Wien (OTS) – Am 28. Mai vergangenen Jahres wird Blatten, ein kleines
Dorf im
Schweizer Kanton Wallis, von einem Bergsturz weitgehend zerstört. Die
Bilder gehen um die Welt. Rund neun Millionen Tonnen Gestein, Geröll
und Eis begraben die Häuser unter sich. Da das Dorf rechtzeitig
evakuiert wird, kommt keiner der fast 300 Bewohner:innen ums Leben.
Heute – ein Jahr später – sind einige der Familien wieder im Dorf
zurück. Blatten ist nur ein Katastrophen-Szenario von vielen
möglichen: Ob Felssturz, Hangrutsch oder Erdbeben – für die aktuelle
„WeltWeit“-Reportage „Countdown. Warten auf das Desaster.“ am
Freitag, dem 29. Mai 2026, um 21.20 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON haben
die „WeltWeit“-Reporterinnen Marion Flatz-Mäser, Cornelia Vospernik
und Rosa Lyon in der Schweiz, Italien und der Türkei nachgefragt, wie
es ist, mit dem Countdown zum Desaster zu leben.
Die bergreiche Schweiz hat neben Blatten noch weitere
„Sorgenkinder“. Auch in Kandersteg, nur wenige Kilometer Luftlinie
entfernt, muss das Rutschgebiet rund um den sogenannten Spitzen Stein
seit 2018 überwacht werden. Das kostet rund 900.000 Franken jährlich,
denn zirka 50 Messgeräte und Kameras zeichnen die Bewegungen im
Rutschgebiet auf. Marion Flatz-Mäser ist mit Ernst Müller unterwegs,
der sich um die Wartung der Instrumente kümmert. In Kandersteg selbst
macht sie die Erfahrung, dass nicht alle im Dorf öffentlich über die
Bedrohung sprechen wollen: „Jede Berichterstattung über den Spitzen
Stein schade dem Tourismus“, sagen sie.
1.500 Menschen verlieren in Niscemi auf Sizilien ihr Zuhause, als
es im Jänner nach starken Regenfällen zu einem Erdrutsch kommt.
Seither zieht sich ein vier Kilometer breiter und bis zu 50 Meter
tiefer Riss durch die Stadt. Cornelia Vospernik ist mit Antonio
Pizzacanti vom italienischen Zivilschutz unterwegs und darf mit ihm
direkt in die rote Zone. Die Katastrophe kann sich aufgrund der
Bodenbeschaffenheit rund um Niscemi jederzeit wiederholen, sagen
Geologen. Auch davor hat es bereits 1997 einen riesigen Erdrutsch
gegeben. Den Verdacht, dass das Geld für die notwendigen Maßnahmen
klassisch sizilianisch versickert sein könnte, weist der
Bürgermeister entschieden zurück.
Dass es in Istanbul ein großes Erdbeben geben wird, daran
zweifelt niemand. Die Frage ist nur, wann es passiert. Der Grund: im
Meer vor der Küste stoßen eurasische und anatolische
Kontinentalplatte aneinander, wodurch sich starke geologische
Spannungen ergeben. Die türkische Metropole mit fast 16 Millionen
Menschen ist für so ein Beben nicht gerüstet. Wer, so wie Türkei-
Korrespondentin Rosa Lyon, in der Stadt lebt und arbeitet, muss sich
mit dem Thema konfrontieren. Ihre Recherchen zeigen ein schlechtes
Bild: Die Stadt ist zu dicht bebaut, die Substanz der Häuser meist
schlecht und viele wurden auf zu weichem Untergrund errichtet. Wenn
die Erde in Istanbul bebt, muss man mit verheerenden Schäden und
vielen Opfern rechnen, denn in den schmalen Gassen wird es kaum ein
Durchkommen für Einsatz- und Rettungskräfte geben.