IV: Nur richtige Rahmenbedingungen bringen den Industrie-Motor wieder zum Laufen

Wien (OTS) – Die Lage der Industrie in Österreich bleibt auch 2026
herausfordernd.
Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, zunehmende Regulierung
und ein verschärfter internationaler Wettbewerb setzen viele Betriebe
weiterhin massiv unter Druck. Gleichzeitig bekennt sich die Industrie
klar zum Standort Österreich – durch Investitionen, Innovationen und
den Erhalt von Beschäftigung.

„Die Industrie trägt Verantwortung – wir sichern Arbeitsplätze,
Wohlstand und Innovation und fühlen uns dem Standort Österreich
verpflichtet. Dieses Bekenntnis ist täglich sichtbar, trotz der
enormen Herausforderungen. Damit wir auch künftig Wertschöpfung und
Arbeitsplätze halten können, braucht es aber verlässliche und
international konkurrenzfähige Voraussetzungen. Das betrifft neben
konkreten Maßnahmen für die Wirtschaft im Besonderen auch die
Strukturen des Staates: Wir müssen verstehen, dass Konjunkturpolitik
Strukturpolitik ist“, betont Georg Knill, Präsident der
Industriellenvereinigung (IV).

Solider Ausgangspunkt muss in tragfähige Industriestrategie
münden

Positiv bewertet die IV die Ankündigung eines
Industriestrompreises, die Verlängerung der Strompreiskompensation
sowie das Bekenntnis zu Forschung, Technologie und Innovation. Aus
Sicht der IV ist das ein solider Ausgangspunkt: „Planbare
Energiepreise sind eine Grundvoraussetzung, um Investitionen am
Standort abzusichern – hier braucht es dauerhaft wettbewerbsfähige
Lösungen“, so Knill. Auch der Fokus auf Schlüsseltechnologien und
dafür gezielt Mittel aus dem FTI-Pakt einzusetzen, die aber um die
wichtigen themenoffenen Formate komplementär ergänzt werden müssen,
ist positiv. Das Ziel einer Forschungsquote von vier Prozent bis 2030
ist ebenso richtig und wichtig, Knill warnt zugleich jedoch: „Der FTI
-Pakt ist nach wie vor ausständig und das Rückgrat der
österreichischen Innovationsforschung. Kürzungen bei Forschung und
Innovation sind ein absolutes No-Go. FTI ist Zukunftsvorsorge, nicht
kurzfristige Budgetmasse.“

Knill fordert, die Maßnahmen rasch zu konkretisieren und die
Industriestrategie mit klaren Zielen zu hinterlegen: „Es kommt auf
die Umsetzung an: auf Zeitpläne, Finanzierung und spürbare Entlastung
in der Praxis. Eine tragfähige Industriestrategie muss Unternehmen
Sicherheit geben, damit Investitionsentscheidungen wieder leichter
fallen.“ Das betrifft auch die Lohnnebenkosten, wo es konkrete
Senkungen geben muss. Neben den klar benannten Maßnahmen sieht die
Industriellenvereinigung insbesondere sechs weitere konkrete
Handlungsfelder, die sich in einer Industriestrategie widerspiegeln
müssen:

Sechs zentrale Handlungsfelder für eine gestärkte Industrie

KPIs und Ziele: Es muss klar sein, wohin wir wollen und wie das
Industrieland Österreich in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren
aussehen soll. Dazu braucht es Transparenz, Messbarkeit und
Planbarkeit.

Superabschreibungen: Der sogenannte Innovationsbooster, der sich
über die neun Schlüsseltechnologien erstreckt, sollte auf weitere
Bereiche in der Form zeitlich befristeter Superabschreibungen
ausgeweitet werden.

Berichtspflichtmoratorium bis 2029: Unternehmen sind zunehmend
durch Berichts-, Dokumentations- und Nachweispflichten überlastet.
Was es braucht, ist ein klares Berichtspflichtmoratorium bis 2029 und
eine echte Entbürokratisierung, die die Unternehmen spüren.

Innovative Beschaffung: Der Staat kann stärker als
Innovationsmotor wirken, indem er dabei unterstützt, neue
Technologien rascher in den Markt zu bringen und damit industrielle
Skalierung ermöglicht.

Industrielle Kooperationen: Verstärkter Einsatz im Verteidigungs-
und Sicherheitsbereich zur Stärkung der Wertschöpfung,
Technologieentwicklung und Beschäftigung.

Zugang zum Kapitalmarkt: Langfristig gesicherter Kapitalzugang
über Bankfinanzierung hinaus, damit Unternehmen in kapitalintensiven
Bereichen wie Digitalisierung, Dekarbonisierung und
Schlüsseltechnologien investieren, ihre Eigenkapitalbasis stärken und
international wettbewerbsfähig bleiben können.

„Unsere Unternehmen brauchen vor allem Planbarkeit durch stabile
Energiepreise, verlässliche Förderungen und ein wettbewerbsfähiges
Steuer- und Abgabensystem, damit Österreich im harten
Standortwettbewerb seine Industrie stärken“, so Knill.

Aufschwung bedingt Strukturreformen

Zugleich braucht es Reformen, um den Aufschwung abzusichern: „Für
2026 gibt es vorsichtige Anzeichen einer Stabilisierung, aber
Wachstum ist kein Selbstläufer. Ohne Reformen und gezielte Impulse
wird es keinen nachhaltigen Aufschwung geben“, so Knill.

Kritisch sieht die IV daher, dass strukturelle Reformen zur
nachhaltigen Sanierung staatlicher Ausgaben bislang zu wenig im
Mittelpunkt stehen. „Wer Wachstum, Beschäftigung und Investitionen
will, muss Prioritäten setzen und ineffiziente Strukturen
reformieren, statt Entlastung über zusätzliche Belastungen zu
gegenfinanzieren“, so Knill abschließend.