Wien (OTS) – Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler
hat am
Freitag die Porzellankünstlerin Ursula Klasmann, Mitarbeiterin der
Wiener Porzellanmanufaktur Augarten, an ihrer Wohnadresse in Wien mit
dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien in Würdigung ihrer
großen Leistungen ausgezeichnet. Die Verleihung erfolgte im Namen des
Bürgermeisters Michael Ludwig. Bei der Ehrung nahmen
Familienmitglieder und Freund*innen teil.
Schwarz-Weiß-Revolution am Porzellangeschirr
In ihrer Würdigung betonte Stadträtin Veronica Kaup-Hasler vor allem
die Entwürfe der Geehrten für das Wiener Traditionsunternehmen
„Porzellanmanufaktur Augarten“: „Ursula Klasmann ist zweifellos eine
der bedeutendsten österreichischen Porzellankünstlerinnen. Als
Designerin hat sie mit prägnanter geometrischer Ornamentik in Schwarz
-Weiß das Wiener Porzellandesign reformiert und die Prinzipien der
Wiener Werkstätte weitergedacht. Bis heute wirken die
Porzellandesigns von Ursula Klasmann durch die wohldurchdachte
unkomplizierte Schönheit der Formdetails. Ihre Kreationen im Feld des
Porzellandesigns genießen bis heute weltweit höchste Anerkennung und
prägten mehrere Jahrzehnte lang das Wiener Porzellandesign der
Stadt“, wie Stadträtin Kaup-Hasler betonte.
Dankesworte der Geehrten
Klasmann hob in ihrer Dankesrede mit den abschließenden Worten
hervor: „Es freut mich, dass es mir gelungen ist, das gradlinige
Design nach Wien zu bringen. Professor Haerdtl hat mich und mein
Schaffen geprägt und mein Bestreben unterstützt, das Material in
meinen Designarbeiten klar herauszuarbeiten. Dem Porzellan habe ich
mich verschrieben – ich freue mich über die Ehrung der Stadt Wien für
mein Lebenshandwerk.“
Zu Ursula Klasmann
Seit über 80 Jahren lebt und arbeitet Ursula Klasmann in Wien. Sie
wurde am 4. Dezember 1930 als Tochter einer deutsch-estnischen
Familie in Tallinn geboren. Nach der Annexion Estlands durch die
Sowjetunion 1940 flüchtete die Familie im darauf folgenden Jahr über
Berlin nach Wien. Klasmann wurde in Wien Teil der Rundfunkspielschar
und gestaltete Kinderstundensendungen. Während der Intensivierung der
Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg verbrachte sie im Rahmen der
Kinderlandverschickung einige Zeit in der Slowakei. Das Kriegsende
erlebte sie wieder in Wien.
Von 1950 bis 1955 studierte Klasmann an der Wiener
Kunstgewerbeschule (heute: Universität für angewandte Kunst) in der
Klasse für industrielle und gewerbliche Entwürfe beim Architekten
Oswald Haerdtl. Bereits für ihr Diplom wurde sie mit einem
Würdigungspreis ausgezeichnet. Seit 1955 war Klasmann mehrere
Jahrzehnte lang als Designerin maßgeblich für die Modernisierung der
Produktpalette des Wiener Traditionsunternehmens „Porzellanmanufaktur
Augarten“ verantwortlich.
Ihr 1960 auf der Triennale in Mailand präsentiertes großes
Speiseservice (Form 75) wurde 1965 auf der Handwerksmesse in München
preisgekrönt. Darüber hinaus wurden in ihrer bis 1985 währenden
künstlerischen Designtätigkeit weitere 19 Dekore und 19 verschiedene
Einzelformen in die Produktion der Porzellanmanufaktur Augarten
aufgenommen. Das Polnische Institut Wien zeigte 2021 ein von Klasmann
entworfenes Service in der Ausstellung „Menschen in der
Porzellanfabrik“. Die Porzellanmanufaktur Augarten widmete ihrer
langjährigen Designerin zum 90. Geburtstag eine Sonderausstellung im
hauseigenen Museum.