Schallmeiner kritisiert veraltete Schulungsunterlagen für PVA-Gutachter:innen: „Einmal mehr systematisches Versagen bei Begutachtungen“

Wien (OTS) – Die aktuellen Recherchen von ORF, APA und DOSSIER zu
veralteten und
wissenschaftlich fragwürdigen Schulungsunterlagen für PVA-
Gutachter:innen markieren einen erneuten gesundheitspolitischen
Offenbarungseid mit Ansage. Wenn im Umfeld der PVA und ihrer eng
verflochtenen Begutachtungsakademie ÖBAK offenkundig Materialien
kursieren, die schwere körperliche Erkrankungen wie ME/CFS oder Post-
Covid durch veraltete, teils psychiatrisierende Narrative
relativieren, dann reden wir nicht mehr über Einzelfehler, sondern
über ein strukturelles Systemproblem mit massiven Folgen für tausende
Betroffene. „Wenn Menschen, die an postviralen Erkrankungen leiden,
mit veraltetem Wissen begutachtet werden, hat das schwere Folgen:
Betroffene werden falsch eingeschätzt, ihnen wird Hilfe verweigert
und ihr Leid verschärft sich“, erläutert der Gesundheitssprecher der
Grünen, Ralph Schallmeiner.

Dass PVA und ÖBAK noch vor kurzem behaupteten, keinerlei
inhaltliche Vorgaben zu machen, während gleichzeitig genau solche
Unterlagen verwendet wurden, wirft massive Fragen nach Transparenz,
Verantwortung und Glaubwürdigkeit auf. „Das ist kein Kavaliersdelikt,
sondern ein handfester Skandal. Zudem hat die PVA immer wieder
behauptet, dass die Gutachter:innen angehalten sind, nach dem
aktuellen Stand der Wissenschaft zu agieren. Die nun ans Tageslicht
gekommenen Unterlagen zeigen, dass scheinbar das Gegenteil der Fall
ist“, hält Schallmeiner fest.

„Wer jetzt noch glaubt, man könne dieses massive
Vertrauensproblem mit kosmetischem Kleinklein, punktuellen
Nachschärfungen oder symbolischen Mini-Reformen lösen, versteht die
Dimension des Problems einfach nicht. Es braucht einen echten
Neustart bei der Ausbildung, Zertifizierung, Qualitätskontrolle und
eine unabhängige Aufsicht der Begutachtungssysteme. Alles andere
würde nur dazu beitragen, dass die bestehenden Fehlbehandlungen
weitergehen.“

Schallmeiner fordert von Sozial- und Gesundheitsministerin
Korinna Schumann umgehend eine vollständige Offenlegung aller
aktuellen und bisherigen Schulungsunterlagen. Weiters braucht es die
unabhängige wissenschaftliche Evaluierung sämtlicher
Zertifizierungsinhalte, eine verpflichtende Überarbeitung nach
aktuellem Stand internationaler Evidenz, verbindliche gesetzliche
Qualitätsstandards für Gutachter:innen, sowie eine unabhängige
Beschwerde- und Kontrollinstanz. „Unsere Vorschläge dazu liegen als
parlamentarischer Antrag auf dem Tisch. Dem muss nur noch zugestimmt
werden“, sagt Schallmeiner.