24-Stunden-Betreuung: Schluss mit der Scheinheiligkeit!

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Am Freitag dieser Woche, den 20. Februar 2026, wird sich die
Pflegentwicklungskommission dem Thema 24-Stunden-Betreuung widmen.
Dem Gremium gehören Bund, Länder und Gemeinden an. „Es ist höchst an
der Zeit, dass die Politik sich ernsthaft mit der 24-Stunden-
Betreuung auseinandersetzt. Man hat viel zu lange weggeschaut“,
kritisiert Elisabeth Anselm , Geschäftsführerin des Hilfswerk
Österreich . „ Offenbar ist die 24-Stunden-Betreuung eine heiße
Kartoffel für die Politik: Wir wissen, dass wir sie brauchen, aber
keiner will sie angreifen “, so Anselm. „ Diese Scheinheiligkeit muss
endlich aufhören. Wir können die Betroffenen und ihre Familien, aber
auch die Betreuerinnen und Betreuer, nicht einfach hängen lassen “,
fordert die Geschäftsführerin des Hilfswerks. „ Es geht nicht um die
Frage, ob wir 24-Stunden-Betreuung in Österreich wollen oder nicht,
sondern darum, ob wir selbige durch fortgesetzte Untätigkeit wieder
in den Schwarzmarkt abdrängen, oder sie in einem transparenten,
qualitätsgesicherten und adäquat geförderten Rahmen zukunftsfähig
aufstellen “, meint Anselm. „ Denn solange es Menschen gibt, die
dieser Arbeit nachgehen wollen, und andere, die genau diese
Unterstützung brauchen, werden sich die Menschen finden. Die Politik
hat es in der Hand, unter welchen Umständen die 24-Stunden-Betreuung
stattfindet “, ist Anselm überzeugt.

Die 24-Stunden-Betreuung ist seit 2007 gesetzlich regulierter und
geförderter Teil der österreichischen Versorgungslandschaft. Rund
30.000 Familien nehmen sie derzeit in Anspruch. Sie trägt neben der
Angehörigenpflege und den stundenweise ins Haus kommenden mobilen
Diensten wie Hauskrankenpflege und Heimhilfe dazu bei, den Wunsch von
weit über 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher zu
erfüllen – nämlich so lange wie möglich zu Hause zu leben. Knapp
57.000 selbstständige Betreuungskräfte, zumeist aus Ost- und
Südosteuropa, verfügen aktuell über eine aufrechte
Gewerbeberechtigung für die 24-Stunden-Betreuung in Österreich. Sie
kommen regelmäßig im Turnus von üblicherweise zwei bis drei Wochen
ins Land, wohnen bei der pflegebedürftigen Person und bestreiten den
Alltag mit ihr. Ein großer Teil der Betreuerinnen und Betreuer wird
von Agenturen vermittelt und unterstützt, die im besten Fall auch
eine begleitende Qualitätssicherung durch diplomierte Pflegekräfte
gewährleisten. Das anerkannte Zertifikat ÖQZ-24 schreibt unter
anderem eine derartige Qualitätssicherung vor.

Völlige Schräglage bei der Förderung der 24-Stunden-Betreuung

Die staatliche Förderung der 24-Stunden-Betreuung betrug seit der
Einführung im Jahr 2007 bis zum Jahr 2022 unverändert 550 Euro pro
Monat. Im Jahr 2023 wurde die Förderung erstmals angepasst, zunächst
auf 640 Euro, dann auf 800 Euro. „Damit hat man damals nicht einmal
den Wertverlust korrigiert und mittlerweile entwertet sich die
Förderung laufend weiter“, erklärt Helmut Lutz , Geschäftsführer
Malteser Care . „ Ich finde das ungeheuerlich. Familien, die zu Hause
pflegen und betreuen, ersparen der Allgemeinheit viel Geld. Als Dank
dafür sehen sie sich in der 24-Stunden-Betreuung mit einer völligen
Schräglage der Förderung konfrontiert “, kritisiert Lutz. „
Vergleicht man die Ausgaben der öffentlichen Hände für die
unterschiedlichen Pflegformen, dann sieht man, wie unvernünftig auch
volkswirtschaftlich die Vernachlässigung der Pflege zu Hause und
speziell auch der 24-Stunden-Betreuung ist “, sagt Lutz. Die
durchschnittlichen jährlichen Nettoausgaben der öffentlichen Hand
sind derzeit für eine pflegebedürftige Person im Pflegeheim mit
38.728 Euro zu veranschlagen, in der 24-Stunden-Betreuung mit 9.980
Euro und in den mobilen Diensten mit 6.307 Euro.

