Faktencheck statt politischer Warteschleife: Das Potenzial der Photovoltaik- und Speicherbranche in der aktuellen Öl- und Gaskrise

Wien (OTS) – Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen
Osten haben
Österreichs Energiemarkt fest im Griff. Der Bundesverband
Photovoltaic Austria (PV Austria) und der Energieexperte Christoph
Dolna-Gruber (Österreichische Energie Agentur) stellen klar: Öl- und
Gaskrisen sind keine einmaligen Ereignisse, sondern systemisch. Auch
kleine Länder wie Österreich haben zahlreiche Hebel in der Hand, um
hier vorzusorgen. Allen voran: Schaffung verlässlicher
Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien wie der
Photovoltaik (PV).

Erneut bestimmt das geopolitische Geschehen die Energieversorgung
in Österreich. PV Austria verweist einmal mehr auf die Gefahr
fehlender gesetzlicher Rahmenbedingungen und richtungsweisender
Maßnahmen im Energiebereich, die sich nun im Hinblick auf die
aktuelle Öl- und Gaskrise täglich verschärft.

„Photovoltaik und Stromspeicher bieten der breiten Bevölkerung
die Möglichkeit, sich an der Energiewende direkt zu beteiligen. PV
Austria und seine über 450 Mitglieder stehen bereit, um die nächste
Phase hin zu Österreichs Energieunabhängigkeit mitzugestalten. Dafür
brauchen sowohl die Branche als auch die Bevölkerung Klarheit, wie
die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die kommenden Jahrzehnte
aussehen werden“ , erklärt Vera Immitzer , Geschäftsführerin von PV
Austria.

Was es jetzt aus Sicht von PV Austria braucht:

– ElWG mit Leben füllen – rasche Umsetzung der notwendigen
Begleitverordnungen der E-Control, damit die neuen Möglichkeiten des
ElWG schnell und umfassend genutzt werden können.

– Umgehender Beschluss des EABG – Abbau bürokratischer Hürden bei PV-
Anlagen und Batteriespeichersystemen sowie Vereinheitlichung der
Genehmigungsvorschriften in ganz Österreich.

– Speicheroffensive starten – mit klarem Ausbaupfad, gezielten
Anreizen und Abbau regulatorischer Hürden, um Photovoltaik und
Stromspeicherung optimal miteinander zu verzahnen.

Kontinuität beim PV-Ausbau entscheidend

Trotz unsicherer Rahmenbedingungen schreitet der PV-Ausbau voran:
So wurden im vergangen Jahr österreichweit 62.300 neue PV-Anlagen in
Betrieb genommen, was einer zusätzlichen Gesamtleistung von 1,6
Gigawatt entspricht. Nach den Rekordausbaujahren bedeutet dies jedoch
einen Rückgang von 22 Prozent im Vergleich zu 2024. Insgesamt werden
jährlich rund 9,8 Terrawattstunden (TWh) Strom von PV-Anlagen erzeugt
– das entspricht 15 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs.

Die Zubauziele von 21 TWh bis 2030 und 41 TWh bis 2040 gemäß
Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) sind ambitioniert, aber eindeutig
erreichbar – vorausgesetzt, die notwendigen Rahmenbedingungen werden
jetzt konsequent geschaffen. Die intelligente Kombination aus PV und
Stromspeicherung ermöglicht eine unabhängige und kostengünstigere
Stromversorgung, stärkt die unmittelbare Bürgerbeteiligung und führt
zu direkten Entlastungen bei den Stromkosten. Durch die zunehmende
Elektrifizierung trägt sie zudem zur Entlastung der Stromnetze bei.
Entscheidend ist, Stromverbrauch und -erzeugung besser aufeinander
abzustimmen: „In einer Welt volatiler Erzeugung ist die
Kilowattstunde allein nicht mehr die entscheidende Größe. Der wahre
Wert liegt darin, Energie genau dann bereitstellen zu können, wenn
das System sie braucht. Die Kombination aus PV-Anlage und
Stromspeicher ist unschlagbar“ , schlussfolgert Immitzer . „
Photovoltaik leistet seit 30 Jahren ihren Beitrag zur
Versorgungsicherheit in Österreich. Um dies auch weiterhin erfüllen
zu können, braucht es jetzt angepasste Rahmenbedingungen. Die PV-
Branche ist bereit dieses Kapitel im Schulterschluss mit der Politik
zu begehen. “

Keine unabhängige Energieversorgung ohne PV- und Speicherausbau

Die Österreichische Energieagentur stuft die Bedeutung von PV und
Stromspeicherung als unverzichtbar für eine umgehende Reduktion
ausländischer Abhängigkeiten ein. „ Öl, Kohle, Gas – Wir haben uns in
der Vergangenheit angewöhnt, unsere Energieversorgung an andere
Länder auszulagern. Wir haben damit auch die Kontrolle abgegeben, das
bekommen wir aktuell wieder zu spüren “ , fasst Christoph Dolna-
Gruber von der Österreichischen Energieagentur die aktuelle Situation
zusammen.

