Wien (OTS) – Es ist einer der spektakulärsten archäologischen
Entdeckungen der
europäischen Urgeschichte: das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg
in Sachsen-Anhalt. Viele Fragen rund um den Fund sind lange Zeit
unbeantwortet geblieben. Doch heute ist klar: Die 9.000 Jahre alten
Überreste bergen eine wissenschaftliche Sensation. Die neue
„Universum History“-Dokumentation „Cold Case Steinzeit – Das Rätsel
der Schamanin“ von Christian Stiefenhofer begibt sich am Freitag, dem
10. April 2026, um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON auf Spurensuche.
Sie liefert nicht nur neue Erkenntnisse über das Leben im
Mesolithikum, sondern erweckt mithilfe modernster Technik die Frau
aus der Steinzeit visuell zum Leben. Außerdem beschäftigt sich die
Dokumentation mit einer hochaktuellen Forschungsthematik: Wie lange
haben tradierte Interpretationen der Forschung Bestand, bevor sie
sich als Irrtum oder sogar als bewusste Falschinformation entpuppen?
Kaum ein Fund eignet sich dafür als Beispiel so gut wie das Grab
der Schamanin von Dürrenberg. Das in der Zeit des Nationalsozialismus
entdeckte Grab wurde als Ruhestätte eines „arischen“ Mannes gedeutet
und ideologisch aufgeladen. Moderne Analysen zeichnen jedoch ein
völlig anderes Bild: Die bestattete Person war eine dunkelhäutige
Frau – eine hochgeachtete Jägerin und Sammlerin. Die vermeintlichen
Belege für einen heroischen „Ur-Arier“ entpuppen sich als reine
Projektion eines rassistischen Gedankenguts, die seinerzeit zu
Propagandazwecken genutzt wurde.
Die Ausstattung des Grabes ist für die Periode der
Mittelsteinzeit außergewöhnlich: mehr als 50 durchbohrte Tierzähne,
aufwendig gearbeitete Feuersteinklingen und Steinwerkzeuge. Eine
Nachgrabung im Jahr 2023 zeigt zudem, dass die Grabstätte noch viele
Jahrhunderte lang mit Opfergaben ausgestattet wurde – ein starkes
Indiz für die herausragende Stellung der Steinzeitfrau. Medizinische
Befunde wie abgefeilte Schneidezähne und eine ungewöhnliche
Wirbelfehlstellung legen nahe, dass sie als Schamanin eine
spirituelle Leitfigur ihrer Gemeinschaft war. Die ihr zugeschriebene
Fähigkeit, tranceartige Zustände herbeizuführen, könnte ihre
außergewöhnliche Bedeutung zusätzlich erklärt haben.
Die Dokumentation begleitet das interdisziplinäre Forschungsteam
bei seiner Spurensuche. Mit den modernsten Verfahren aus Archäologie,
Archäogenetik und Medizin gelingt es erstmals, ein umfassendes Bild
dieser Frau zu zeichnen – inklusive einer hochauflösenden 3-D-
Gesichtsrekonstruktion. Auf Basis der „Unreal Engine“, bekannt aus
der Computerspielindustrie, und der „MetaHuman“-Technologie entsteht
ein naturgetreuer Avatar der Schamanin, der in einer digital
nachgebildeten Welt der Mittelsteinzeit agiert.