Wien (OTS) – Seit einigen Wochen kann nun die sogenannte
„Geräte-Retter-Prämie“,
die Nachfolgerin des Reparaturbonus, beantragt werden. „Allerdings
nur von Personen, die über einen Internetzugang verfügen. Wer nicht
online ist, hat nur die Möglichkeit bei Verwandten, Bekannten oder
beim Handwerkerbetrieb um Hilfe zu bitten. Dieses ‚Online-Only‘ macht
Personen ohne Internet zu Bittstellern. Der Pensionistenverband
Österreichs fordert daher einmal mehr, dass es auch
Beantragungsmöglichkeiten mit Papierformular und Telefon geben muss“,
betont Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes
Österreichs. ****
Seit dem Start der Geräte-Retter-Prämie melden sich Tag für Tag
ältere Pensionist*innen in den Landesbüros und der Verbandszentrale
des PVÖ. Viele verfügen selbst über kein Internet oder sind mit
dieser Technologie noch nicht vertraut. Einige von ihnen sind
alleinstehend, haben keine Kinder oder Enkel, die ihnen beim Antrag
helfen könnten oder scheuen sich, persönliche Daten und Bankdaten
direkt im Reparaturbetrieb einem Fremden mitzuteilen. Sie möchten den
Antrag selbst und selbstbestimmt stellen – haben dafür aber keine
Möglichkeit.
Der Pensionistenverband selbst hat Testanrufe beim
Umweltministerium durchgeführt. Dort erhält man die Auskunft, dass
das Ministerium lediglich die Budgetmittel zur Verfügung stellt und
wird an die Kommunalkredit Public Consulting GmbH (KPC) verwiesen,
die für die Projektabwicklung zuständig ist. Von der KPC erhält man
dann die ernüchternde Information: „Anträge sind ausschließlich
online möglich. Es gibt keine telefonische oder postale
Antragsstellung.“ Damit haben Personen ohne Internet nur zwei
Möglichkeiten: Auf die Geräte-Retter-Prämie verzichten oder um Hilfe
zu bitten und damit sensible, persönliche Daten aus der Hand geben.
„Dies widerspricht auch dem verfassungsrechtlich festgeschriebenen
Recht auf Gleichbehandlung“, so Gerstorfer.
Derzeit alles nur online – von der Beantragung bis zur Liste der
Partner*innenbetriebe
„Aktuell geht nichts ohne Internet. Von der Beantragung des Bonus
bis zur Liste der Partner*innenbetriebe – alles ist nur online zu
finden. Immer mehr Pensionist*innen sind im Internet aktiv. Aber
gerade unter den älteren Senior*innen gibt es immer noch eine
beträchtliche Anzahl, die nicht online ist. In der Gruppe der 75- bis
84-Jährigen nutzt noch ca. die Hälfte das Internet, bei den über 85-
Jährigen ist es nur noch etwa ein Drittel – ein strukturell
benachteiligtes Drittel, das hier durch rein digitale Anmeldungen
ausgeschlossen wird. Es handelt sich dabei um mehr als 400.000
Menschen. Das muss geändert werden! Denn gerade ältere Menschen oder
sozial Schwächere sind auf jeden Cent angewiesen. Sie dürfen nicht
von dieser Förderung ausgeschlossen werden, sie dürfen nicht zu
Bittstellern gemacht werden“, so Gerstorfer.
Pensionistenverband will gedruckte Formulare und Listen von
Partner*innenbetrieben z. B. in Gemeinden
Der PVÖ fordert, dass nun rasch „Offline-Möglichkeiten“
geschaffen werden und schlägt vor, in den Bürgerservice-Stellen von
Gemeinden und allen teilnehmenden Partnerbetrieben Papierformulare
zur Beantragung der Prämie sowie Listen mit Betrieben in der Umgebung
aufzulegen. „Wir begrüßen den digitalen Fortschritt und die neuen
Möglichkeiten, die er bietet. Aber es darf nicht zugelassen werden,
dass Menschen, die (noch) nicht online sind, ausgegrenzt werden. Die
politisch Verantwortlichen sind dazu aufgerufen, hier rasch
Alternativen zu schaffen. Der Pensionistenverband Österreichs, der
über die entsprechende Erfahrung und Expertise verfügt, bietet hier
gerne seine beratende Hilfe an“, stellt die PVÖ-Präsidentin
abschließend klar.