Grüne Wien/Kraus, Sequenz, Stark zu Schnellbahn-Sperre: Stresstest für ganz Wien

Wien (OTS) – Die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Meidling und
Floridsdorf ist eine
der wichtigsten Öffi-Achsen Österreichs: Rund 700 Züge und etwa
250.000 Reisende pro Werktag nutzen diese Verbindung. Die umfassende
Modernisierung ist notwendig: Es werden unter anderem Viadukte,
Brücken, Stützmauern, Stationen und Schieneninfrastruktur erneuert.
Nach dem Upgrade sollen längere Züge und ein 2,5 Minuten-Takt in der
Hauptverkehrszeit möglich sein und das Sitzplatzangebot soll um 40
Prozent steigen.

Die Auswirkungen der monatelangen Baustellen werden im gesamten
Wiener Verkehrssystem spürbar sein: Eine von den Grünen in Auftrag
gegebene TU-Studie rechnet in Spitzenzeiten mit rund 11.300
Fahrgästen pro Stunde, die dann auf anderen Routen unterwegs sein
werden. Es stellt sich daher die Frage, warum nicht früher reagiert
und Ersatzangebote geschaffen wurden, wenn seit Jahren klar war, dass
2026/2027 die größte Öffi-Sperre der Stadt bevorsteht. Auch der
Zeitpunkt ist besonders heikel, da erst heuer die Öffis empfindlich
teurer wurden und die Fahrgäste dafür eine schlechtere Leistung
bekommen.

„Die notwendige Sanierung der S-Bahn-Stammstrecke ist seit vielen
Jahren bekannt, trotzdem behandelt die Stadtregierung das Riesen-
Projekt wie eine normale Baustelle. Die zuständige Stadträtin Ulli
Sima hat erst letztens in einem Interview gesagt, dass es ,nicht
lustig‘ werde. Das ist zynisch – denn man hätte tatsächlich besser
planen können. Rot-Pink agiert wieder einmal wie bei vielen
Großprojekten: kurzsichtig, planlos und die Dimension
unterschätzend“, so der Parteivorsitzende der Grünen Wien, Peter
Kraus, bei der heutigen Pressekonferenz.

Lange Wartezeiten, volle Bahnsteige und drohender Öffi-Frust

ÖBB und Wiener Linien haben ein Ersatzangebot angekündigt – dabei
sind unter anderem Direkt-Shuttlebusse, längere Bims und die
Verlängerung der Linie 18 positiv hervorzuheben. Doch diese Maßnahmen
sind leider nicht ausreichend, um die Öffi-Belastung während der
Baustellen abzufedern, zeigt die TU-Studie.

„Eine Viertelmillion Fahrgäste pro Tag kann man nicht einfach bitten,
sich irgendwie im Netz zu verteilen. Die Stadt Wien kann hier nicht
mit ein paar kosmetischen Maßnahmen agieren und den Menschen lange
Wartezeiten und überfüllte Öffis zu teureren Preisen zumuten. Hier
rollt ein Fahrgast-Vertreibungsprogramm auf uns zu, das nachhaltig
Menschen aus den Öffentlichen Verkehrsmitteln zu verdrängen droht“,
so Mobilitätssprecher Kilian Stark.

Wenn die Leistung schlechter wird, darf sie nicht gleichzeitig teurer
werden. Deshalb fordern die Grünen Wien ein Zurück zum 365-Euro-
Ticket und Rabatte für betroffene Klimaticket-Pendler:innen.

Die Grünen Wien fordern zudem Maßnahmen zur Abfederung der Sperre.
Heidi Sequenz, Mobilitätssprecherin: „Die Stadt Wien muss im Vorfeld
der Sperre Vorbereitungen treffen, die besonders stark genutzten
Straßenbahn-Linien wirklich freie Fahrt garantieren. Hier muss die
Stadt Wien endlich Mut zeigen und die in der Studie empfohlenen
Maßnahmen – wie das Freihalten der Gleiskörper – umsetzen.“

Konkret fordern die Grünen:

+ Dichtere Intervalle für U-Bahnen und Straßenbahnen:
Taktverdichtungen braucht es nicht nur auf den unmittelbar
betroffenen Linien sondern auch auf den Linien O, 18, D, 71 und den
relevanten Entlastungsachsen. Außerdem braucht es mehr Reservezüge
und Personal für Störungsfälle.

+ Freie Fahrt für Bim & Bus: Auf den Linien O oder D droht
Pulkbildung: Zwei, drei Straßenbahnen fahren knapp hintereinander,
dann lange nichts. Genau das droht sich während der Sperre zu
verschärfen. Der TU-Bericht empfiehlt daher unter anderem eine
durchgehende Ampel-Priorisierung, eigene Spuren sowie die Freihaltung
von Gleiskörpern.

+ 100 Öffi-Lots:innen für mehr Sicherheit. Auf dem Hauptbahnhof wird
es eng werden. Der TU-Bericht empfiehlt daher Fahrgastleitsysteme
samt Bodenmarkierungen, Piktogrammen und Durchsagen, Prüfung von
Einbahnführungen in Stationen, zusätzliches Ordnungspersonal sowie
Lift- und Rolltreppenmanagement.

+ Temporäre Radwege inkl. Rad-Sharing-Offensive: Der TU-Bericht
schlägt rasch umsetzbare, temporäre Radinfrastruktur vor, weiters
sichere parallele Radverbindungen, besonders im 3. Bezirk, 500-1.000
zusätzliche Sharing-Räder beim Hauptbahnhof, 250-500 zusätzliche
Sharing-Räder beim Matzleinsdorfer Platz sowie mobile Radbügel.