Wien (PK) – Der ehemalige Nationalratspräsident Andreas Khol
gestaltete mehr als
zwei Jahrzehnte die Politik in Österreich mit. Gestern Abend wurde
dazu im Parlament das Buch „Andreas Khol – Ein politisches Leben“ von
dessen Autor Martin Kolozs vorgestellt. „In den Augen der
Öffentlichkeit war Dr. Andreas Khol ein Staatsmann, ein
Führungspolitiker und eine Stimme der Prinzipien“ heißt es darin im
ersten Satz eines Vorworts „der Enkelkinder“. In einem Gespräch mit
Kurier-Herausgeberin Martina Salomon ließ Andreas Khol seine Zeit der
politischen Gestaltung gestern Abend Revue passieren.
Andreas Khol war ab 1983 jahrzehntelang Abgeordneter und von 2002
bis 2006 Nationalratspräsident, hob Nationalratspräsident Walter
Rosenkranz in seiner Begrüßung hervor. Den Wandel zum
Nationalratspräsidenten habe Khol weg vom brillanten, scharfzüngig
argumentierenden Klubobmann vollzogen. Rosenkranz ging auf die
Aufgaben eines Nationalratspräsidenten oder einer
Nationalratspräsidentin ein und sprach unter anderem von Zurücknahme,
ohne sich vereinnahmen zu lassen. Diese Verantwortung habe Khol
getragen. Was von Khols Präsidentschaft bleibe, sei vor allem die
Initialzündung, das Hohe Haus zu einem offenen Haus zu machen, so
Rosenkranz – etwa mit der damaligen Erneuerung des Eingangs- und
Besucherbereichs. Das präsentierte Buch lade dazu ein, hinter
Oberflächen zu blicken und Zusammenhänge zu verstehen.
Peter Haubner, Zweiter Präsident des Nationalrats, blickte in
seinem Statement auf sein erstes Seminar als Schulsprecher in der
politischen Akademie vor 50 Jahren zurück, wo Khol Direktor gewesen
ist. Schon damals sei Khol klar strukturiert und eine Autorität –
aber ohne Lautstärke – gewesen, so Haubner. Kohl habe ihn geprägt und
sei ein Impulsgeber für ihn gewesen. Die Wertschätzung für Kohl sei
durch dessen eigene Leistungen entstanden, hob Haubner hervor.
Khol: „Kutscher“ für damalige schwarz-blaue Koalition
Autor Martin Kolozs erzählte, wie es zustande kam, dass er das
Buch schreiben konnte. Andreas Khol habe ihm schließlich in sieben
Monaten Einblicke in sein Leben und in die Zusammenhänge gegeben.
Kolozs zufolge war Khol ein Politiker, wie es sie heute selten oder
gar nicht mehr gebe: mit starken gewachsenen Überzeugungen und
aufrechtem Respekt für Andersdenkende, mit Interesse an einem
Vorankommen der Gesellschaft.
Andreas Khol selbst erörterte im Gespräch mit Martina Salomon, er
bezeichne sich als wertkonservativer Christdemokrat. Als Politiker
handle er zwar aus christlicher Verantwortung, sei aber kein
„christlicher Politiker“, sondern ein überzeugter Pluralist, was
Religionen betrifft und stehe für die Trennung von Kirche und Staat.
Mit Religion Politik zu machen, entspreche nicht dem
Bewusstseinszustand einer liberalen Demokratie, so Khol.
Auf die damalige schwarz-blaue Koalition angesprochen, würde er
sich eher als „Kutscher“ denn als „Stratege“ der Wende bezeichnen, so
Khol. Der „Architekt“ der Wende sei Wolfgang Schüssel gewesen. Man
könne nicht auf Dauer Mitte-links-Regierungen zusammenstellen, wenn
es jahrzehntelang Mitte-rechts-Mehrheiten gibt, zeigte sich Khol
überzeugt. Die heutige FPÖ sei allerdings eine andere freiheitliche
Partei als jene von Jörg Haider im Jahr 1999, so Khol. Die heutigen
Freiheitlichen würden an Säulen wie an der Verfassung oder am
Beitritt zur Europäischen Union rütteln.
Der EU-Beitritt sei der eigentliche Grund gewesen, warum er in
die Politik gegangen sei, hielt Khol fest. Als einen der beiden
größten Erfolge aus der damaligen Zeit sehe er daher – neben der
Streitbeilegung, Landesautonomie und Internationalisierung für
Südtirol – eben den EU-Beitritt. Fehler habe er unter anderem mit
einem „Wohlfühlwahlkampf“ 2006 gemacht. Eine Niederlage sei auch
gewesen, später als „Verlegenheitskandidat“ für die
Bundespräsidentschaftswahl zu kandidieren.
Einblicke gab Khol auch in seine Tätigkeit als Klubobmann, die
ihm etwa durch sein Vorgehen mit „Redezeit als Belohnung“ oder
„Nichtredezeit als Strafe“ das „böse Wort des Zuchtmeisters“
eingebracht habe. Er habe dem Klub aber in kürzester Zeit
„Kampfgeist“ gegeben. Auf seine Familie angesprochen, hob er etwa
eine seiner Enkelinnen für das Vorwort im Buch hervor. Als Vater habe
man eine ganz andere Rolle als etwa als Klubobmann, hielt er fest.
Gestritten werde zwar auch privat, „wenn auch nicht so heftig wie im
Nationalrat“. Seine private Leidenschaft sei Gärtnern, so Khol. Er
beschrieb seinen Garten, in dem jedenfalls „nichts Inszenierung“ sei.
(Schluss) mbu
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
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