St. Pölten (OTS) – Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer
Niederösterreich tagte
am Montag, dem 1. Dezember in St. Pölten. Inmitten anhaltender
internationaler Unsicherheiten und wirtschaftlicher Herausforderungen
unterstrich der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich
Johannes Schmuckenschlager einmal mehr die zentrale Bedeutung einer
verlässlichen und leistungsfähigen europäischen Agrarpolitik. „In
Zeiten, in denen vieles auseinanderdriftet, ist es entscheidend, dass
wir zusammenarbeiten und Stabilität geben. Versorgungssicherheit
entsteht nicht von selbst – sie ist das Ergebnis klarer Regeln,
fairer Rahmenbedingungen und einer starken gemeinsamen Agrarpolitik“,
betonte Schmuckenschlager.
GAP ab 2028: Kontinuität, Praxistauglichkeit und ausreichende
Finanzierung sichern
Mit den Vereinfachungspaketen der EU für 2024 und 2025 wurden erste
wichtige Schritte zum Bürokratieabbau in der GAP gesetzt. Aus Sicht
der Landwirtschaftskammer Niederösterreich muss dieser Weg konsequent
fortgeführt werden, betont Schmuckenschlager: „Vereinfachungen dürfen
nicht nur auf dem Papier stattfinden. Sie müssen im Alltag der
bäuerlichen Betriebe ankommen.“
Zudem wird der aktuelle Vorschlag der Europäischen Kommission für
den Mehrjährigen Finanzrahmen, insbesondere der „Single Fund“ ohne
klare Zweckbindung und mit gekürzten GAP-Mitteln, entschieden
abgelehnt. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf erklärte: „Wer sich an
365 Tagen im Jahr auf den Feldern und in den Ställen für unsere
Lebensmittel einsetzt, verdient nicht nur Wertschätzung, sondern auch
Wertschöpfung. Essen wächst nicht im Supermarktregal. Es braucht
faire Bedingungen und eine gerechte finanzielle Abgeltung für unsere
Bäuerinnen und Bauern. Die Vorschläge der zukünftigen GAP gehen hier
in die falsche Richtung, es darf zu keinen Einsparungen auf Kosten
der heimischen Landwirtschaft und des ländlichen Raums kommen.“
Schmuckenschlager ergänzte: „Wenn Europa Versorgungssicherheit so
behandelt wie lange Zeit die militärische Sicherheit, stehen uns in
wenigen Jahren große Lücken bevor. Die GAP muss gemeinschaftlich
bleiben – mit klar zugeordneten Mitteln und fairen Bedingungen im
Binnenmarkt.“
Zwtl.: Strategieprozess für Zukunft des Marktfruchtanbaus gestartet
Der Marktfruchtbau steht derzeit vor erheblichen
Herausforderungen. Nach guten Ernten bei gleichzeitig schwacher
Nachfrage sind die Märkte angespannt, während die Produktionskosten –
von Energie über Betriebsmittel bis hin zu Arbeitskosten – deutlich
gestiegen sind. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe langfristig
zu sichern, hat die Landwirtschaftskammer Niederösterreich einen
Strategieprozess zur Zukunft des Marktfruchtanbaus gestartet. Eine
landesweite Steuerungsgruppe bündelt dabei die Vorschläge und
Anregungen aus den einzelnen Produktionsregionen und entwickelt auf
dieser Basis ein konkretes Maßnahmenprogramm für die kommenden Jahre.
„Wir müssen heute jene Weichen stellen, die den Betrieben morgen
Stabilität und Perspektive geben. Mit diesem Strategieprozess
schaffen wir eine Basis, um Herausforderungen klar zu benennen und
Lösungen zu erarbeiten“, so Schmuckenschlager.
Zwtl.: Agrardiesel: Weiterführung der Entlastungsmaßnahmen notwendig
Die von der Bundesregierung eingeführten Entlastungsmaßnahmen für
Agrardiesel kompensieren die hohen Treibstoffkosten und stärken damit
die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft. Sie laufen
jedoch Ende 2025 aus. Ein Auslaufen ohne Ersatz wäre für Österreichs
Betriebe fatal: Dann läge das Land bei Steuersatz und Preisniveau für
Agrardiesel im EU-Vergleich im oberen Bereich. „Das wäre ein massiver
Wettbewerbsnachteil, den wir uns nicht leisten können“, so
Schmuckenschlager. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich fordert
daher eine Weiterführung der steuerlichen Entlastung über 2025
hinaus.
Zwtl.: AMA-Gütesiegel ausweiten und sachliche Debatte über
Lebensmittelpreise
Das AMA-Gütesiegel steht seit mehr als 30 Jahren für Herkunft,
Qualität und unabhängige Kontrollen und schützt die heimische
Landwirtschaft vor anonymen Billigimporten. Für viele
niederösterreichische Familienbetriebe sind Ölfrüchte und Zuckerrüben
zentrale Einkommensquellen, daher fordert die Landwirtschaftskammer
Niederösterreich eine Ausweitung des AMA-Gütesiegels auf Pflanzenöle
und Zucker.
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich spricht sich zudem für
eine sachliche, faktenbasierte Debatte über den Wert der Lebensmittel
aus: Wer bewusst heimische Produkte kauft, stärkt Betriebe, schafft
Arbeitsplätze und erhöht die Versorgungssicherheit im Land. „Die
Diskussion über Lebensmittelpreise muss immer auch die
Versorgungssicherheit im Blick behalten. Unsere Bäuerinnen und Bauern
sichern diese tagtäglich. Dafür brauchen sie faire Marktregeln und
gleiche Wettbewerbsbedingungen. Regionale Qualität hat ihren Wert,
und der muss sichtbar und anerkannt werden“, betonte
Schmuckenschlager.
Zwtl.: Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln dringend verbessern
Sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene laufen derzeit
Bemühungen, die Zulassungsprozesse für Pflanzenschutzmittel zu
vereinfachen. Erste Fortschritte sind bereits sichtbar, die
Vereinfachungsprozesse müssen aber konsequent fortgesetzt werden.
„Zum einen müssen notwendige Pflanzenschutzmittel verfügbar sein. Zum
anderen brauchen wir gleiche Spielregeln für alle Mitgliedstaaten,
sonst haben Österreichs Betriebe einen gefährlichen
Wettbewerbsnachteil“, so Schmuckenschlager.
Weitere Themen entnehmen Sie bitte der Resolution auf unserer
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Über die Vollversammlung der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer
Die Vollversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium der
Vertretung der Landwirtschaft in Niederösterreich. Sie besteht aus 40
Mitgliedern, die gleichzeitig als Landeskammerräte Funktionen
ausüben. Die Vollversammlung dient der Beratung und Beschlussfassung
aller Angelegenheiten der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer, soweit
nicht der Hauptausschuss oder der Präsident zuständig sind.