Wien (OTS) – Eine aktuelle Studie des Instituts für Höhere Studien
(IHS) zeigt:
Durch frühzeitige Therapie mit CDK4/6-Inhibitoren können bei 1.340
Patientinnen, die für diese Behandlung 2022 in Frage kamen, 200
Rückfälle vermieden werden und langfristig können bis zu 52 Millionen
Euro volkswirtschaftliche Folgekosten reduziert werden.
Brustkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in
Österreich – und bringt für Betroffene nicht nur gesundheitliche,
sondern auch soziale und wirtschaftliche Folgen mit sich. Besonders
gravierend sind Rückfälle in Form von Fernmetastasen, für die meist
keine kurativen Behandlungen zur Verfügung stehen und somit nicht
geheilt werden können. Sie führen zu längeren beruflichen Auszeiten
und belasten Patientinnen, ihr Umfeld sowie das Gesundheitssystem
stark. Die aktuelle Studie des IHS untersucht daher, wie die
Ergebnisse klinischer Studien zur adjuvanten CDK4/6-Therapie
einzuordnen sind und welche gesellschaftsökonomischen Auswirkungen
sich daraus ergeben.
Zwtl.: Adjuvante CDK4/6-Therapie reduziert das Rückfallrisiko und
volkswirtschaftliche Belastungen
Rund zwei Drittel der Fälle bei Diagnose Brustkrebs gehen auf
sogenannte HR+/HER2- Tumore zurück. Klinische Studien zeigen, dass
der mehrjährige adjuvante Einsatz von CDK4/6-Inhibitoren – also eine
Behandlung nach erfolgter Operation, Strahlentherapie und etwaiger
Chemotherapie – in Kombination mit endokriner Therapie das
Rückfallrisiko bei Betroffenen mit erhöhtem Rezidivrisiko senken
kann.
Aufbauend auf klinischen Ergebnissen untersucht die Studie des
IHS, welche Rückfälle in Österreich potenziell vermeidbar wären und
welche volkswirtschaftlichen Folgekosten damit verbunden sind – also
nicht nur direkte Behandlungsausgaben, sondern auch indirekte
Belastungen wie Arbeitsausfälle, Frühpensionierungen oder
zusätzlicher Pflegeaufwand, die die gesamte Gesellschaft
betreffen.Die in der Modellierung der IHS-Studie betrachtete
Patientinnenkohorte umfasst 1.340 Patientinnen, die in Österreich im
Jahr 2022 die Behandlungskriterien erfüllten. Über einen Zeitraum von
30 Jahren könnten damit etwa 200 Rückfälle und rund 1.000
Krankheitsjahre mit metastasiertem Brustkrebs verhindert werden.
Die Studie zeigt außerdem: Durch den frühzeitigen Einsatz von
CDK4/6-Inhibitoren lassen sich in dieser Patientinnenkohorte
langfristige Folgekosten von 43 bis 52 Millionen Euro einsparen.
„Hier stehen wir nicht nur medizinisch, sondern auch
gesamtgesellschaftlich vor einer Chance. Jede Patientin, die keinen
Rückfall erleidet, gewinnt wertvolle Lebenszeit und Lebensqualität-
und zugleich profitieren ihr Umfeld und das Gesundheitssystem“, so
Assoz. Prof. Dr. Gabriel Rinnerthaler.
Zwtl.: Patientinnen bleiben länger im Berufsleben
Pro Patientin bzw. vermiedenem Rückfall entspricht das einem
geschätzten gesellschaftlichen Nutzen von rund 250.000 Euro. Davon
entfällt rund ein Viertel auf Produktivitätseffekte – weil
Patientinnen ihre berufliche Tätigkeit und unbezahlte Arbeit
fortsetzen oder früher wieder aufnehmen können. „Die moderne Therapie
stärkt die Chance, trotz Erkrankung am Arbeitsleben teilzuhaben und
Alltagsaufgaben weiter erfüllen zu können. Das ist ein entscheidender
Beitrag zur Selbstbestimmung, zur wirtschaftlichen Stabilität der
Patientinnen und zur Gesellschaft insgesamt“, erklärt IHS-
Forschungsgruppenleiter für Gesundheitssysteme und -politik Dr.
Thomas Czypionka.
Auch für das Gesundheitssystem sind die potenziellen Auswirkungen
hoch: 75 % des errechneten Nutzens entstehen durch vermiedene
Krankenhausaufenthalte, Therapien und Behandlungen, die bei einem
Rückfall notwendig geworden wären. Pro Patientin entspricht ein
vermiedener Rückfall einem gesellschaftlichen Wert von rund 250.000
Euro. IHS-Gesundheitsökonomin Stephanie Reitzinger, PhD führt dazu
aus: „Solche Zahlen sind entscheidend, um Investitionen in neue
Therapien, die die Lebensqualität der Patientinnen verbessern, auch
ökonomisch nachvollziehbar darzustellen und damit den
gesundheitspolitischen Diskurs zu unterstützen“.
Die Kurzfassung der Studie ist hier nachzulesen.
Zwtl.: STUDIENAUTOR:INNEN
Dr. Thomas Czypionka ist der Leiter der Forschungsgruppe
Gesundheitssysteme und -politik am IHS. Er hat sich als einer der
führenden Gesundheitsökonomen in Österreich und Europa etabliert, hat
WHO, OECD und nationale und internationale Regierungen beraten.
Stephanie Reitzinger, PhD ist Gesundheitsökonomin am IHS. Sie
erforscht die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen von
Krankheiten und bewertet neue Therapien, um Grundlagen für
gesundheitspolitische Entscheidungen zu liefern.
Assoz. Prof. Dr. Gabriel Rinnerthaler ist stellvertretender
Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie am LKH-
Universitätsklinikum Graz. Er ist ein international anerkannter
Brustkrebsexperte. Sein zentraler wissenschaftlicher Schwerpunkt
liegt in der Entwicklung neuer Therapieansätze für frühe
Mammakarzinome im Rahmen der Austrian Breast & Colorectal Cancer
Study Group (ABCSG).
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