Besonders ärgert sich Helmut Lutz auch über die Tatsache, dass
man die Einkommensgrenze, die den Zugang zur Förderung der 24-Stunden
-Betreuung regelt, nie angepasst hat. Im Jahr 2007 wurde diese Grenze
mit 2.500 Euro festgelegt. Liegt das Einkommen darüber, gibt es keine
Förderung. Mittlerweile müsste diese Grenze, an die Inflation
angepasst, bei über 4.055 Euro liegen. „Für immer mehr Familien ist
der Zugang zur Förderung versperrt“, sagt Lutz. Während daher für
Betroffene mit geringerem Einkommen die Leistbarkeit der 24-Stunden-
Betreuung an der niedrigen Förderung scheitert, haben Menschen mit
höherem Einkommen gar keinen Förderanspruch. Die Folge: „ Immer mehr
betreuungsbedürftige Menschen landen – ohne medizinische Not und
gegen ihren Willen – in den ungleich teureren und personell schon
jetzt am Limit befindlichen Pflegeheimen “, sagt Lutz. „ Die
Förderung der 24-Stunden-Betreuung ist die einzige Leistung in der
Pflege und Betreuung, bei der das Einkommen als Barriere dient. Das
ist für den Einzelnen ungerecht und volkswirtschaftlich sinnlos “,
kritisiert Lutz.

Qualität und Fairness kosten Geld – auch in der 24-Stunden-
Betreuung

„Pflegeheime sind zweifellos ein wichtiger und unverzichtbarer
Bestandteil unseres Versorgungssystems. Sie sind aber nicht immer
notwendig und auch nicht immer die passende Lösung, weder für die
pflegebedürftigen Menschen, noch – mit Blick auf die Kosten – für die
öffentliche Hand“, ist auch Anna Parr , Generalsekretärin der Caritas
Österreich , überzeugt. Jeder öffentliche Euro, der es Menschen
ermögliche, zu Hause gut betreut zu werden und auch zu bleiben,
entlaste das System, d. h. Pflegeheime und Krankenhäuser, und stärke
damit die Stabilität im Gesamtsystem, sagt Parr. „ Die 24-Stunden-
Betreuung ist eine entscheidende Säule, die Familien stützt und das
gesamte Pflegesystem mitträgt. Deshalb darf sie nicht zu einem
Eliteprogramm werden. Sie muss dringend weiterentwickelt werden. Die
Einkommensgrenzen sowie die Förderhöhe müssen endlich an die heutige
Realität angepasst werden. Denn Betreuung zu Hause ist nicht nur
menschlich richtig, sondern auch volkswirtschaftlich die klügste
Lösung “, meint Parr.

Parr präsentiert die wichtigsten Forderungen von Caritas,
Hilfswerk und Malteser Care zur Weiterentwicklung der 24-Stunden-
Betreuung: „ Wir fordern einen Ausgleich des Wertverlustes der
Förderung und eine substanzielle Verbesserung der Förderung, um
Spielraum für Leistbarkeit, Qualität und Fairness zugewinnen. Eine
Anhebung der Förderung von 800 Euro auf 1.600 Euro wäre zielführend
und immer noch sehr weit entfernt von dem, was ein Platz im
Pflegeheim kostet “, erklärt Parr. Ob man diese erhöhte Förderung
direkt an die betroffenen Personen auszahlt oder Teile davon
beispielsweise in die Refinanzierung einer begleitenden
Qualitätssicherung durch diplomierte Pflegefachkräfte oder eine
bessere soziale Absicherung der Betreuerinnen und Betreuer
investiert, sei noch zu diskutieren, meinen die die Organisationen.
Außerdem wird eine zeitgemäße , transparente Anpassung der
Einkommensregelung als Voraussetzung für den Zugang zur Förderung
verlangt. Das heißt, dass die Einkommensgrenze valorisiert werden
muss und der Inflation folgend auf 4.050 Euro anzuheben ist, darunter
muss der Zugang zur Förderung möglich sein . Um einen Zugang zur 24-
Stunden-Betreuung auch dort zu erschließen, wo die Not am größten
ist, sollen Menschen mit geringen Pensionen Zuschüsse aus der
Sozialhilfe bekommen. Modelle wie beispielsweise in der Steiermark
zeigen erfolgreich, wie es geht: Dort wird Betroffenen mit niedrigem
Einkommen ab der Pflegegeldstufe 4 eine Zusatzförderung ausbezahlt.
So können sie sich die benötigte 24-Stunden-Betreuung leisten und zu
Hause leben.

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