EU-Programm „Safe Hearts“ will bis 2030 ein Drittel Todesfälle vermeiden – Aufforderung an Österreich

Wien (OTS) – Ein Drittel weniger Todesfälle durch Herz- und
Kreislauferkrankungen
bis 2030 – dieses ambitionierte Ziel formuliert die Europäische Union
mit dem „Safe Hearts Plan“. Doch ein europäischer Rahmen allein
verändert noch keine Versorgungsrealität. Beim Danish Health Circle
in Wien diskutierten rund 50 Expertinnen und Experten aus Politik,
Wissenschaft, Versorgung und Industrie, wie Österreich den Impuls
konkret nutzen kann – und wo strukturelle Hürden bestehen.

Herz- und Kreislauferkrankungen sind nach wie vor die häufigste
Todesursache in Europa. Mit dem im Dezember 2025 veröffentlichten
„Safe Hearts Plan“ setzt die EU auf eine Reduktion der Mortalität um
ein Drittel bis 2030. Der Plan adressiert insbesondere Prävention,
verbesserte Datengrundlagen sowie eine stärker integrierte
Versorgung.

Zwtl.: Europäischer Impuls als Anstoß für nationale Umsetzung

Auf Einladung der Botschaft des Königreichs Dänemark diskutierten
am 12. Februar 2026 Vertreterinnen und Vertreter des österreichischen
Gesundheitssystems über die Umsetzungsperspektiven. Botschafter
Christian Grønbech-Jensen betonte in seiner Eröffnung die zunehmende
Relevanz europäischer Zusammenarbeit bei länderübergreifenden
Krankheitsbildern, die eine gemeinsame Herausforderung darstellen.

Moderator Gerald Groß leitete die Debatte mit der Frage ein, wie
Österreich den europäischen Impuls strategisch nutzen könne. SC Dr.in
Katharina Reich, Sektionsleitung für Öffentliche Gesundheit, ordnete
den EU-Rahmen als wichtigen Referenzpunkt für Vergleichbarkeit und
Lernprozesse ein, unterstrich jedoch die Notwendigkeit, nationale
Besonderheiten – insbesondere in Finanzierung und Governance –
mitzudenken.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Österreich in einzelnen
Bereichen widersprüchliche Signale setzt. Während Prävention
rhetorisch hohe Priorität genießt, bleiben ungesunde Produkte
weiterhin leicht zugänglich. Europäische Strategien entfalten nur
dann Wirkung, wenn sie konsequent in nationale Strukturen übersetzt
werden – einschließlich klarer Finanzierungslogik.

Zwtl.: Daten, Prävention und Frauengesundheit als zentrale Hebel

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Daniel Scherr , Präsident der
Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft und Mitautor des „Safe
Hearts Plan“, konkretisierte die wichtigsten Hebel. Erstens eine
bessere Erhebung und Nutzung von Zahlen und Daten. Zweitens eine
deutlich stärkere und besser gebündelte Präventionslogik, statt
ausschließlich Akutmedizin zu optimieren. Drittens mehr Fokus auf
Frauengesundheit, weil Symptome und Versorgungsrealitäten bei
Herzereignissen nicht für alle gleich sind und bisher teils zu wenig
Beachtung finden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Herwig Ostermann , Geschäftsführer der
Gesundheit Österreich GmbH, verwies auf bestehende Datenlücken,
insbesondere im Bereich der Primärprävention und der Transparenz von
Patientenpfaden. Ohne valide und verknüpfte Daten lasse sich
Versorgungssteuerung nur eingeschränkt optimieren.

Zudem wurde betont, dass Lebensstilfaktoren eng mit
sozioökonomischen Rahmenbedingungen verknüpft sind. Prävention darf
daher nicht ausschließlich als individuelle Verantwortung verstanden
werden, sondern erfordert strukturelle Maßnahmen.

Zwtl.: Multimorbidität als Realität

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Harald Sourij , Präsident der
Österreichischen Diabetes Gesellschaft, lenkte den Fokus auf die
kardiometabolische Dimension und bezeichnete
Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes und Adipositas, als zentrale
Treiber von Multimorbidität. Ein Großteil der Patientinnen und
Patienten leide an mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig –
Versorgung dürfe daher nicht in Einzeldiagnosen organisiert werden,
sondern müssen in einem holistischen Ansatz, der nicht nur Diabetes,
sondern auch kardiovaskuläre und weitere Komorbiditäten integriert,
behandelt werden.

In der Diskussion wurde auch hinterfragt, ob neue
Strategiepapiere notwendig sind oder ob bestehende Konzepte
geringfügig modifiziert und konsequenter umgesetzt werden müssten –
von Risikowissen und Früherkennung über Präventionsprogramme in
Schulen bis hin zu klar definierten Versorgungspfaden. Wichtiger
Bestandteil für das Gelingen einer nationalen Vorgehensweise sei auch
eine kardiometabolische Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte, wie
Sourij betonte.

Zwtl.: Finanzierung und Governance als Schlüssel

NR Abg. Mag. Christoph Pramhofer, Sprecher der NEOS für
Gesundheit im Parlament, brachte die systemische Perspektive ein und
verwies darauf, dass Österreich international eine starke tertiäre
Versorgung aufweise – jedoch auf der kostenintensivsten Ebene.
Prävention müsse strukturell gestärkt und finanziell neu priorisiert
werden.

Mehrfach wurde betont, dass große Effekte nicht durch
Einzelmaßnahmen entstehen. Prävention beginne früh und müsse entlang
der gesamten Versorgungskette gedacht werden – inklusive des
Managements chronischer Erkrankungen. Wie Dr.in Reich hervorhob: Auch
bei bestehenden chronischen Erkrankungen sei Stabilisierung und
Verlangsamung des Krankheitsverlaufs möglich und relevant.

Zwtl.: Ein österreichisches Maßnahmenpaket für kardiovaskuläre
Erkrankungen

Ein weiterer Diskussionspunkt war die geringe Teilnahme an der
Vorsorgeuntersuchung. Neben Gesundheitskompetenz und
niederschwelliger Orientierung spielen sozioökonomische Faktoren eine
zentrale Rolle bei der Inanspruchnahme.

Auf die Frage nach einer sofort umsetzbaren Maßnahme rückten
Finanzierung und Governance in den Mittelpunkt. Eine stärker
gebündelte Finanzierungsverantwortung wurde als möglicher Hebel
identifiziert. Gleichzeitig wurden strukturelle
Lebensstilinterventionen, evidenzbasierte Programme für chronisch
Kranke sowie gezielte Steuerungsinstrumente diskutiert.

Der Danish Health Circle zeigte klar: Der EU „Safe Hearts Plan“
bietet Orientierung und Benchmarking, seine Wirksamkeit in Österreich
hängt jedoch maßgeblich von Umsetzungskapazität, Datengrundlage,
Finanzierungsstruktur und integrierter Versorgung ab.

Multimorbidität ist in Österreich eine wichtige Realität.
Prävention muss daher entlang der gesamten Versorgungskette verankert
werden – von Kindergarten, Schule und Umfeld über Primär- und
Sekundärversorgung bis zur spezialisierten Behandlung. “ Rund 80
Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen wären durch entsprechende
Prävention vermeidbar. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf, der
nur gemeinsam gelöst werden kann. ”, so Dr. Aleksandar Ciric ,
Geschäftsführer Novo Nordisk Österreich.

Entscheidend wird sein, Prävention nicht nur als individuelles
Verhaltensthema, sondern als systemische Aufgabe mit klarer
Governance und nachhaltiger Finanzierung zu verstehen.