Bundesregierung bringt S1-Lückenschluss auf den Weg

Wien (OTS) – Lückenschluss im Regionenring entlastet Bevölkerung —
Smarte
Verkehrssteuerung verlagert Lkw-Durchzugsverkehr von Südosttangente
aus der Stadt — Impuls für Region Wien-Niederösterreich zur Sicherung
des Wohlstandes

Mobilitätsminister Peter Hanke und Hartwig Hufnagl,
Vorstandsdirektor der ASFINAG, haben heute die Pläne für die weitere
Vorgangsweise beim Projekt „S1 Wiener Außenring Schnellstraße“
vorgestellt. Nach beinahe 17 Jahren intensiver Prüfung wird der
Lückenschluss des Regionenrings im Norden Wiens auf den Weg gebracht.
Die S1 Wiener Außenring Schnellstraße gilt als das am besten geprüfte
Verkehrsprojekt Österreichs. Mehr als 20 Trassenvarianten wurden
untersucht sowie zahlreiche Gutachten erstellt. Die Trasse vom Knoten
Süßenbrunn über Raasdorf bis zum Knoten Schwechat inklusive
Tunnellösung ist der optimale Weg, um den Anforderungen der Region im
Sinne des Lebens- und Wirtschaftsraums gerecht zu werden. Denn die
Wohlstandsregion Wien-Niederösterreich, mit ihren beinahe vier Mio.
Einwohner:innen, braucht eine leistungsfähige Infrastruktur, vor
allem in den kommenden Jahrzehnten.

Mobilitätsminister Peter Hanke hielt fest: „ Ich habe die letzten
Monate genutzt, um das Projekt in allen relevanten Aspekten präzise
aufzuarbeiten. Dabei war mir eine ganzheitliche Bewertung wichtig,
die alle Verkehrsträger sowie volkswirtschaftliche, ökologische und
soziale Aspekte berücksichtigt. Führt man alle Gutachten und
Stellungnahmen der Fachexpert:innen zusammen, wird eines klar: Die S1
ist notwendig, um den Wirtschaftsstandort der gesamten Ostregion zu
sichern und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Wir
schaffen damit die Grundlage für bis zu 25.000 Jobs, Wohnraum für
55.000 Menschen und entlasten die Bewohner:innen Wiens vom Lkw-
Durchzugsverkehr . Deshalb habe ich heute entschieden, die S1 an die
ASFiNAG zur Umsetzung zu übergeben.“

ASFiNAG-Vorstandsdirektor Hartwig Hufnagl: „ Die ASFINAG erfüllt
mit dem Lückenschluss der S1 den im Bundestraßengesetz
festgeschriebenen entsprechenden Auftrag der Republik. Die
Realisierung startet nördlich der Donau mit dem sogenannten
Freilandabschnitt von Groß-Enzersdorf bis Knoten Süßenbrunn. Für
diesen Abschnitt liegen sämtliche Genehmigungen rechtssicher und
damit unanfechtbar vor. Nachhaltiges Bauen ist eine unserer
Kernkompetenzen und das werden wir mit diesem Projekt erneut unter
Beweis stellen. Gleichzeitig sichert das Vorhaben überregionale wie
regionale Wertschöpfung und leistet einen enormen Beitrag für einen
auch in Zukunft wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort. Es handelt
sich um eines der bestgeprüften Infrastrukturprojekte der Republik,
das Mobilität und Entlastung garantiert. ”

Zwtl.: Gesamthafte Betrachtung des Projekts und Sicherung der
Lieferketten

Für die Realisierung des Projekts ist eine gesamtheitliche
Betrachtung des heutigen und künftigen Verkehrs entscheidend. Dies
umfasst sowohl den Transit als auch den motorisierten
Individualverkehr, den es bis 2040 nach wie vor geben wird, jedoch
weitgehend dekarbonisiert. Hierbei ist auch die gesamte Region
jenseits des Großraums Wien, nämlich der Metropolraum Wien-Bratislava
-Budapest-Prag mit rund zehn Millionen Einwohner:innen, zu
berücksichtigen. In den kommenden Jahrzehnten wird dieser Großraum
aufgrund wachsender Anforderungen an Lieferketten, wirtschaftliche
Rahmenbedingungen und Wohnraum auf eine leistungsstärkere
Infrastruktur angewiesen sein. Mit dieser Frage einher geht auch die
Versorgungssicherheit der Bevölkerung. Dies betrifft sowohl den
Ausbau der Straßen als auch den der Schiene. Deshalb investiert die
österreichische Bundesregierung bis 2030 ca. sieben Mrd. Euro in die
Bahninfrastruktur der Ostregion.

