Wien/Innsbruck (OTS) – Im Internationalen Jahr der
Quantenwissenschaft gelang es der
Innsbrucker Quantenphysikerin Francesca Ferlaino, mit großem Erfolg
ihr Forschungsgebiet einem breiten Publikum nahezubringen. Die mit
hochrangigen Preisen des Europäischen Forschungsrats ERC
ausgezeichnete Forscherin engagiert sich in dem von ihr gegründeten
Netzwerk Atom*innen für Frauen in der Physik. Mit der Begeisterung
für ihr Fach steckte die gebürtige Italienerin im Rahmen öffentlicher
Veranstaltungen darüber hinaus zahllose interessierte
Teilnehmer:innen an. Für dieses Engagement wurde Ferlaino nun vom
Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen zur
Wissenschaftlerin des Jahres gewählt.
Die gebürtige Italienerin forscht seit 2006 am Institut für
Experimentalphysik der Universität Innsbruck und ist seit 2014
wissenschaftliche Direktorin am Innsbrucker Institut für Quantenoptik
und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften (ÖAW), in der sie auch Mitglied ist. Die
Österreichische Akademie der Wissenschaften und die Universität
Innsbruck gratulieren Ferlaino herzlich.
Der Klub honoriert mit der heuer bereits zum 32. Mal
durchgeführten Wahl neben Forschungsleistungen vor allem Verdienste
in der Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte an eine breite
Öffentlichkeit.
Zwtl.: Große Auszeichnung für herausragende Forscherin
„Francesca Ferlaino ist eine herausragende Wissenschaftlerin und
nimmt als Quantenphysikerin eine bedeutende Vorbildrolle für Frauen
in der Wissenschaft ein. Es ist eine besondere Freude, dass ihr
Engagement mit der Auszeichnung zur Wissenschaftlerin des Jahres eine
noch größere Bühne bekommt. Ich freue mich riesig“, sagt Veronika
Sexl, Rektorin der Universität Innsbruck.
„Verständliche Vermittlung von wissenschaftlicher Arbeit ist ein
Schlüssel zur Stärkung des Vertrauens in die Wissenschaft. Wir sind
stolz, mit Ferlaino nicht nur eine hochqualifizierte
Wissenschaftlerin in unseren Reihen zu haben, sondern auch eine
ausgezeichnete Kommunikatorin, die intensiv um den Dialog mit der
Bevölkerung bemüht ist“, betont Heinz Faßmann, Präsident der ÖAW.
„Diese prestigeträchtige Auszeichnung freut mich sehr. Ich war
schon immer davon überzeugt, dass Wissenschaft keine isolierte
Tätigkeit ist, sondern ein gemeinsames Anliegen, dessen Wert durch
den Austausch und die Vermittlung von Wissen wächst. Diese
Auszeichnung würdigt insbesondere die Bedeutung der
Wissenschaftskommunikation und ihre Rolle dabei, der Forschung
gesellschaftliche Relevanz zu verleihen. Ich bin besonders stolz
darauf, wenn ich durch meine Arbeit zu einem breiteren Verständnis
der Bedeutung von Grundlagenforschung beitragen konnte“, sagt die
neue Wissenschaftlerin des Jahres, Francesca Ferlaino.
Zwtl.: Karriere in Italien und Innsbruck
Ferlaino studierte Physik an der Universität Federico II. in
Neapel und promovierte 2004 an der Universität Florenz sowie am
European Laboratory for Non-linear Spectroscopy (LENS). 2006 kam sie
als Postdoktorandin nach Innsbruck, um in der Forschungsgruppe von
Rudolf Grimm – Österreichs Wissenschaftler des Jahres 2009 – zu
arbeiten. Ein START-Preis und ein ERC Starting Grant ermöglichten ihr
2009 die Gründung einer eigenen Forschungsgruppe. 2014 wurde Ferlaino
Professorin für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck.
Seither ist sie außerdem wissenschaftliche Direktorin am ÖAW-Institut
für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) Innsbruck. In den
letzten Jahren wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet,
darunter zwei weitere ERC-Grants. 2021 wurde sie zum Mitglied der ÖAW
gewählt.
Zwtl.: Supersolide Zustände
In der Forschung beschäftigt sich Ferlaino mit Quantenphänomenen
in atomaren Gasen bei ultratiefen Temperaturen. In den vergangenen
Jahren konzentrierte sie sich insbesondere auf die stark magnetischen
und bisher wenig erforschten Atome Erbium und Dysprosium und konnte
mit ihrem Team 2020 die ersten langlebigen supersoliden Zustände im
Labor erzeugen, einem schwer fassbaren und paradoxen Materiezustand,
in dem kristalline Ordnung und Suprafluidität koexistieren.
Darüber hinaus ist Ferlaino in zahlreichen Forschungsnetzwerken
aktiv. Sie gründete 2024 die Plattform Atom*innen als internationales
Netzwerk für Frauen in den Quantenwissenschaften. Ziel ist es, einen
zentralen Raum zu schaffen, in dem Genderthemen in der Physik
diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht, Rat eingeholt und Forschung
vorangetrieben werden.
Auch im Bereich der Wissensvermittlung zeigt Ferlaino seit Jahren
ein großes Engagement, das sie im Internationalen Jahr der
Quantenwissenschaft noch einmal intensivierte. So hielt sie 2025
öffentliche Vorträge, nahm an niederschwelligen Veranstaltungen wie
„Willkommen Quantenwelt“ im Wiener Rathaus mit Hunderten
Besucher:innen teil und suchte den Austausch mit Schülerinnen und
Schülern, etwa im Rahmen des Schulprogramms „Quantastisch! Was geht
in der Quantenwelt!?“. Nicht zuletzt, um auch bei einem jüngeren
Publikum Interesse an dem so faszinierenden und zukunftsträchtigen
Feld der Quantenforschung zu wecken.