Wien (OTS) – „Menschen mit Behinderungen verdienen im Schnitt
weniger, sind
häufiger arbeitslos und stärker von Armut betroffen. Gerade deshalb
darf es beim Ausgleichstaxfonds keine Kürzungen geben“, betont
Patrick Berger, Leiter des Chancen Nutzen Büros im ÖGB, im Anschluss
an die heutige Pressekonferenz zum Ausgleichstaxfonds.
Der Ausgleichstaxfonds ist ein wichtiges Instrument, um Menschen
mit Behinderungen durch Unterstützungsangebote den Zugang zum
Arbeitsmarkt zu erleichtern. Gespeist wird der Fonds aus Beiträgen
von Unternehmen, die ihre gesetzliche Pflicht zur Beschäftigung von
Menschen mit Behinderungen nicht erfüllen.
Da die benötigten Gelder die Einnahmen übersteigen, stellt die
Bundesregierung zusätzliche Mittel zur Verfügung. Diese sind aber nur
bis 2026 gesichert. Deshalb stellt sich Berger hinter das Anliegen
des Österreichischen Behindertenrats: „Wir unterstützen die Forderung
des Österreichischen Behindertenrats nach einer langfristigen und
nachhaltigen Absicherung des Fonds.“
76,11 Prozent der Betriebe erfüllen Quote nicht
In Österreich sind insgesamt 22.434 Betriebe
beschäftigungspflichtig. Davon erfüllen 76,11 Prozent die
Pflichtquote nicht. „Die Zahlen zeigen klar: die meisten Unternehmen
zahlen lieber die Ausgleichstaxe, als Menschen mit Behinderungen
einzustellen“, sagt Berger.
Ausgleichstaxe deutlich erhöhen
Aktuell beträgt die Ausgleichstaxe nur etwa ein Achtel bis ein
Zehntel der tatsächlichen Kosten für die Beschäftigung einer
begünstigt behinderten Person. „So gibt es für Unternehmen kaum einen
finanziellen Anreiz, ihrer Beschäftigungspflicht nachzukommen. Wenn
wir die strukturelle Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen
am Arbeitsmarkt ernsthaft bekämpfen wollen, dann muss die
Ausgleichstaxe auf ein betriebswirtschaftlich relevantes Niveau
angehoben werden“, fordert Berger.
Unternehmen tragen gesellschaftliche Verantwortung
Neben der gesetzlichen Verpflichtung sieht der ÖGB auch eine
klare moralische Verantwortung der Arbeitgeber. „Unternehmen können
aktiv zur Chancengleichheit beitragen. Wer Arbeitsplätze für Menschen
mit Behinderungen schafft, stärkt nicht nur die Betroffenen, sondern
trägt auch zu mehr Chancengleichheit und sozialer Inklusion bei“, so
Berger.