Zwtl.: Impulse für Region, Wirtschaft, Wohnraum und Jobs

Die S1 ist nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern wirkt sich
auch positiv auf den Arbeitsmarkt und die regionale Wirtschaft aus.
Laut WIFO und ECO Austria sichert der Lückenschluss im Regionenring
bis zu 25.000 Arbeitsplätze. Für Betriebe bedeutet die neue Achse
schnellere Anbindungen an internationale Transportkorridore,
verlässlichere Lieferketten und attraktive Standortbedingungen für
Neuansiedlungen. Langfristig bringt das Projekt eine Wertschöpfung
von vier Mrd. Euro für den österreichischen Standort. Der Schaden für
Österreichs Volkswirtschaft durch die entstandenen Staukosten auf der
A23 wird aktuell auf rund 500 Millionen Euro jährlich geschätzt. Umso
größer ist der rasche Handlungsbedarf. Die Anbindung schafft zudem
die Grundlage für mehr als 27.000 neue Wohnungen bzw. Wohnraum in der
Donaustadt für 55.000 Menschen und eine bessere Erreichbarkeit für
Betriebe – ein zentraler Aspekt für die Region, denn laut Schätzungen
wird in Wien ein Bevölkerungswachstum bis 2040 auf rund 2,2 Mio.
Einwohner:innen erwartet.

Zwtl.: Region steht vor dem Verkehrsinfarkt

Täglich queren knapp 200.000 Fahrzeuge die Wiener Südosttangente
(A23). Jährlich sind es rund 900.000 Durchzugs-Lkw die Wien und das
bestehende Straßennetz darüber hinaus massiv belasten. Damit ist sie
die am stärksten befahrene Straße Österreichs. Laut ASFiNAG gibt es
an durchschnittlichen Werktagen ca. 5,5 Staustunden, die Menschen und
Wirtschaft belasten. Die Stausituation hat sich in den vergangenen
Jahren zunehmend verschlechtert – mittelfristig droht ein
Verkehrsinfarkt, der den Wohlstand in der gesamten Ostregion
gefährdet. Die Lösung liegt in der Entlastung der Verkehrsadern durch
die S1 die, wie beim menschlichen Herzen, als Bypass für die
überlasteten Verkehrsgefäße Südosttangente A23, A4, A2, A1 und S2
dienen soll. „ Wir setzen daher auf den Bypass und schaffen mit der
S1 eine neue, leistungsfähige Verbindung, die den Verkehr um das Herz
herumleitet und so den drohenden Verkehrsinfarkt auf der Tangente
verhindert “, erläutert Hanke.

Mit dem Lückenschluss durch die S1 Wiener Außenring Schnellstraße
wird der Lkw-Durchzugsverkehr künftig rund um die Stadt statt mitten
durch sie gelenkt. Das bringt spürbare Verbesserungen für
Hunderttausende Menschen in der Donaustadt sowie für die
Anrainergemeinden Raasdorf, Groß-Enzersdorf, Deutsch-Wagram,
Strasshof und Gänserndorf. Auch alle Wienerinnen und Wiener, die die
Tangente als Nahverkehrsachse nutzen, profitieren davon. Die
vervollständigte S1 sorgt zudem für mehr Verkehrssicherheit, da der
Schwerverkehr auf den hochrangigen Straßen gebündelt wird.

