Schmuckenschlager: Hohe Kosten und neue Auflagen erfordern klare politische Entlastungsschritte

St. Pölten (OTS) – Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer
Niederösterreich am 27.
April stand im Zeichen zentraler agrarpolitischer Zukunftsthemen –
von der Entlastung bei Betriebsmittelkosten über praxistaugliche
Pflanzenschutzregelungen bis zur Weiterentwicklung der
Herkunftskennzeichnung. Ein weiterer Schwerpunkt war die Präsentation
der „Zukunftsstrategie Marktfruchtbau in Niederösterreich“. „Die
weltpolitische Lage ist angespannt und ihre gravierenden
wirtschaftlichen Auswirkungen sind in der Landwirtschaft noch längst
nicht vollständig angekommen. Umso wichtiger ist es jetzt, die
Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe abzusichern.“

Zwtl.: Marktfruchtbau steht am Wendepunkt

Ein zentraler Schwerpunkt der Vollversammlung lag auf der
wirtschaftlichen Situation im Marktfruchtbau. Steigende
Produktionskosten bei Energie, Dünger und Pflanzenschutzmitteln
treffen zunehmend auf sinkende Erlöse bei wichtigen Ackerkulturen.
Damit öffnet sich die Preisschere weiter und stellt viele Betriebe
vor große Herausforderungen. „Im Marktfruchtbau zeigt sich besonders
deutlich, wie stark Kostensteigerungen und volatile Märkte auf die
Betriebe wirken. Deshalb braucht es jetzt klare politische
Rahmenbedingungen und eine konsequente Umsetzung der
Zukunftsstrategie Marktfruchtbau“, betont Schmuckenschlager. Im
Rahmen eines breit angelegten Strategieprozesses der
Landwirtschaftskammer Niederösterreich wurden dazu konkrete
Handlungsansätze erarbeitet – von kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen
bis hin zu langfristigen Anpassungen auf Betriebs- und
Beratungsebene. Ziel ist es, die wirtschaftliche Stabilität der
Ackerbaubetriebe nachhaltig zu sichern, erklärt der Kammerpräsident:
„Einzelmaßnahmen reichen nicht aus. Es braucht ein Zusammenspiel aus
politischen Rahmenbedingungen, betrieblicher Weiterentwicklung und
gezielter Beratung, damit der Marktfruchtbau in Niederösterreich
langfristig tragfähig bleibt.“

Zwtl.: Landwirtschaft steht vor einem herausfordernden Jahr

Die Land- und Forstwirtschaft sieht sich aktuell mit steigenden
Produktionskosten, zunehmenden Klimarisiken und neuen regulatorischen
Anforderungen konfrontiert. Die derzeitige Trockenheit verschärft die
Situation zusätzlich und zeigt die Notwendigkeit verstärkter
Investitionen in Wasserinfrastruktur sowie funktionierender
Risikoinstrumente wie Dürreversicherungen. „Trockenheit und
Extremwetter sind Realität. Maßnahmen wie Bewässerung und
Absicherungssysteme müssen konsequent weiterentwickelt werden“, so
Schmuckenschlager. Die gleichzeitig steigende Waldbrandgefahr
unterstreicht auch im Forstbereich den Handlungsbedarf bei Prävention
und Vorsorgemaßnahmen.

Zwtl.: Weiterführung der Entlastung beim Agrardiesel ist wichtiger
Schritt

Der Nahostkonflikt und die Sperre der Straße von Hormus haben
globale Lieferketten bei Öl, Gas und Düngemitteln unterbrochen und zu
massiven Preissteigerungen geführt. Gleichzeitig ist die steuerliche
Entlastung beim Agrardiesel Ende 2025 ausgelaufen. Österreich liegt
damit bereits jetzt im EU-Vergleich im oberen Belastungsbereich. Die
Landwirtschaftskammer Niederösterreich hat daher die Beibehaltung des
Agrardiesels als Ausgleich für die hohen Betriebsmittelkosten stets
konsequent gefordert. Dass man sich grundsätzlich darauf in den
gestrigen Budgetverhandlungen für die Jahre 2027 und 2028 einigen
konnte, ist ein wichtiger Schritt. „Gerade in der aktuellen Situation
dürfen unsere Betriebe nicht zusätzlich belastet werden. Der
Agrardiesel ist wichtig, um Wettbewerbsnachteile der österreichischen
Bäuerinnen und Bauern zu vermeiden“, sagt Schmuckenschlager.

Zwtl.: CBAM-Zölle auf Düngemittel aussetzen

Durch den geplanten CO₂-Grenzausgleich für Düngemittel (CBAM)
drohen zusätzliche Kosten für landwirtschaftliche Betriebe. Diese
würden die ohnehin hohen Betriebsmittelpreise weiter verschärfen. Die
Landwirtschaftskammer Niederösterreich fordert daher ein Aussetzen
der Regelung. Auch die EU-Kommission hat die Notwendigkeit einer
Entlastung bei den Betriebsmittelkosten, insbesondere bei Dünger,
erkannt und angekündigt, bis 19. Mai einen diesbezüglichen
Aktionsplan vorzulegen.

Zwtl.: Pflanzenschutz: Aufzeichnungspflichten müssen praxistauglich
sein

Seit 1. Jänner 2026 gelten erweiterte Aufzeichnungspflichten im
Pflanzenschutz. Diese enthalten nach Einschätzung der
Landwirtschaftskammer Niederösterreich teilweise Inhalte ohne
praktischen Mehrwert und sind derzeit im Vollzug nicht umsetzbar.
„Neue Dokumentationspflichten dürfen nicht zu zusätzlicher Bürokratie
ohne Nutzen führen. Die Regelungen müssen praxistauglich sein“, so
Schmuckenschlager und fordert eine Anpassung der EU-Vorgaben sowie
die Aussetzung nicht praxistauglicher Dokumentationsanforderungen.

Zwtl.: Herkunftskennzeichnung konsequent weiterentwickeln

Die Herkunft von Lebensmitteln ist ein zentraler Baustein für
regionale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Die
Landwirtschaftskammer Niederösterreich fordert daher eine konsequente
Weiterentwicklung der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung entlang
aller Vermarktungswege sowie eine stärkere Nutzung des AMA-
Gütesiegels. Im Zuge der Evaluierung der Gemeinschaftsverpflegungs-
Verordnung 2026 müsse insbesondere deren praktische Umsetzbarkeit
überprüft und weiterentwickelt werden. Schmuckenschlager betont: „Die
Evaluierung muss eine echte Weiterentwicklung der
Herkunftskennzeichnung bringen und die Transparenz entlang der
gesamten Versorgungskette stärken.“

Nähere Infos zur „Zukunftsstrategie Marktfruchtbau in
Niederösterreich“ unter https://noe.lko.at/ackerbau-am-wendepunkt-
strategien-f%C3%BCr-eine-stabile-zukunft+2400+4414335