Die wirtschaftliche Komponente der PV und Stromspeicherung in der
Energieversorgung ist weitreichend:

– Ist eine PV-Anlage erst mal installiert, stellt sie die Versorgung
über Jahrzehnte sicher.

– Photovoltaik wirkt wie ein direkter Dämpfer auf den Strompreis am
Großhandelsmarkt.

Jetzt geht es um das nächste Level – eine Systemperspektive und
die Verschränkung von Stromproduktion mit Stromspeicherung, Wärme und
Mobilität . „ Wenn man es einfach sagen möchte: Wer ein Elektroauto
hat, ist unabhängig von den Treibstoffpreisen. Wer ein Elektroauto
und eine PV-Anlage hat, dem gehen zu einem großen Teil auch
Strompreisentwicklungen nicht nahe “ , so Dolna-Gruber .

Flexibilität als Systemstandard

An PV und Stromspeichern als integrierte Systemlösung führt kein
Weg vorbei: „ Photovoltaik ist ausschlaggebend für Unabhängigkeit bei
Strom, Wärme und Mobilität. Dazu brauchen wir jetzt eine echte
Speicheroffensive, die PV die notwendige Flexibilität für das
Energiesystem verleiht und gleichzeitig die Effizienz des Stromnetzes
deutlich steigert “ , so Christoph Mair , seit Februar
Vorstandsmitglied von PV Austria und Bereichsleiter MEA Solar bei eww
Anlagentechnik GmbH. Österreich braucht eine Strommarkt- und
Netzlogik, die flexible Erzeugung und Nutzung belohnt. Neben der
direkten Nutzung und Speicherung von PV-Strom an Ort und Stelle geht
es auch darum, Strom gezielt einzuspeisen und entnehmen zu können,
wenn das Stromnetz dies erfordert. Dafür müssen entsprechend flexible
Strom- und Netztarife angeboten werden.

Genau hier setzen moderne Stromspeicher als zentraler Baustein
an: „Neun von zehn neuen PV-Anlagen werden mittlerweile mit einem
Stromspeicher gebaut“ , berichtet Mair . Speicher wirken auf allen
Einsatzebenen und machen den zuvor beschriebenen Systemansatz
greifbar.

– In Einfamilienhäusern ermöglichen moderne Batteriespeicher bereits
heute Eigenverbrauchs- und Autarkiequoten von 60–80 Prozent.

– Bei Betrieben sind vor allem die reduzierten Netzgebühren – auch in
Zusammenhang mit E-Mobilität – ein Hauptgrund für die Investition in
einen Stromspeicher.

– Die Umsetzungszeiten haben sich drastisch verkürzt: Kleine PV-
Speichersysteme sind innerhalb von sechs Wochen umgesetzt; größere
innerhalb von 15 Wochen.

Krisenvorsorge durch verlässliche Rahmenbedingungen

Für Österreich geht es jetzt darum, die Kontrolle über die eigene
Energieversorgung zurückzuholen – im Großen wie im Kleinen. Die
Branche steht an einem Wendepunkt. Mit den entsprechenden
Rahmenbedingungen können Photovoltaik und Stromspeicher zum Garanten
für Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Preisstabilität
werden.

Zuvor müssen jedoch die wesentlichen Herausforderungen für den
aktuellen PV-Ausbau beseitigt werden. Laut der aktuellen Mitglieder-
Jahresbefragung von PV Austria sind dies insbesondere die noch
anhaltende Investitionszurückhaltung, sinkender politischer Rückhalt
und die angespannte Preissituation.

Die Branche hat die Systemlösungen parat. Nun liegt es an der
Politik, rasch die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen, damit
künftige Öl- und Gaskrisen Österreich nicht mehr so hart treffen wie
bisher.

Weitere Grafiken zum PV- und Batteriespeicherausbau in Österreich
und den Bundesländern finden Sie unter www.pvaustria.at/daten-fakten/
#Grafiken .

Portraitfotos sowie weitere Fotos zum Pressegespräch finden Sie
unter www.pvaustria.at/presse/personen .