Zwtl.: Nahverkehr statt Fernverkehr in Wien mit „Tangente der
Zukunft“

Parallel zur Errichtung des Lückenschlusses im Regionenring wird
die bestehende Südosttangente erstmals in die Projektüberlegungen
miteinbezogen und als „Tangente der Zukunft“ neu gedacht.
Bundesminister Hanke hat die ASFiNAG beauftragt, ein neues
Mobilitätskonzept für die A23 zu erarbeiten, das den Verkehr durch
Digitalisierung, Echtzeitinformationen und intelligente
Steuerungssysteme optimiert. Diese Überlegungen sind Teil von Hankes
Anspruch, den Verkehr in der Region ganzheitlich zu betrachten und
die Mobilität von morgen durch Lenkungsmechanismen aktiv zu
gestalten. Konkret bedeutet das eine gezielte Lenkung des Lkw-
Durchzugsverkehrs über die S1, Echtzeitangaben auf Überkopf-Displays
wie „Time to Inzersdorf“, Schnellbuslinien auf eigenen Spuren und
eine flexible Verkehrssteuerung im Störfall. Damit wird die A23
endlich den Menschen zur Verfügung gestellt, die sie täglich
benötigen. Dem Nahverkehr und somit den Bewohner:innen und
Pendler:innen der Region. Darüber hinaus soll Österreich mit der
„Tangente der Zukunft“ und einer flexiblen Verkehrssteuerung im
Störfall eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen. Die für die
digitale Verkehrslenkung notwendige Novellierung des „Intelligente
Verkehrssysteme-Gesetzes“ (IVS-G) wird in den nächsten Tagen von der
Bundesregierung in Begutachtung geschickt.

Mobilitätsminister Peter Hanke sieht die „Tangente der Zukunft“
als zentralen Baustein einer leistungsstarken Infrastruktur in der
Region : „Mir war es wichtig, neben dem Regionenring auch über den
Tellerrand hinauszublicken. Mein Anspruch ist es, in ganz Österreich
die neuen Möglichkeiten digitaler Systeme im Verkehr zu nutzen, um
Mobilität zukunftsfitter zu gestalten. Der Lückenschluss durch die S1
Wiener Außenring-Schnellstraße eröffnet uns auf der Durchzugsverkehr-
und staugeplagten Südosttangente ganz neue Wege. Wir werden den
Durchzugsverkehr mithilfe von intelligenter Verkehrssteuerung
gänzlich aus der Stadt verlagern. Das erleichtert den Bewohner:innen
und Pendler:innen den Alltag und stärkt obendrein noch den
öffentlichen Verkehr. Die Tangente der Zukunft soll ein
Vorzeigemodell für modernen und intelligenten Verkehr sein! “

Zwtl.: Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit – „Die Lobau bleibt
unberührt“

Die Entscheidung für den Donau-Lobau-Tunnel ist eine bewusste
Wahl, um das sensible Ökosystem der Donau-Auen zu schützen. Kein
Tropfen Grund- oder Oberflächenwasser kommt mit dem Tunnelbau in
Berührung, die Oberfläche der Lobau bleibt unangetastet. Darüber
hinaus werden Grünbrücken, lärmschonende Bauweisen und klimaschonende
Materialien eingesetzt, um das Projekt so umweltverträglich wie
möglich umzusetzen.

Bundesminister Peter Hanke: „ Ich nehme dabei die Sorgen um Klima
und Natur sehr ernst. Unser Ziel bleibt die Klimaneutralität 2040.
Die Lobau bleibt unberührt. Der Tunnelabschnitt beginnt vor dem
Nationalpark und endet danach. Kein Bagger wird diesen Nationalpark
queren, und kein Baum wird darin gefällt.“

