Kinder als Überlebende brauchen schnelle und professionelle Unterstützung

Wien (OTS) – Plötzlich ist alles anders: die Mutter tot, der Vater in
Haft. Ein
aktueller Frauenmord, bei dem ein 47jähriger seine Expartnerin und
Mutter von vier gemeinsamen Kindern getötet hat, beschäftigt die
Öffentlichkeit. Neben dem Entsetzen über die Brutalität des
Verbrechens und die Traurigkeit über den Tod der Frau, müssen die
vier Kinder jetzt schnelle und professionelle Hilfe erhalten.

Zwtl.: Krisenintervention und gute und stabile Entwicklung
ermöglichen

Kinder als Hinterbliebene solcher Tötungsdelikte verlieren ihre
meist wichtigste Bezugsperson und müssen mit der Tatsache leben
lernen, dass der andere Elternteil und somit auch eine wesentliche
Identifikationsfigur dieses Verbrechen begangen hat. „Die Kinder
erleben gleichzeitig Trauer, Scham, Angst, Hass und Verwirrung“, sagt
Hedwig Wölfl, Psychologin und Leiterin der möwe. Mit feinfühliger und
schneller Krisenintervention kann am ersten Schock gearbeitet und
wieder ein wenig Stabilität hergestellt werden. Danach geht es darum,
die widersprüchlichen Gefühle zu entwirren und wieder Grundvertrauen
aufzubauen.

Auch haben Kinder als Zeug*innen von Gewalt wie auch als
Hinterbliebene das Recht auf Prozessbegleitung, um ihre Opferrechte
und Schmerzensgeldansprüche geltend machen zu können.

Zwtl.: Trauer von Kindern in eigenem Schock nicht übersehen

Dazu kommt, dass zumeist auch das unmittelbare familiäre Umfeld
des Kindes unter Schock steht und es in der eigenen Trauer nicht
immer gut gelingt, die Bedürfnisse des Kindes im Blick zu haben. Mit
psychologischem Rückhalt und Beistand für die Familie können gute
Bedingungen geschaffen werden, in denen die Kinder mit dem Verlust
und allen damit in Zusammenhang stehenden Gefühlen umzugehen lernt.
Auch Unterbringungen in Krisenzentren oder in einer
Krisenpflegefamilie – wenn keine Familie vorhanden ist – sind für
Kinder schwer zu begreifen und zu verkraften. Sie fühlen sich in der
unvertrauten Umgebung „aus ihrer Welt gerissen“ und können sich unter
Umständen nur schwer jemandem anvertrauen. Auch hier kann die
Begleitung, zumindest der Helfenden oder der verbleibenden
Familienmitglieder durch eine Kinderschutzeinrichtung hilfreich sein.

„Aus Sicht des Kinderschutzes ist wichtig, dass Kinder als
Hinterbliebene mit ihren Bedürfnissen weder vergessen werden, noch
medial vorgeführt und zusätzlich belastet werden“ fordert Hedwig
Wölfl. Zur Vermeidung solcher Verbrechen ist umfassende
Gewaltprävention ab dem Kindergartenalter ein wesentlicher und vor
allem der wirksamste Ansatz. Sowohl Kinder und Jugendliche selbst,
als auch betroffene und verantwortliche Erwachsene, insbesondere
Pädagog*innen brauchen Wissen, an wen man sich bei häuslicher Gewalt
wenden kann.

Zwtl.: Hilfe für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche

die möwe Kinderschutz: www.die-moewe.at

Kinderschutzzentren in Österreich: www.kinderschuetzen.at

Rat auf Draht: www.rataufdraht.at