Totschnig: Wald der Zukunft braucht professionelles Jagdmanagement

Wien (OTS) – Der österreichische Wald hat sich in den vergangenen
Jahrzehnten vor
allem durch den Klimawandel stark verändert. Damit stellen sich auch
neue Anforderungen an die Forst- und Holzwirtschaft. Rund 15 % der
Waldfläche Österreichs, etwa 510.000 Hektar, werden von den
Österreichischen Bundesforsten (ÖBf AG) betreut, die damit eine
besondere Verantwortung haben und eine wichtige Vorbildfunktion
leisten.

„Der gezielte Waldumbau hin zu klimafitten Mischbeständen, eine
verstärkte Waldbewirtschaftung sowie eine laufende Verjüngung des
Baumbestands sind dringend erforderliche Beiträge zum Klimaschutz.
Sie sind wesentlich für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels
und die Sicherung der Waldfunktionen, die wesentlich zu unseren
natürlichen Lebensgrundlagen beitragen. Dabei ist professionelles
Jagdmanagement eine wesentliche Voraussetzung“ , betont
Bundesminister Norbert Totschnig .

Der Waldanteil beträgt in Österreich rund 48 Prozent und der Wald
erfüllt essenzielle Funktionen für Umwelt, Wirtschaft und
Gesellschaft. Der Wald ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, bietet
den Menschen Erholung, stellt den nachwachsenden Rohstoff und
Energieträger Holz bereit und sichert Wertschöpfung und Arbeitsplätze
in Österreich. Darüber hinaus schützt er vor Naturgefahren, bindet
CO2 aus der Luft und speichert es im Holz. Ziel des Waldmanagements
ist, diese vielfältigen Funktionen vor dem Hintergrund des
Klimawandels auch für die nächsten Generationen zu sichern.

Wald der Zukunft: Waldumbau nur mit Jagd möglich
Um strategische Entscheidungen im Waldmanagement noch fundierter
abzusichern, wurde dieses Jahr der neue „Wald der Zukunft“-Beirat der
Bundesforste eingerichtet, in dem Vertreterinnen und Vertreter aus
der Wissenschaft beim notwendigen Waldumbau fachlich begleiten.

„Wir bewirtschaften unsere Wälder nachhaltig und naturnah. Das
Jahrhundertprojekt ‚Wald der Zukunft‘ ist dabei unsere wichtigste
Aufgabe. Ein erfolgreicher Waldumbau gelingt jedoch nur Hand in Hand
mit einer verantwortungsvollen Jagd, denn nur ein ausgewogenes Wald-
Wild-Verhältnis schafft die Basis für klimafitte, stabile und
natürlich nachwachsende Wälder“ , so Andreas Gruber , Vorstand für
Forstwirtschaft und Naturschutz bei den Österreichischen
Bundesforsten.

Bei diesem Vorhaben sind ausgeglichene Wald-Wild-Verhältnisse
entscheidend und damit ist die Jagd ein wichtiger Erfolgsfaktor. Der
hohe Wildeinfluss in vielen Regionen Österreichs ist eine
Herausforderung für klimafitte Wälder, denn bei zu hohem Einfluss von
Wild können notwendige Baumarten, wie Tanne, Lärche und verschiedene
Laubhölzer, nicht ausreichend wachsen. Jungbäume werden massiv
geschädigt oder zum Absterben gebracht und auch Schälschäden können
die Waldentwicklung beeinträchtigen.
Darum setzen sich die Österreichischen Bundesforste für ein
ausgeglichenes Wald-Wild-Verhältnis und eine nachhaltige Reduktion
des Wildverbisses ein.