Zwtl.: Entscheidung fußt auf umfangreicher Evaluierung

Der Entscheidung für das Projekt ging eine umfassende Evaluierung
voraus, die im Auftrag eines Entschließungsantrags im Nationalrat und
dem Regierungsprogramm im Bundesministerium für Innovation, Mobilität
und Infrastruktur (BMIMI) vorgenommen wurde. In dieser erneuten
Prüfung wurden volkswirtschaftliche, verkehrsplanerische,
demografische, arbeitsmarktpolitische und soziale Aspekte
miteinbezogen. Das Ergebnis kommt klar zu dem Schluss, dass der S1-
Lückenschluss alternativlos ist, um notwendige ökonomische Impulse in
der Region zu setzen und die verkehrlichen Herausforderungen zu
lösen. Ohne diesem Projekt droht ein Verkehrsinfarkt auf der
Südosttangente durch den zunehmenden motorisierten Individual- und
Durchzugsverkehr. Zudem droht ohne eine leistungsfähige Verbindung im
Großraum Wien mittelfristig ein Standort-Nachteil für die gesamte
Region.

Hanke hält fest: „ Die aktuelle Situation, in der durch den Stau
auf der Südosttangente jährlich ein Schaden von rund 500 Millionen
Euro für die österreichische Volkswirtschaft entsteht und
Anrainer:innen sowie Pendler:innen unter massiver Verkehrsüberlastung
leiden, ist inakzeptabel. Es braucht eine ideologiebefreite und
faktenbasierte Lösung für diese Herausforderung statt
Blockadepolitik. Die gesamthafte Aufarbeitung des Projekts, der
rechtskräftige UVP-Bescheid und die Evaluierungsergebnisse,
kombiniert mit einer klaren, digitalen Zukunftsvision, die nah an den
Menschen ist, bilden das Fundament für die Entscheidung, den
Lückenschluss im Regionenring auf den Weg zu bringen und damit den
Grundstein für die Tangente der Zukunft zu legen.“

Das Projekt S1 Wiener Außenring Schnellstraße im Detail: Die S1
Wiener Außenring Schnellstraße stellt den Lückenschluss des Regionen-
Ringes hochrangiger Straßen rund um Wien dar und umfasst eine
Gesamtlänge von rund 19 km. Das Projekt wird in zwei Etappen
errichtet:

Etappe 1: Groß-Enzersdorf – Süßenbrunn
Mit 10,8 Kilometer Länge, neun Brücken, fünf Grünbrücken und zwei
großen Knotenpunkten schließt dieser erste Abschnitt des Projektes
das größte Stadtentwicklungsgebiet Wiens, die Seestadt Aspern, über
die sogenannte S1-Spange an das hochrangige Straßennetz an. Der Bau
wird im Frühjahr 2026 beginnen, ist mit Kosten von rund 500 Mio. Euro
veranschlagt und dauert rund sechs Jahre. Der Abschnitt Groß-
Enzersdorf-Süßenbrunn ist für sich bereits verkehrswirksam und
entlastet rund 100.000 Menschen in den Wiener Stadteile Essling,
Aspern und Breitenlee, sowie den Ortschaften Raasdorf und Groß-
Enzersdorf. Bei der ersten Etappe bzw. den „Verwirklichungsabschnitt
1“ liegen bereits alle notwendigen Bescheide rechtswirksam vor und
der Bau kann 2026 beginnen.

Etappe 2: Schwechat – Groß-Enzersdorf (Donau–Lobau Tunnel)
Der 8,3 km lange Straßenabschnitt umfasst einen Tunnel in
geschlossener Bauweise. Mit zwei Röhren (je zwei Fahrspuren) und
modernster Sicherheitstechnik wird der Transitverkehr unter der Donau
und unter der Lobau durchgeführt. Der Nationalpark Donau-Auen bleibt
dabei völlig unberührt. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Baustart
im Jahr 2030 und Kosten in Höhe von 2,2 Mrd. Euro aus, die Bauzeit
wird auf rund zehn Jahre geschätzt. Bei dieser Etappe (
Verwirklichungsabschnitt 2) sind noch Verfahren anhängig, diese gilt
es abzuwarten.

Die gesamten geplanten Baukosten für beide Etappen belaufen sich
auf rund 2,7 Mrd. Euro und werden gänzlich über die ASFiNAG
finanziert. Aufgrund der selbstständigen Finanzierungslogik des
Straßenbetreibers bezahlt niemand für das Projekt, der selbst keine
hochrangige Straßeninfrastruktur nutzt.