Durch „Zwischenparken beim AMS“ verlieren Arbeitnehmer:innen tausende Euro

Linz (OTS) – Die Regeln der Arbeitslosenversicherung in Österreich
erschweren es
den Betrieben nicht, Beschäftigte bei Auftragsschwankungen
vorübergehend beim AMS anzumelden, anstatt sie durchgängig zu
beschäftigen. Dieses „Zwischenparken“ ist für Unternehmen praktisch
kostenfrei, bedeutet jedoch für die betroffenen Beschäftigten
langfristig große finanzielle Nachteile. Zugleich entstehen dem Staat
durch diese Unternehmenspraxis jährliche Kosten bis zu 700 Millionen
Euro. „ Das ,Zwischenparken‘ von Beschäftigten ist sozial ungerecht,
wirtschaftlich ineffizient und für den Staat sehr teuer. Wer Risiken
auf die Allgemeinheit abwälzt, soll auch die Kosten tragen “, sagt AK
-Präsident Andreas Stangl. Die AK Oberösterreich schlägt konkrete
Maßnahmen für mehr Gerechtigkeit vor.

Wenn Beschäftigte für eine gewisse Phase arbeitslos gemeldet und
anschließend beim selben Arbeitgeber wieder eingestellt werden,
spricht man von „temporären Layoffs“. Jährlich werden auf diese Weise
rund 200.000 Beschäftigungsverhältnisse unterbrochen.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich und das Institut für
Wirtschaftsforschung (WIFO) haben die Folgen für Betroffene in den
ersten zehn Jahren nach der ersten Unterbrechung untersucht. Die
zentrale Erkenntnis: Diese Praxis ist für Unternehmen eine
Möglichkeit, Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Für die
Arbeitnehmer:innen bedeuten sie allerdings langfristig negative
Folgen im Erwerbsleben und hohe individuelle Kosten.

Fehlanreize in der Arbeitslosenversicherung begünstigen
„Zwischenparken“
Derzeit sind die Arbeitgeberbeitragssätze zur
Arbeitslosenversicherung für alle Betriebe gleich. Für das Beenden
von Arbeitsverhältnissen fallen nur geringe Kosten an, was zu einem
übermäßigen „Zwischenparken“ führt. Über zehn Prozent sämtlicher
Beschäftigungsaufnahmen in Österreich sind Wiedereinstellungen beim
selben Dienstgeber. Rund die Hälfte davon erfolgt nach maximal zwei
Monaten Arbeitslosigkeit. Dadurch subventionieren Betriebe, die ihre
Arbeitskräfte durchgehend beschäftigen, indirekt jene, die häufig auf
zeitweises Unterbrechen von Dienstverhältnissen mit späterem
Wiedereinstellen setzen.

Für die Beschäftigten bedeutet dies einen Einkommensausfall,
Unsicherheit und selbst bei einer Wiedereinstellungszusage einen
temporären Verlust des Arbeitsplatzes. Betroffene sind in den fünf
Jahren nach der Unterbrechung im Durchschnitt 51 Tage länger
arbeitslos als vergleichbare Arbeitnehmer:innen mit durchgängiger
Beschäftigung. Über zehn Jahre hinweg summieren sich diese
Unterschiede auf rund drei Monate. Das wirkt sich dementsprechend auf
das Einkommen aus. Im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren liegt das
kumulierte Einkommen aus unselbständiger Beschäftigung
durchschnittlich um über 6.000 Euro niedriger als bei
Arbeitnehmer:innen ohne „Layoff“ im ersten Beschäftigungsjahr. Die
Einkommensverluste pro Person entsprechen somit einem gebrauchten
Kleinwagen.

Bis zu 700 Millionen Euro Kosten für Allgemeinheit
Die Kosten des „Zwischenparkens beim AMS“ müssen nicht nur die
Beschäftigten stemmen, sondern auch die Allgemeinheit. Durch
„temporäre Layoffs“ entstehen dem Staat jährliche Gesamtkosten von
600 bis 700 Millionen Euro – einschließlich der vom AMS getragenen
Sozialversicherungsbeiträge in der Arbeitslosenversicherung. Zum
Vergleich: Mit einem Viertel der Ausgaben für das Zwischenparken (150
bis 175 Millionen Euro) ließe sich das Förderbudget des AMS OÖ für
2026 verdoppeln.
Für AK-Präsident Andreas Stangl steht daher fest: „ Wer Risiken auf
die Allgemeinheit abwälzt, soll auch die Kosten tragen. “ Es brauche
daher eine faire Verteilung der Lasten. Deshalb gelte es, das AMS-
Zwischenparken einzudämmen bzw. die Verursacher an den Kosten zu
beteiligen.

Die AK Oberösterreich fordert daher:

Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung
Betriebe, die häufig temporäre Layoffs einsetzen, müssen stärker an
den entstehenden Kosten beteiligt werden. Betriebe, die diese Praxis
besonders oft anwenden, haben höhere Beiträge zu leisten. Betriebe
mit stabiler Beschäftigung sollen entlastet werden. Auf die
Allgemeinheit abgewälzte Risiken müssen beim Nutznießer bleiben.

Ein Monat Arbeitslosengeld durch den Arbeitgeber als pragmatische
Zwischenlösung
Der Betrieb übernimmt das Arbeitslosengeld für den ersten Monat nach
der Beschäftigungsbeendigung. Dieses leicht umsetzbare Modell hätte
eine starke Lenkungswirkung bei geringer administrativer Belastung.

Stärkere Einbindung in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

– Verstärktes Augenmerk des AMS auf diese Personalstrategie der
Unternehmen

– Kurzarbeit als Alternative zu temporären Layoffs wieder stärker im
Bewusstsein der Betriebe verankern

– Strengere Vollziehung des Frühwarnsystems

– Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der rasanten Veränderung
der Arbeitswelt braucht es mehr Geld für die Arbeitsmarktpolitik

Hier finden Sie die ausführliche Pressekonferenzunterlage sowie
ein Foto von AK-Präsident Andreas Stangl und MMag. Dr. Rainer Eppel (
WIFO) zu Ihrer Verwendung.
Fotocredit: AK OÖ / Wolfgang Spitzbart