Dr. Florian Kunz von der Universität für Bodenkultur (BOKU):
„Europaweit, aber auch in Österreich, sind die Strecken beim
Schalenwild, vor allem beim Rothirsch, in den vergangenen Jahrzehnten
deutlich angestiegen. Diese spiegeln den allgemeinen Trend der
Wildtierbestände wider. Beim Rehwild ist die Situation anders –
während in Österreich die Strecken und damit die Bestände stark
gestiegen sind, gibt es in Europa unterschiedliche Entwicklungen.
Hohe Wildbestände bei gleichzeitig verschiedenen menschlichen
Interessen bedingen ein modernes Wildtiermanagement, das auch die
Jagd miteinschließt. Die nachhaltige Jagd steht dabei vor vielen
Herausforderungen, wie z. B. dem Klimawandel und
Interessenkonflikten, und muss deshalb auf modernen Konzepten
beruhen.“

Jagdstrategie und Jagdleitfaden der Bundesforste
Nahezu die gesamte Bundesforste-Fläche von rund 850.000 Hektar (Wald
und weitere Flächen wie Seen oder Wiesen und Almen) sind Jagdgebiet,
das entspricht rund 1.700 Jagdrevieren. Der Großteil der ÖBf-
Jagfläche ist an Kundinnen und Kunden vergeben. Mit ihrer
Jagdstrategie verfolgen die Bundesforste das primäre Ziel, in
Zusammenarbeit mit regionalen Partnerinnen und Partnern die
Wildbestände an den jeweiligen Lebensraum anzupassen. Dabei steht die
Waldverjüngung, insbesondere in Schutzwäldern, im Mittelpunkt.
Darüber hinaus wird ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis innerhalb
der Wild-Populationen angestrebt.

„Wir tragen Verantwortung für das gesamte Waldökosystem. Bei den
Bundesforsten gehören nachhaltige Jagd und eine naturnahe
Bewirtschaftung des Waldes untrennbar zusammen. Mit gezielten
Maßnahmen übernehmen wir eine aktive Rolle dabei, Wald und Wild in
Einklang zu bringen. Das gelingt nur in partnerschaftlicher
Zusammenarbeit – auf Augenhöhe mit Jagd, Forst, Wissenschaft und
Behörden – und auf Basis klarer rechtlicher Rahmenbedingungen. In
Österreichs Wäldern leben wir einen Generationenvertrag. Das Projekt
Wald der Zukunft soll auch für die nächsten Generationen gesunde
Wälder sichern“, betont ÖBf-Vorstandssprecher Georg Schöppl .

Zusätzlich wird in den Wäldern der Bundesforste nach einem internen
Jagdleitfaden vorgegangen. Damit wird sichergestellt, dass die Jagd
partnerschaftlich, tierschutzgerecht und praxisnah umgesetzt wird.
Dieser Leitfaden betont zudem professionelle und moderne Jagdpraxis,
bei der die notwendigen Maßnahmen faktenbasiert, zielgerichtet und
sensibel umgesetzt werden, das Personal kontinuierlich geschult und
damit flexibel auf Waldzustand und Wildeinfluss reagiert wird.

Weitere Maßnahmen des BMLUK
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) setzt darüber
hinaus auf ein österreichweites, umfangreiches Maßnahmenpaket:

Regelmäßiges Monitoring und Publikation des Wildschadensberichts

Der Österreichische Waldfonds fördert gezielt Schutzmaßnahmen für
Aufforstungs- und Naturverjüngungsflächen

Flächenwirtschaftliche Projekte der Wildbach- und
Lawinenverbauung kombinieren forstlich-biologische und technische
Maßnahmen, um Objektschutzwälder zu sichern und Naturgefahren
vorzubeugen.

Eine permanente Plattform zum direkten Austausch und zur
Förderung praxisorientierter Lösungsansätze bildet der Forst & Jagd
Dialog.

Gemeinsam mit den Landesregierungen trägt das BMLUK mit klaren
politischen Rahmenbedingungen aktiv zur Verbesserung der Wald-Wild-
Verhältnisse bei. So haben mehrere Bundesländer – besonders gehäuft
in jüngster Zeit – in ihren Jagdgesetzen die erforderlichen modernen
Standards implementiert.

Link: https://www.bundesforste.at/