Wien (OTS) – Im Zentrum des Projekts steht der Entwurf eines zweiten
Turms, der
dem Stephansdom gegenübergestellt ist. Er ist nicht als Bauvorhaben
gedacht, sondern als geistige Setzung. Der Turm ist in einem tiefen
Blau konzipiert und als unmögliche Forderung aus Lapislazuli
formuliert – einem Material, das seit Jahrhunderten für Transzendenz
und geistige Dauer steht. Dass ein solcher Turm nicht realisierbar
ist, gehört zur Aussage.
Der zweite Turm steht für das Unvollendete – nicht im Dom,
sondern im Menschen selbst. „Der Stephansdom ist vollendet – wir sind
es nicht“, sagt Weinstein. Das Projekt hinterfragt eine Gegenwart,
die Denkmäler bewahrt, aber kaum noch bereit ist, sie als offenen
Denkraum zu begreifen.
„Wir haben gelernt, Denkmäler zu bewahren – aber verlernt, an
ihnen weiterzudenken“, so Weinstein. Der Stephansdom werde dabei
nicht infrage gestellt, sondern ernst genommen: als Ausdruck einer
historischen Gestaltungskraft und als Einladung, das Unvollendete
nicht zu schließen, sondern auszuhalten.
Das Volksbegehren des Geistes versteht sich als Aufforderung, das
Denken über Vollendung wieder aufzunehmen – nicht um zu bauen,
sondern um geistige Bewegung zurückzugewinnen.