Ärztemangel in Tirol

Innsbruck (OTS) – Die Ärztekammer für Tirol warnt vor den Folgen
langer Wartezeiten auf
Ausbildungsplätze in der ärztlichen Basisausbildung und fordert
gezielte Maßnahmen, um den ärztlichen Nachwuchs in Tirol zu halten.

Nach Abschluss des Medizinstudiums sind viele Absolventinnen und
Absolventen hoch motiviert, ihre Ausbildung und berufliche Tätigkeit
in Tirol aufzunehmen. In der Praxis scheitert dies jedoch häufig an
fehlenden Ausbildungsstellen und langen Wartezeiten auf einen
Ausbildungsplatz.

Eine Erhebung der Ärztekammer für Tirol in den Tiroler
Krankenanstalten zeigt deutlich, dass der Einstieg in die ärztliche
Basisausbildung für viele Absolventinnen und Absolventen mit
erheblichen Hürden verbunden ist.

In zahlreichen Krankenhäusern sind Ausbildungsstellen bereits
mehrere Jahre im Voraus vergeben – teilweise bis ins Jahr 2028.
Bevorzugt werden dabei häufig Bewerberinnen und Bewerber, die ihr
Klinisch-Praktisches Jahr (KPJ) im jeweiligen Krankenhaus absolviert
haben oder bereits einen starken regionalen Bezug, etwa durch einen
Wohnort oder familiäre Kontakte im Bezirk des Krankenhauses,
aufweisen.

Zusätzlich erschwert wird die Situation dadurch, dass eine
formale Bewerbung für die Basisausbildung in der Regel erst nach dem
erfolgreichen Abschluss des Medizinstudiums möglich ist. Eine
frühzeitige Planung und verbindliche Zusage eines Ausbildungsplatzes
ist daher für viele Studierende nicht möglich.

Die Erhebung bei den Trägern zeigt zudem, dass an einzelnen
Standorten Wartelisten mit mehr als 100 Bewerberinnen und Bewerbern
bestehen. Entsprechend lang sind die Wartezeiten, die sich über viele
Monate und in einzelnen Fällen deutlich länger erstrecken können.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht mangelnde
Bereitschaft, sondern fehlende Ausbildungsplätze und strukturelle
Engpässe den raschen Berufseinstieg junger Ärztinnen und Ärzte
verhindern und Absolventinnen und Absolventen dazu veranlassen, ihre
Jobsuche in benachbarte Bundesländer oder ins Ausland zu verlagern.
Die Ärztekammer für Tirol sieht darin ein zentrales Problem für die
langfristige Sicherstellung der medizinischen Versorgung im Land
Tirol.

Zwtl.: Ausbildungsplätze ausbauen, Einstieg sofort ermöglichen

Die Basisausbildung bildet den ersten verpflichtenden Abschnitt
der postpromotionellen ärztlichen Ausbildung. Dennoch warten junge
Medizinerinnen und Mediziner teilweise über Monate auf einen
Ausbildungsplatz, weil nicht genügend Planstellen zur Verfügung
gestellt werden.

„Jede Absolventin und jeder Absolvent sollte unmittelbar nach dem
Studium mit der Basisausbildung beginnen können. Wir fordern deshalb
eine Jobgarantie für Absolvent:innen. Wer arbeiten will, darf nicht
durch fehlende Stellen und organisatorische Engpässe ausgebremst
werden“, betont Daniel von Langen, Tiroler Kurienobmann und
Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte.

Zwtl.: Basisausbildung und KPJ sinnvoll aufeinander abstimmen

Die Ärztekammer für Tirol spricht sich klar dafür aus, die
ärztliche Basisausbildung als wichtigen Bestandteil der
postpromotionellen Ausbildung zu erhalten, zumindest auf Basis eines
freiwilligen Moduls. Sie bietet jungen Ärztinnen und Ärzten einen
umfassenden Einblick in unterschiedliche medizinische Fachbereiche
und schafft eine wertvolle Grundlage und Orientierung für die spätere
Spezialisierung.

Die Ärztekammer für Tirol sieht Potenzial, die Inhalte des
Klinisch-Praktischen Jahres (KPJ) und der Basisausbildung besser
aufeinander abzustimmen. Eine enge inhaltliche Koordination könnte
dazu beitragen, Doppelgleisigkeiten zu vermeiden und die Ausbildung
insgesamt effizienter zu gestalten.

Eine pauschale Anrechnung von KPJ-Inhalten auf die
Basisausbildung wird jedoch kritisch gesehen. Das KPJ ist Teil des
Medizinstudiums, während die Basisausbildung bereits unter den
Rahmenbedingungen eines ärztlichen Dienstverhältnisses erfolgt.
Aufgaben, Verantwortlichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen
unterscheiden sich wesentlich.
„KPJ und Basisausbildung erfüllen unterschiedliche Funktionen. Beide
Ausbildungsabschnitte haben ihren eigenen Wert und sollten in ihrer
bewährten Form erhalten bleiben. Anpassungen sollten nur mit Augenmaß
und unter Berücksichtigung der Ausbildungsqualität erfolgen“, so
Daniel von Langen.

Entscheidend ist aus Sicht der Ärztekammer für Tirol, dass die
Qualität der Ausbildung gesichert bleibt und junge Medizinerinnen und
Mediziner rasch und planbar in ihre berufliche Laufbahn starten
können.

Zwtl.: Nachhaltige Lösungen statt kurzfristiger Maßnahmen

Die Ärztekammer für Tirol spricht sich klar gegen Zwangsmaßnahmen
oder verpflichtende Tätigkeiten nach dem Studium aus.
„Junge Medizinerinnen und Mediziner sind bereit, Verantwortung zu
übernehmen und im öffentlichen Gesundheitssystem zu arbeiten. Die
Aufgabe der Politik ist es, dafür die notwendigen Rahmenbedingungen
zu schaffen. Nur so kann Tirol auch in Zukunft auf eine starke und
wohnortnahe Gesundheitsversorgung bauen“, betont von Langen.