstatistik*. Kärnten zählt damit neben
Oberösterreich, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg weiterhin zu den
fünf österreichischen Bundesländern mit einer positiven
Außenhandelsbilanz.
Export bleibt Wachstumsmotor
Für WK-Präsident Jürgen Mandl bestätigen die Zahlen einmal mehr
die Bedeutung der Exportwirtschaft für den Wirtschaftsstandort
Kärnten: „Unsere exportierenden Betriebe beweisen tagtäglich ihre
internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dass die Exporte trotz
schwieriger Rahmenbedingungen wieder deutlich wachsen und Kärnten
einen neuen Rekordüberschuss erzielt, ist eine außergewöhnliche
Leistung unserer Unternehmen.“ Gleichzeitig dürften die positiven
Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herausforderungen groß
bleiben. „Hohe Energie- und Standortkosten, zunehmende Bürokratie und
geopolitische Unsicherheiten belasten unsere Betriebe weiterhin
massiv. Umso wichtiger sind wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und
offene Märkte. Gerade für ein exportorientiertes Bundesland wie
Kärnten sind Freihandelsabkommen – wie Mercosur oder mit Indien und
Australien – entscheidend, damit unsere Unternehmen auch künftig dank
neuer Absatzmärkte international erfolgreich sein können.“
Exportförderung als wichtiger Impuls
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass unsere Exportwirtschaft auch
unter herausfordernden Bedingungen wettbewerbsfähig und ein
wichtiger, stabilisierender Faktor für den Standort ist“, sagt
Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig. Gleichzeitig führen
geopolitische Spannungen und neue Handelshemmnisse vor Augen, wie
wichtig es ist, die Exportmärkte noch breiter aufzustellen und neue
Chancen zu nutzen. „Auf diesem Weg unterstützen wir die Kärntner
Unternehmen und haben mit unserer Exportoffensive ein passendes,
bereits bewährtes Instrument dafür. Außerdem verstärken wir die
Zusammenarbeit mit der Steiermark und intensivieren unsere
Positionierung als gemeinsamer Wirtschaftsraum – für mehr
Standortsichtbarkeit auf internationalen Märkten“, so Schuschnig.
Dafür sind in einem ersten Schritt unter anderem ein gemeinsamer
Standortauftritt im Rahmen der EXPO 27 in Belgrad sowie ein
Wirtschaftsempfang in München im nächsten Jahr geplant.
Deutschland bleibt Nummer eins – China wächst weiter
Die EU bleibt mit Abstand Kärntens wichtigster Handelspartner –
gehen doch über 61 Prozent der gesamten Exporte in andere
Mitgliedsstaaten. Deutschland ist mit einem Exportvolumen von 2,618
Milliarden Euro und einem leichten Rückgang von 1,3 Prozent weiterhin
Kärntens wichtigster Handelspartner. Auf Platz zwei folgt China mit
Exporten im Wert von 1,305 Milliarden Euro und einem kräftigen Plus
von 23,9 Prozent. Die stark positive Außenhandelsbilanz mit China (
Exporte: 1,305 Milliarden Euro, Importe: 871 Millionen Euro) ist
insofern bemerkenswert, da sie nicht dem österreichweiten Trend
entspricht. Italien behauptet mit 925 Millionen Euro Rang drei.
Positiv entwickelten sich auch die Exporte nach Malaysia (+15,6
Prozent), Polen (+5,9 Prozent), Ungarn (+7,1 Prozent) und in die
Schweiz (+4,1 Prozent). Rückgänge gab es unter anderem in den USA (-
14,8 Prozent), Slowenien (-8,5 Prozent) und Frankreich (-3,3 Prozent)
.
Bei den Exportgütern bleibt der Maschinen- und Anlagenbau die
wichtigste Warengruppe. Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische
Geräte erreichten ein Exportvolumen von knapp drei Milliarden Euro (+
5,3 Prozent). Besonders stark entwickelten sich elektrische Maschinen
und elektrotechnische Waren (+11,1 Prozent), Holz und Holzwaren (+
10,1 Prozent) sowie Fleisch und genießbare Schlachtnebenerzeugnisse (
+18,3 Prozent).
Importe entwickeln sich unterschiedlich
Bei den Importen blieb Deutschland mit einem Warenwert von 2,427
Milliarden Euro das wichtigste Herkunftsland, gefolgt von China mit
871 Millionen Euro und Italien mit 702 Millionen Euro. Besonders
deutlich stiegen die Importe aus Ungarn (+19,9 Prozent) und China (+
12,4 Prozent), während die Einfuhren aus den USA (-13,6 Prozent) und
Japan (-7,9 Prozent) rückläufig waren.
Bei den Warengruppen dominieren ebenfalls Kessel, Maschinen,
Apparate und mechanische Geräte mit einem Importvolumen von 1,505
Milliarden Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen elektrische
Maschinen und elektrotechnische Waren (1,008 Milliarden Euro) sowie
Zugmaschinen und Kraftfahrzeuge (497 Millionen Euro). Deutliche
Zuwächse gab es bei mineralischen Brennstoffen (+8,5 Prozent), Waren
aus Eisen und Stahl (+7,4 Prozent) sowie Kraftfahrzeugen (+6,7
Prozent). Rückgänge verzeichneten hingegen anorganische chemische
Erzeugnisse sowie Holz und Holzwaren mit jeweils rund neun Prozent.
Positive Entwicklung trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Hemma Kircher-Schneider, Leiterin der Abteilung Außenwirtschaft
und EU in der Wirtschaftskammer Kärnten, sieht in den aktuellen
Zahlen einen Beleg für die hohe Widerstandsfähigkeit der Kärntner
Exportwirtschaft: „Die Rückkehr auf den Wachstumspfad ist ein starkes
Signal. Unsere Unternehmen behaupten sich erfolgreich auf den
internationalen Märkten und konnten ihre Exporte trotz der
herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder deutlich
steigern. Gleichzeitig zeigen die nur leicht steigenden Importe, dass
viele Betriebe bei Investitionen weiterhin vorsichtig agieren. Umso
wichtiger bleibt es, Unternehmen beim Zugang zu neuen Märkten gezielt
zu unterstützen und internationale Chancen konsequent zu nutzen.“