Wien (OTS) – Nach frischem Kaffee riecht es in der Julius-Meinl-Gasse
in Ottakring
häufig. Das ist kein Zufall, denn am historischen Firmenareal von
Julius Meinl wird seit mehr als 160 Jahren Kaffee geröstet. Mit dem
ersten wasserstoffbetriebenen Kaffeeröster Österreichs setzt Julius
Meinl Kaffee einen Meilenstein für nachhaltige Innovation in der
Kaffeeröstung. Die neue Anlage in Ottakring veredelt ab sofort
Rohkaffee mit 100 Prozent grünem Wasserstoff von Wien Energie.
Erzeugt wird dieser in Simmering, durch die eigene Elektrolyseanlage
von Wien Energie. Von Simmering nach Ottakring kommt der Wasserstoff
dann in Form von Gasflaschen.
„Wasserstoff aus Wien für den Wiener Kaffeegenuss! Die Stadt Wien
hat das große Potential von Wasserstoff als Energieträger bereits
früh erkannt: Seit 2024 erzeugt Wien Energie in Simmering 100 Prozent
grünen Wasserstoff aus regionaler Wind-, Sonnen-, und Wasserkraft.
Mit Österreichs erstem Wasserstoff-Kaffeeröster zeigt Julius Meinl
eindrucksvoll, wie saubere Energie und Wiener Kaffeekultur
zusammenpassen. Das ist ein Vorzeigebeispiel für die gesamte Genuss-
und Lebensmittelindustrie sowie ein starkes Signal für nachhaltige
Innovationen in unserer Stadt“ , so Omar Al-Rawi, Vorsitzender des
Ausschusses für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke.
Zwtl.: H2-Röstkunst in Wien
Die Kaffeeröstung zählt zu den energieintensivsten Schritten der
Kaffeeproduktion. Industrielle Röster verarbeiten pro Charge rund 400
Kilogramm Bohnen und stellen hohe Anforderungen an ihre Energiequelle
– wie etwa konstante Temperaturen. Bisher wird dafür Flüssiggas in
Wien und Erdgas in Italien eingesetzt, denn eine vollständige
Elektrifizierung ist aufgrund der technischen Anforderungen derzeit
nur schwer umsetzbar. Grüner Wasserstoff bietet hier eine lokal
produzierte, klimaneutrale und technologisch fortschrittliche
Alternative. „ Der Wasserstoff-Kaffeeröster ist für Julius Meinl ein
strategischer Baustein in der nachhaltigen Weiterentwicklung der
Kaffeeproduktion. Bereits heute zeigt die Technologie, dass sich
höchste Röstqualität mit fossilfreien und im Röstprozess CO₂-
neutralen Lösungen vereinen lässt. Dem Projekt gingen rund zehn Jahre
Forschungs- und Entwicklungsarbeit voraus, die wir geleistet haben“,
erklärt Thomas Meinl.
Bereits heute erreicht der Wasserstoff-Kaffeeröster dieselben
Röstergebnisse wie herkömmliche Anlagen und arbeitet dabei
vollständig CO₂-frei. Der Röster erzielt Temperaturen von ca. 200
Grad Celsius, verarbeitet pro Charge 12 Kilogramm Rohkaffee und
vermeidet pro Röstvorgang ca. 2 Kilogramm CO₂ im Vergleich zu einer
herkömmlichen Röstung bei Julius Meinl in Wien mittels Flüssiggases.
Für die Kaffeerösterei Wien von Julius Meinl bedeutet das in Zukunft
ein potenzielles CO₂ Einsparungspotential bis zu 300 Tonnen oder mehr
im Jahr.
„Als Wiener Familienunternehmen mit über 160 Jahren
Kaffeeexpertise ist es unser Anspruch, Kaffeetradition und Innovation
verantwortungsvoll zu verbinden und weiterzudenken. Mit dem
wasserstoffbetriebenen Kaffeeröster setzen wir einen wichtigen
Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft der
Kaffeeproduktion, ohne Kompromisse bei Qualität und Röstkunst“,
betont Christina Meinl, Familienmitglied in der 5. Generation.
Zwtl.: Wasserstoff in der Industrie
Was bei der Kaffeeröstung beginnt, kann auch in der weiteren
Genuss- und Lebensmittelindustrie, der Bauindustrie und darüber
hinaus zum Einsatz kommen. „Grüner Wasserstoff bietet eine flexible,
praktische und klimaneutrale Alternative zu fossilen Energiequellen.
Wien Energie zählt gemeinsam mit der ganzen Wiener Stadtwerke-Gruppe
zu den Vorreiterinnen und zeigt, wie vielfältig dieser saubere
Energieträger eingesetzt werden kann – von der Mobilität über
Industrie bis zu Energieerzeugung und -speicherung“ , erklärt Alma
Kahler, Geschäftsführerin von Wien Energie.
Auch auf den Straßen Wiens ist die Technologie bereits sichtbar:
Auf der Buslinie 39A sowie 2A und 3A fahren die ersten Busse der
Wiener Linien vollständig mit grünem Wasserstoff. Sie tanken – wie
auch viele andere Logistikunternehmen – bei den
Wasserstofftankstellen von Wien Energie in Simmering und Leopoldau,
100 Prozent grünen Wasserstoff aus der Wien Energie-
Elektrolyseanlage.
NEOS Energie- und Klimasprecher Stefan Gara: „Grüner Wasserstoff
ersetzt fossiles Flüssiggas – und macht industrielle Prozesse
klimafit, resilient und unabhängig von globalen Energiekrisen. Der
erste Wasserstoff-Kaffeeröster zeigt: Raus aus Gas ist auch in der
Produktion möglich, ohne Kompromisse bei Qualität oder Tradition.
Wien wird damit einmal mehr zum Vorreiter für eine nachhaltige,
innovative Energiezukunft gemeinsam mit der Wirtschaft.“
Auch auf Baustellen könnte Wasserstoff künftig für einen
emissionsärmeren Betrieb sorgen: Die Wiener Netze testen gemeinsam
mit PORR einen „CO2-neutralen Bautrupp“, darunter auch ein Bagger,
der mit Wasserstoff betrieben wird. Zusätzlich hat Wien Energie
bereits den Einsatz von Wasserstoff für einen klimafreundlichen
Kraftwerksbetrieb getestet: Das Unternehmen hat 2023 in einem
Pilotprojekt die Beimengung von 15 Prozent Wasserstoff zu Erdgas im
Kraftwerk Donaustadt getestet – mit einem Einsparungspotential von
jährlich rund 33.000 Tonnen CO2.
Eckdaten Wasserstoff-Kaffeeröster:
–
Leistungskapazität: 12 kg Rohkaffee pro Charge
–
Dauer Röstvorgang: ca. 20 Minuten
Bildmaterial : https://wienenergie.at/media-38