Linz (OTS) – Neue Auswertungen aus dem Arbeitsklima Index der
Arbeiterkammer
Oberösterreich zeichnen ein differenziertes Bild der Bildungs- und
Weiterbildungssituation in Österreich. Die Ergebnisse zeigen
deutlich: Bildung und insbesondere Weiterbildung spielen im
Erwerbsleben eine zentrale Rolle. Die Zufriedenheit mit den
Weiterbildungsmöglichkeiten hängt stark mit der allgemeinen
Berufszufriedenheit zusammen. Gleichzeitig bestehen sowohl beim
Zugang zu Weiterbildung als auch bei deren Finanzierung klare
Unterschiede zwischen Branchen, Qualifikationsgruppen sowie Vollzeit-
und Teilzeitbeschäftigten.
Die Bildungsstruktur der österreichischen Bevölkerung ist vielfältig
und spiegelt die unterschiedlichen Bildungswege wider, die
Beschäftigte im Laufe ihrer Erwerbskarrieren einschlagen. Für 20
Prozent der Beschäftigten endet die formale Ausbildung mit der
Pflichtschule. Ein Drittel entscheidet sich für den Abschluss einer
Lehre, die damit nach wie vor die beliebteste Ausbildungsform in
Österreich ist. Zwölf Prozent verfügen über einen Abschluss einer
berufsbildenden mittleren Schule, 17 Prozent über einen
Maturaabschluss. Weitere 18 Prozent haben einen Abschluss an einer
Universität oder Fachhochschule.
Deutliche Unterschiede zeigen sich im Vergleich nach Geschlecht. 40
Prozent der Männer haben einen Lehrabschluss, bei den Frauen sind es
nur 24 Prozent. Frauen verfügen hingegen häufiger über einen
Pflichtschulabschluss, haben aber gleichzeitig auch öfter einen
Hochschulabschluss. Sie sind damit sowohl am unteren als auch am
oberen Ende der Bildungsskala stärker vertreten.
Weiterbildung steigert die Berufszufriedenheit
Mehr als die Hälfte der Beschäftigten, konkret 56 Prozent, sind mit
ihren Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden. Diese Zufriedenheit
wirkt sich deutlich auf die allgemeine Berufszufriedenheit aus. 89
Prozent jener Beschäftigten, die mit ihren
Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden sind, geben an, auch mit ihrer
beruflichen Tätigkeit zufrieden zu sein. Bei Beschäftigten, die mit
ihren Möglichkeiten zur Weiterbildung eher nicht zufrieden sind,
fällt mit 57 Prozent die Berufszufriedenheit deutlich geringer aus.
„ Aus- und Weiterbildung ist ein wesentlicher Faktor für die
Arbeitszufriedenheit. Sie nützen den Beschäftigten, weil sie Chancen
eröffnen und die Zufriedenheit steigern “, sagt AK-Präsident Andreas
Stangl.
Auch der Blick in die Zukunft hängt eng mit Qualifikation und
Weiterbildung zusammen. Drei Viertel der Beschäftigten sind der
Meinung, dass ihre jetzige Ausbildung ausreicht, um die Anforderungen
ihres Berufs auch in fünf Jahren noch bewältigen zu können. Weniger
zuversichtlich sind insbesondere Beschäftigte im Tourismus, von denen
nur 64 Prozent diese Einschätzung teilen. Auch Personen mit maximal
Pflichtschulabschluss (58 Prozent) sowie Hilfsarbeiter:innen (57
Prozent) sehen ihre berufliche Zukunft kritischer.
Die Frage, ob die eigene Qualifikation zum aktuellen Beruf passt,
wird von den Beschäftigten unterschiedlich beantwortet. 15 Prozent
schätzen ihre Qualifikation als zu hoch ein. Bei
Hochschulabsolvent:innen ist dieser Anteil mit 25 Prozent besonders
hoch. Umgekehrt empfinden 12 Prozent ihre Qualifikation als zu
gering. Besonders betroffen sind hier junge Beschäftigte zwischen 16
und 25 Jahren (20 Prozent) sowie Personen mit maximal
Pflichtschulabschluss (22 Prozent). Die Mehrheit der Beschäftigten,
nämlich 73 Prozent, ist jedoch der Auffassung, für ihren Beruf genau
richtig qualifiziert zu sein. Besonders hoch ist dieser Anteil bei
Personen mit Lehrabschluss (77 Prozent), bei Facharbeiter:innen (79
Prozent) sowie bei Arbeiter:innen und Angestellten im Bauwesen (81
Prozent).
Bildung hört auch nach der Schule nicht auf
Weiterbildung gewinnt im Lebensverlauf an Bedeutung. Rund ein Zehntel
der Beschäftigten unterbricht ihr Berufsleben, um eine Ausbildung
oder ein Studium zu absolvieren. Im Zeitverlauf ist hier ein
deutlicher Anstieg erkennbar: Im Jahr 2010 lag dieser Anteil noch bei
fünf Prozent.
Ein Blick auf die tatsächliche Teilnahme an Weiterbildung zeigt, dass
42 Prozent der Beschäftigten in jüngster Vergangenheit Kurse,
Seminare oder Schulungen zur beruflichen Weiterbildung besucht haben.
Auffällig ist jedoch, dass die Teilnahme mit zunehmendem Alter und
niedrigerer formaler Bildung deutlich abnimmt.
Für 45 Prozent der Beschäftigten, die länger keine Weiterbildung
besucht haben, ist eine Fortbildung überhaupt nur dann vorstellbar,
wenn die Kosten dafür vom Betrieb übernommen werden.
Forderungen der Arbeiterkammer
– Kostenlose Angebote für das Nachholen von Bildungsabschlüssen im
zweiten Bildungsweg
– Bundesweite Anerkennung beruflich erworbener Fähigkeiten für den
Erwerb des Lehrabschlusses
– Rechtsanspruch auf ein existenzsicherndes Qualifizierungsgeld für
berufliche Neu- und Umorientierung
– Für Oberösterreich fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich die
Rücknahme der Kürzungen beim Bildungskonto und den Ausbau von
Bildungsförderungen
Eine ausführliche Presseunterlage finden Sie zum Download hier .